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StartseiteWirtschaft am Mittag"Wir haben weiterhin gute Lieferbeziehungen"18.03.2020

dm-Vorsitzender zu Warenlieferungen"Wir haben weiterhin gute Lieferbeziehungen"

Nach Ansicht von Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Drogeriemarkt-Kette dm, ist die Sorge der Verbraucher vor Lieferengpässen unberechtigt. Man habe die Prognosen angepasst, die Lage werde sich wieder stabilisieren.

Christoph Werner im Gespräch mit Silke Hahne

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(dpa)
"Ich glaube, es gibt keinen Grund für Kunden, Sorge zu haben", sagt Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Drogeriemarkt-Kette dm (dpa)
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"Toilettenpapier wird weiterhin geliefert"

Hahne: Eine der wichtigsten Fragen muss ich Ihnen zuerst stellen, Herr Werner. Geht in Deutschland bald das Klopapier aus?

Werner: Davon ist nicht auszugehen, weil wir haben weiterhin gute Lieferbeziehungen. Toilettenpapier wird weiterhin geliefert. Und vor allem, was wir nicht vergessen dürfen: Entscheidend ist ja nicht, wieviel gekauft wird, sondern wieviel verbraucht wird, und wir können davon ausgehen, dass die Menschen nicht mehr Toilettenpapier verbrauchen werden als in der Vergangenheit. Insofern: Was wir im Moment sehen ist, dass sich viele Menschen bevorratet haben. Und was natürlich auch der Fall ist, glauben wir, ist, dass dadurch, dass viele Restaurants jetzt ja nicht mehr aufhaben wie sonst und Hotels auch nicht mehr benutzt werden in der Form wie bisher, mit anderen Worten die Benutzung auch von Toilettenanlagen außerhalb der häuslichen vier Wände jetzt zurückgeht. Aber dafür werden die Menschen natürlich mehr zuhause sein. Das heißt, sie werden zwar mehr in den Supermärkten und auch in den Drogerien kaufen, aber für die Hersteller bedeutet das keinen großen Unterschied, sondern nur, dass das, was früher mehr in den Gastrobereich geliefert wurde, jetzt mehr in den Einzelhandel geliefert wird. Insofern, glaube ich, gibt es keinen Grund für Menschen in Deutschland, sich Sorge zu machen, dass das Toilettenpapier ausgehen wird.

Prognosen werden angepasst

Hahne: Man sah in Ihren Läden gelegentlich leere Regale oder leerere Regale als sonst. Welche Pläne haben Sie denn mittlerweile aktiviert, um für rechtzeitigen Nachschub nicht nur an Toilettenpapier, sondern zum Beispiel Seifen, Desinfektionsmittel, aber auch Konserven oder ähnlichen Produkten zu sorgen?

Werner: Im Einzelhandel und beim dm-Drogeriemarkt ist es ja so, dass wir die Belieferung unserer dm-Märkte aufgrund von Prognosen auslösen, die wir über die zu erwartenden Abverkäufe tätigen. Da ist es in der Vergangenheit so gewesen, dass das relativ gut prognostizierbar war und deswegen die ganzen Prozesse auch darauf abgestimmt waren. Die Warenbestände, die dann im Lager waren oder die in den dm-Märkten waren, waren genauso berechnet, dass es bis zum nächsten Wareneingang optimal gepasst hat.

Historiker - "Jede Seuche ist ein großer Stresstest für eine Gesellschaft" Children wearing masks are seen in Sanaa, Yemen, March 15, 2020. YEMEN-SANAA-COVID-19 nieyunpeng  (imago / Xinhua ) (imago / Xinhua )Seuchen hätten in der Gesellschaft immer tiefe Spuren hinterlassen, sagte der Medizin-Historiker Karl-Heinz Leven im Dlf. Soziale Bande seien zerbrochen, aber auch Zusammenhalt entstanden. Letztlich könnten Katastrophen wie die Corona-Krise auch Innovationsprozesse in Gang setzen, so Leven.

