Maleike: Armin Himmelrath berichtet von dort. Wie ist denn die Bilanz über die Einführung von Bachelor und Master ausgefallen?
Himmelrath: Wenig überraschend, aus Sicht der Wissenschaftsministerin natürlich ganz, ganz positiv für Nordrhein-Westfalen. Hannelore Kraft ist nun auch bekennende Befürworterin eines Bachelor- und Mastersystems, und zwar eines flächendeckenden. Sie sagt, die Zahlen für Nordrhein-Westfalen sind gut, über 450 gestufte Studiengänge gibt es im Land. Alle sind akkreditiert, das heißt anerkannt. Also ist mittlerweile jeder fünfte Studiengang an Rhein, Weser und Ruhr auf das neue System umgestellt. Es ist aber eben nicht alles Gold, was glänzt. Das sagt auch Hannelore Kraft. Da ist zum Beispiel der Zuspruch bei den Studienanfängern, der noch unter zehn Prozent liegt. Das hat man im letzten Wintersemester ermittelt. Auch die Wirtschaft zieht noch nicht richtig mit. Da muss eben noch einiges passieren, sagt Hannelore Kraft:
Aus meiner Meinung mache ich dabei keinen Hehl. Ich glaube, dass wir in Deutschland zügiger und flächendeckender umstellen sollten auf Bachelor und Master, dabei deutlich konsequenter vorgehen sollten als bisher. Das heißt, Schluss mit den parallelen Strukturen. Es muss klar sein, welches Ziel wir verfolgen. Ich habe auch die Befürchtung - Stand heute, wenn ich mir die Zahlen angucke -, dass wir ein bisschen in Europa den Anschluss verlieren könnten, wenn wir hier nicht konsequenter in die Zukunft gehen.
Himmelrath: Sie will also ganz viel Druck machen, aufs Tempo drücken und nennt als große Vorbilder in Europa die Niederlande, Österreich oder Italien, wo zum Teil schon flächendeckend umgestellt worden ist. Da sagt Hannelore Kraft, dass sie das auch schaffen will. Deshalb heute ihre Ankündigung, bis 2010 wird in Nordrhein-Westfalen das komplette System erneuert sein. Dann gibt es an Rhein, Ruhr und Weser tatsächlich nur noch Bachelor und Master.
Maleike: Komplettes System heißt, das Diplom wird verschwinden. Will sie aber auch das Staatsexamen abschaffen? Das hat man bisher ja immer nur von den Medizinern und den Reformern bei Jura gehört, vielleicht auch noch bei den Lehrern.
Himmelrath: Für die Lehrämter ist es sozusagen schon beschlossen. Es gibt Pilotprojekte, wo das bereits umgesetzt wird. Aber auch für die anderen Bereiche, wo es schwieriger wird, bei Juristen, bei Medizinern. Aus diesen einzelnen Reformprojekten soll eine flächendeckende Bewegung werden. Das stößt natürlich bei vielen Hochschulen und Professoren auf Skepsis und Widerstand. Da sind Traditionen bedroht. Von daher kann man wirklich sagen: Es geht ein Riss durch die Hochschullandschaft in der Bewertung der neuen Abschlüsse. Es gibt Unis wie etwa Bielefeld oder Bochum, die gesagt haben, wir müssen nicht bis 2010 warten, wir sind schon 2005 fertig mit der Umstellung. Es gibt andere, eher traditionelle wie Bonn und Köln. Wie unterschiedlich da die Reformspielräume genutzt werden, zeigt sich an einem Vergleich: Die Uni Bochum - das sind die Spitzenreiter in Nordrhein-Westfalen - hat bereits 86 gestufte Studiengänge, an der Uni Bonn sind es ganze drei und in Köln vier. Da sieht man schon sehr, sehr deutlich, wie die Kluft auseinandergeht.
Maleike: Diese Kluft zeigt auch, dass einige Hochschulen - ich formuliere das jetzt mal so - ein bisschen "bockig" sind. Könnte das auch die kleine Rache der Hochschulen sein für den Qualitätspakt, der in Nordrhein-Westfalen ja doch mit viel Zähneknirschen und viel Protest durchgezogen wurde?
