NS-Geschichte
Direktor der Arolsen Archives, Wein, sieht Interesse an NS-Geschichte

Das Interesse an der Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung ist nach Einschätzung des neuen Direktors der Arolsen Archives größer als je zuvor. Man verzeichne derzeit die höchsten Anfragezahlen seit 20 Jahren, sagte Archivleiter Moritz Wein dem Evangelischen Pressedienst. Besonders Angehörige und Nachkommen von NS-Verfolgten suchten nach Informationen über ihre Familiengeschichte.

    Der Schriftzug "Arolsen Archives" ist an einer Hausfassade zu sehen.
    Die Arolsen Archives versuchen, das Schicksal von NS-Opfern zu klären. (Swen Pförtner / dpa / Swen Pförtner)
    Eine Studie der Arolsen Archives habe zudem gezeigt, dass sich Jugendliche stärker für die Geschichte der NS-Verfolgung interessierten als frühere Generationen, sagte Wein: "Das lässt uns zuversichtlich sein, dass das Interesse bleiben wird."
    Das Archiv im hessischen Bad Arolsen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten gegründet. Unter dem ursprünglichen Namen "Internationaler Suchdienst" war die Aufgabe zunächst die Suche nach Vermissten. Das Archiv gehört zum Unesco-Weltdokumentenerbe, es verwaltet und digitalisiert Dokumente zu 17,5 Millionen Opfern und Überlebenden des NS-Regimes.

    Bildungsangebote sollen Antisemitismus entgegenwirken

    Wein, der die Leitung des Archivs im April übernommen hat, warnte vor einem zunehmenden Antisemitismus. Als Antwort darauf setzten die Arolsen Archives auf digitale Bildungsangebote und eine lebendige Erinnerungskultur. Projekte wie #everynamecounts motivierten junge Menschen dazu, sich gegen Antisemitismus und Rassismus sowie für Demokratie einzusetzen. Die Wirkung solcher Projekte sei wissenschaftlich untersucht worden.
    Der Experte für Holocaust Education und Antisemitismus-Prävention betonte, die Einrichtung sei international sichtbar und habe bereits wichtige digitale Bildungsangebote entwickelt. In den kommenden Jahren wolle er die internationale Zusammenarbeit ausbauen und Angebote für Nachkommen von NS-Verfolgten weiterentwickeln. Zudem solle das Online-Archiv niedrigschwelliger werden und noch mehr Menschen erreichen. Auch die Bildungsarbeit über Holocaust und NS-Verbrechen solle in mehreren Ländern ausgeweitet werden.
    Diese Nachricht wurde am 16.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.