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StartseiteDlf-MagazinDisco-Diskriminierung09.08.2012

Disco-Diskriminierung

Ausländer und Migranten in Discos unerwünscht

Der Samstagabend kann für viele Menschen mit dunkler Hautfarbe vor der Diskothek enden. Nicht, weil es zu voll ist, sondern weil sie angeblich alle Frauen anbaggern, gewaltbereit seien oder andere Gäste vergraulen. Dumme Vorurteile, die sich aber hartnäckig halten.

Von Anja Nehls

Gäste tanzen in einer von Afrikanern besuchten Disko, hier spielt die Hautfarbe keine Rolle. (picture alliance / dpa / Florian Schuh)
Gäste tanzen in einer von Afrikanern besuchten Disko, hier spielt die Hautfarbe keine Rolle. (picture alliance / dpa / Florian Schuh)

Die Musik wummert, die Tanzfläche ist voll. Rote und blaue Lichter zucken über tanzende Paare und Singles und Gruppen an der Bar - es ist spät am Abend im Maxxim unweit des Berliner Kudamms. Die Besucherschar ist bunt gemischt: blond, braun, brünett, hell- oder dunkelhäutig - es ist nicht klar, wer Ausländer oder Deutscher ist. Das aber ist hier sowieso egal - solange sich alle vertragen, sagt Sujate Steenken, die Chefin:

"Es ist wirklich total gemischt, wenn sich die Leute normal verhalten, also keinem wehtun, niemandem das Bier wegtrinken, ist jeder willkommen."

In Berlin geht es in Discos und Klubs zwar vergleichsweise liberal zu. Aber auch in der Bundeshauptstadt gibt es Klubs, in denen Menschen mit offensichtlich ausländischen Wurzeln draußen bleiben müssen. Sujate Steenken hat diese Erfahrung selbst gemacht.

Es gibt ein paar Klubs, wo ich persönlich schon nicht reingekommen bin mit einem türkischen Freud. Weil sie gesagt haben, du heute nicht, aber dann mit dem Ding, er wäre zu jung oder ich wäre zu alt oder weiß der Bär. Also die Berliner sagen dann nicht wegen Ausländer, die überlegen sich dann eben irgendeinen Grund. Oder die sagen, wir machen gleich Feierabend und man weiß genau ha, ha.

David hörte Ende 2010, damals 17-Jährig, eine andere Begründung. David ist in Deutschland geboren, seine Mutter stammt aus Togo, sein Vater aus Schwaben, seine Haut ist dunkel. Aus dem Discobesuch im M-Park in Reutlingen wurde deshalb nichts. Ein Türsteher verweigerte ihm den Zutritt mit den Worten: Da seien schon zu viele Schwarze drin. Der junge Mann aus Reutlingen war fassungslos.

"Es ist schon ein ziemlich beschämendes Gefühl, ich bin hier aufgewachsen, ich beherrsche die Sprache, und es ist ein Stück Ausgrenzung im eigenen Land."

Der junge Mann entschloss sich, zu klagen. Vera Egenberger vom Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung in Berlin hat ihn dabei unterstützt.

"Betreiber von Diskotheken müssen gleichzeitig auch die Rahmenbedingungen des Gleichbehandlungsgesetzes beachten. Das heißt sie können nicht aufgrund einer Zuschreibung, dass jemand ein Türke sei oder ein Araber oder ein Afrikaner sei, auswählen und sagen, du nicht, und die anderen dürfen aber."

In der ersten Instanz hat das Landgericht Tübingen eine Entschädigung abgelehnt, in der zweiten Instanz sprachen die Richter am Oberlandesgericht Stuttgart dem jungen Mann 900 Euro zu.

"Ich denke, so wie ich es mittlerweile gehört habe, der M-Park ziemlich viel daraus gelernt, und das war eigentlich das ganze Ziel der Sache. Also das Geld war wirklich nur zweite Rolle."

Davids Fall ist kein Einzelfall. Auch in Hannover und Leipzig werden zurzeit ähnliche Verfahren geführt. Zugeben wollen die Diskothekenbetreiber eine Diskriminierung von Ausländern in diesen Fällen nicht, sagt Vera Egenberger:

"Dann kommen so Rückmeldungen wie, nein so was tun wir nicht, wir haben unsere Türsteher befragt, so was wird bei uns nicht getan.""

Typisch, findet Ipek. Die junge Frau, selbst türkisch-deutsch, ist als DJ unterwegs. Sie kennt sich bestens in der Klub- und Discoszene aus:

"Natürlich lassen sich die Türsteher das nicht sagen. Sie lassen sich ja nicht sagen, dass er oder sie ein Rassist oder eine Rassistin ist. Und oft ist es ja so, dass man Türsteher hat, die auch einen Migrationshintergrund haben, und dann hat er vielleicht die Aufgabe, besonders aussehende Menschen nicht reinzubringen."

Vor einer Disco in Berlin-Friedrichshain ist die Schlange am Einlass meterlang. Viele kommen rein, auch einige Migranten. Viele kommen aber auch nicht rein, darunter besonders viele Migranten. Der Türsteher - ein bulliger Typ- will sich dazu nicht äußern. In Charlottenburg ist ein anderer gesprächiger. Freundlich, aber bestimmt. Klar gibt es Anweisungen seines Chefs, sagt er. Man will eben einfach keine Probleme mit Gästen:

"Alkoholisiert dürfen sie halt nicht, sonst multikulti, Outfit ist ganz wichtig, keine Sporthosen und Tarnhosen, sind bei uns nicht erlaubt, aber sonst ist es relativ entspannte Tür. Also große Gruppen - südländische Typen - ist immer schwierig, aber man kennt ja seine Pappenheimer, die wissen auch, wenn sie einzeln kommen mit Frauen ist es kein Problem. Die haben eben ihre eigene Mentalität, und wenn das größere Gruppen sind und alkoholisiert, dann kann es schon zu Problemen führen."

Die würden alle Frauen anbaggern, die seien gewaltbereit, die würden andere Gäste vergraulen - dumme Vorurteile, die wohl nie verstummen werden. An diesem Abend ist in der Disco Q-Dorf in Berlin Black Attack - Hip-Hop-Party, die Mehrzahl der Gäste hat sichtbar ausländische Wurzeln und alle haben Spaß. Auch die Nacht im Maxxim verläuft friedlich.

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