Montag, 06. Dezember 2021

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DLF-Redakeurin Christine Heuer"In Bonn liefen Eichhörnchen durch das Regierungsviertel"

Christine Heuer, Redakteurin im Zeitfunk des Deutschlandfunks, arbeitete vor 25 Jahren als Reporterin für den DLF in Bonn. Sie erinnert sich im Gespräch mit Doris Simon an die Hauptstadtdebatte - heute mit etwas weniger Wehmut als damals.

30.01.2015

Was wird aus Bonn? Geht jetzt alles nach Berlin? Im Spätherbst 1989 beschäftigten diese Fragen vor allem Lokalpolitiker und Einwohner des damaligen Regierungssitzes. Das änderte sich bald, und die Debatte, ob Regierung und Parlament umziehen sollen und müssen, entwickelte sich ebenso schnell, unübersichtlich und überraschend wie der gesamte Weg zur Deutschen Einheit.
Bonn: beschaulich und bescheiden
Christine Heuer erinnert zunächst einmal daran, wie es war im politischen Bonn: beschaulich, überschaubar, kurze Wege. Eichhörnchen liefen über die Straße - im Regierungsviertel! Diese Bescheidenheit sei gewollt gewesen, auch als Signal an die Welt, dass das neue Deutschland weit weg war von der Großmannssucht früherer Zeiten.
Kluge Aufgabenteilung mit Berlin
Der Vorstoß des Bonner Bürgermeisters aus dem Januar 1990, so sagt Christine Heuer, sei aus heutiger Perspektive eigentlich weitsichtig gewesen. Die Aufgabenteilung mit Berlin, die Investitionen in die Infrastruktur, das Beharren auf die Arbeitsplätze, all das habe sich für die Stadt am Rhein ausgezahlt. Die Wehmut vieler nach der knappen und umstrittenen Entscheidung im Bundestag für Berlin sei nach 25 Jahren kleiner geworden. Es bleibe aber dabei: mit dem Umzug nach Berlin hätten Politik und Journalismus manches gewonnen, aber eben auch etwas verloren.
Das Interview bezieht sich auf folgendes Dokument der Woche.