Himmelrath: Ja, das kann man durchaus so interpretieren. Da ging es ja darum, dass die Hochschulen Kürzungen zugestimmt haben, und im Gegenzug dazu bekamen sie personelle Planungssicherheit für zehn Jahre. Jetzt im Moment gibt es ja Haushaltsverhandlungen im Land, und Hannelore Kraft hat heute gesagt, sie gehe davon aus, dass der Qualitätspakt nicht angetastet werde. Bei solchen eindeutig zweideutigen Dementi schrillen natürlich an den Hochschulen die Alarmglocken. Von daher lässt sich vielleicht auch der Widerstand gegen diese Reform ein bisschen erklären. Die Wissenschaftsministerin sagt jetzt aber, bei dieser flächendeckenden Bachelor/Master- Einführung gehe es eben nicht nur darum, im eigenen Land die Zauderer zu überzeugen, dass sie endlich Abschied nehmen vom Diplom und Magister. Hannelore Kraft:
Der zweite Grund ist - und der ist nicht minder wichtig -, wenn man daran denkt, wie sich unsere Bevölkerungsentwicklungszahlen darstellen: Wir brauchen in Zukunft verstärkt gute Studierende aus dem Ausland. Dort zeigt sich auch, dass unsere Angebote für gute ausländische Studierende weniger attraktiv sind, wenn sie mit solchen Abschlüssen versehen sind
Maleike: Stichwort Abschlüsse: die international anerkannten wie Bachelor und Master, dazu gehört aber auch, wie wir vorhin von der Bundesbildungsministerin gehört haben, die Juniorprofessur, mit der ja auch ausländische Lehrende, also Professoren und Professorinnen nach Deutschland kommen sollen. Jetzt ist aber gerade Nordrhein-Westfalen immer das Bundesland, das genannt wird, wenn es darum geht zu sagen, dass Juniorprofessuren hier noch nicht so häufig der Fall sind. Gab es dazu heute auch etwas zu hören?
Himmelrath: Das war nur ein Thema am Rande. Hannelore Kraft sagte, sie sehe das sehr wohl als Erfolgsgeschichte und stellte sich da auch neben ihre Parteifreundin Edelgard Bulmahn in Berlin. Natürlich gebe es bei dieser Strukturreform, wie überall, wenn es um neue Dinge gehe, Anlaufschwierigkeiten. Dies sein verbunden mit Widerständen von Traditionalisten, also eher eine allgemeine Erklärung. Hannelore Kraft hat aber angekündigt, zumindest für Nordrhein-Westfalen, jeden Kritiker und jede Kritikerin in Sachen Juniorprofessur dezidiert zu widerlegen, wenn da jemand behauptet, die Juniorprofessurstellen seien nicht alle besetzt.
Maleike: Da hat sie dann wahrscheinlich in Zukunft noch eine Menge zu tun. Vielen Dank, Armin Himmelrath.
Himmelrath: Wenig überraschend, aus Sicht der Wissenschaftsministerin natürlich ganz, ganz positiv für Nordrhein-Westfalen. Hannelore Kraft ist nun auch bekennende Befürworterin eines Bachelor- und Mastersystems, und zwar eines flächendeckenden. Sie sagt, die Zahlen für Nordrhein-Westfalen sind gut, über 450 gestufte Studiengänge gibt es im Land. Alle sind akkreditiert, das heißt anerkannt. Also ist mittlerweile jeder fünfte Studiengang an Rhein, Weser und Ruhr auf das neue System umgestellt. Es ist aber eben nicht alles Gold, was glänzt. Das sagt auch Hannelore Kraft. Da ist zum Beispiel der Zuspruch bei den Studienanfängern, der noch unter zehn Prozent liegt. Das hat man im letzten Wintersemester ermittelt. Auch die Wirtschaft zieht noch nicht richtig mit. Da muss eben noch einiges passieren, sagt Hannelore Kraft:
Aus meiner Meinung mache ich dabei keinen Hehl. Ich glaube, dass wir in Deutschland zügiger und flächendeckender umstellen sollten auf Bachelor und Master, dabei deutlich konsequenter vorgehen sollten als bisher. Das heißt, Schluss mit den parallelen Strukturen. Es muss klar sein, welches Ziel wir verfolgen. Ich habe auch die Befürchtung - Stand heute, wenn ich mir die Zahlen angucke -, dass wir ein bisschen in Europa den Anschluss verlieren könnten, wenn wir hier nicht konsequenter in die Zukunft gehen.
Himmelrath: Sie will also ganz viel Druck machen, aufs Tempo drücken und nennt als große Vorbilder in Europa die Niederlande, Österreich oder Italien, wo zum Teil schon flächendeckend umgestellt worden ist. Da sagt Hannelore Kraft, dass sie das auch schaffen will. Deshalb heute ihre Ankündigung, bis 2010 wird in Nordrhein-Westfalen das komplette System erneuert sein. Dann gibt es an Rhein, Ruhr und Weser tatsächlich nur noch Bachelor und Master.
Maleike: Komplettes System heißt, das Diplom wird verschwinden. Will sie aber auch das Staatsexamen abschaffen? Das hat man bisher ja immer nur von den Medizinern und den Reformern bei Jura gehört, vielleicht auch noch bei den Lehrern.
Himmelrath: Für die Lehrämter ist es sozusagen schon beschlossen. Es gibt Pilotprojekte, wo das bereits umgesetzt wird. Aber auch für die anderen Bereiche, wo es schwieriger wird, bei Juristen, bei Medizinern. Aus diesen einzelnen Reformprojekten soll eine flächendeckende Bewegung werden. Das stößt natürlich bei vielen Hochschulen und Professoren auf Skepsis und Widerstand. Da sind Traditionen bedroht. Von daher kann man wirklich sagen: Es geht ein Riss durch die Hochschullandschaft in der Bewertung der neuen Abschlüsse. Es gibt Unis wie etwa Bielefeld oder Bochum, die gesagt haben, wir müssen nicht bis 2010 warten, wir sind schon 2005 fertig mit der Umstellung. Es gibt andere, eher traditionelle wie Bonn und Köln. Wie unterschiedlich da die Reformspielräume genutzt werden, zeigt sich an einem Vergleich: Die Uni Bochum - das sind die Spitzenreiter in Nordrhein-Westfalen - hat bereits 86 gestufte Studiengänge, an der Uni Bonn sind es ganze drei und in Köln vier. Da sieht man schon sehr, sehr deutlich, wie die Kluft auseinandergeht.
Maleike: Diese Kluft zeigt auch, dass einige Hochschulen - ich formuliere das jetzt mal so - ein bisschen "bockig" sind. Könnte das auch die kleine Rache der Hochschulen sein für den Qualitätspakt, der in Nordrhein-Westfalen ja doch mit viel Zähneknirschen und viel Protest durchgezogen wurde?
Himmelrath: Ja, das kann man durchaus so interpretieren. Da ging es ja darum, dass die Hochschulen Kürzungen zugestimmt haben, und im Gegenzug dazu bekamen sie personelle Planungssicherheit für zehn Jahre. Jetzt im Moment gibt es ja Haushaltsverhandlungen im Land, und Hannelore Kraft hat heute gesagt, sie gehe davon aus, dass der Qualitätspakt nicht angetastet werde. Bei solchen eindeutig zweideutigen Dementi schrillen natürlich an den Hochschulen die Alarmglocken. Von daher lässt sich vielleicht auch der Widerstand gegen diese Reform ein bisschen erklären. Die Wissenschaftsministerin sagt jetzt aber, bei dieser flächendeckenden Bachelor/Master- Einführung gehe es eben nicht nur darum, im eigenen Land die Zauderer zu überzeugen, dass sie endlich Abschied nehmen vom Diplom und Magister. Hannelore Kraft:
Der zweite Grund ist - und der ist nicht minder wichtig -, wenn man daran denkt, wie sich unsere Bevölkerungsentwicklungszahlen darstellen: Wir brauchen in Zukunft verstärkt gute Studierende aus dem Ausland. Dort zeigt sich auch, dass unsere Angebote für gute ausländische Studierende weniger attraktiv sind, wenn sie mit solchen Abschlüssen versehen sind
Maleike: Stichwort Abschlüsse: die international anerkannten wie Bachelor und Master, dazu gehört aber auch, wie wir vorhin von der Bundesbildungsministerin gehört haben, die Juniorprofessur, mit der ja auch ausländische Lehrende, also Professoren und Professorinnen nach Deutschland kommen sollen. Jetzt ist aber gerade Nordrhein-Westfalen immer das Bundesland, das genannt wird, wenn es darum geht zu sagen, dass Juniorprofessuren hier noch nicht so häufig der Fall sind. Gab es dazu heute auch etwas zu hören?
Himmelrath: Das war nur ein Thema am Rande. Hannelore Kraft sagte, sie sehe das sehr wohl als Erfolgsgeschichte und stellte sich da auch neben ihre Parteifreundin Edelgard Bulmahn in Berlin. Natürlich gebe es bei dieser Strukturreform, wie überall, wenn es um neue Dinge gehe, Anlaufschwierigkeiten. Dies sein verbunden mit Widerständen von Traditionalisten, also eher eine allgemeine Erklärung. Hannelore Kraft hat aber angekündigt, zumindest für Nordrhein-Westfalen, jeden Kritiker und jede Kritikerin in Sachen Juniorprofessur dezidiert zu widerlegen, wenn da jemand behauptet, die Juniorprofessurstellen seien nicht alle besetzt.
Maleike: Da hat sie dann wahrscheinlich in Zukunft noch eine Menge zu tun. Vielen Dank, Armin Himmelrath.