Jetzt haben wir in den letzten Wochen erlebt, dass die Menschen in Deutschland sich sehr anders verhalten haben, zum Teil auch bevorratet haben, und dann ist es im Prinzip so, wie wenn Sie ein Schleusentor plötzlich aufmachen und daraufhin dann der Wasserstand erst mal oberhalb des Schleusentores sinkt. Was wir jetzt natürlich dann gleich gemacht haben ist, unsere Prognosen angepasst. Wir haben mit den Herstellern Kontakt aufgenommen, um zu schauen, wie wir sicherstellen können, dass die Ware schnell nachkommt, und dann wird entsprechend auch in die Märkte mehr geliefert.

Was spannend zu sehen sein wird ist, wie die Menschen sich in den nächsten Wochen verhalten werden, weil nachdem die Bevorratung jetzt stattgefunden hat, wird jetzt erst mal der Verbrauch dafür sorgen, dass diese Bestände bei den Kunden abgebaut werden, bei den Menschen, und daraufhin ist es durchaus denkbar, dass eher weniger gekauft werden wird in den dm-Märkten und bei den anderen Einzelhändlern, die jetzt noch aufhaben. Insofern wird sich das wieder stabilisieren. Und noch mal: Ich glaube, es gibt keinen Grund für Kunden, Sorge zu haben, dass sie nicht die Waren werden einkaufen können in den nächsten Wochen, die sie üblicherweise kaufen.

Abstand in Märkten muss gewahrt werden

Hahne: Auch nicht wegen der jetzt angekündigten Grenzschließungen oder schon auch durchgeführten Grenzschließungen etwa zu Frankreich?

Werner: Was wir ja beobachten können ist, dass die Preise in Deutschland niedriger sind als in den umliegenden Ländern. Das heißt: Das Phänomen, was wir gehabt haben, ist, dass vor allem die Menschen aus Frankreich und aus den Benelux-Staaten und aus der Schweiz nach Deutschland gekommen sind, um einzukaufen. Jetzt, nachdem die Grenzen geschlossen worden sind, sind es Menschen, die in Deutschland nicht mehr einkaufen können, sondern die in Frankreich einkaufen werden, und das bedeutet wiederum für die Menschen, die in Deutschland wohnen und einkaufen, dass diese Nachfrage nicht mehr da ist. Also auch noch mal ein Grund, sich keine Sorgen zu machen.

Hahne: Ich würde ganz gerne noch über Ihre Mitarbeiter*innen sprechen, die ja aktuell – davon gehe ich mal aus – sehr viel leisten in Ihren Geschäften. Vielleicht müssen sie demnächst sogar auch sonntags arbeiten. Wie unterstützen Sie Ihre Beschäftigten derzeit?

Werner: Im Moment ist es ja so, dass wir Tage durchlebt haben, die von sich überschlagenden Ereignissen gekennzeichnet waren und einer großen Unübersichtlichkeit. Das führt bei Menschen zu einer großen Verunsicherung. Da ist es egal, ob das jetzt Menschen sind, Kolleginnen und Kollegen bei dm-Drogeriemärkten oder Kunden. Menschen sind dann zunächst mal sehr verunsichert, und jetzt geht es vor allem darum, Orientierung zu schaffen, klar zu kommunizieren, was wir jetzt als nächstes machen werden. So versuchen wir, auch bei dm-Drogeriemärkten damit umzugehen.

Es gibt noch Dinge, die wir nicht so recht wissen. Beispielsweise ist ja von den Behörden eine Auflage erteilt worden, dass nicht so viele Menschen in den Märkten auf einmal sein dürfen, damit einfach der Abstand gewahrt wird zwischen den Menschen, und das kann durchaus dann dazu führen, dass wir auch die Ladenöffnungszeiten ausweiten müssen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben einzukaufen. Das hätte natürlich dann wiederum Auswirkungen auf die Stunden, die wir für die Besetzung in unseren dm-Märkten brauchen. Da sind wir im Moment beim intensiven Prüfen, wie wir damit umgehen können. Wie gesagt, das ist im Moment noch ein bisschen unübersichtlich, aber es gibt natürlich viele Optionen, weil viele Einzelhändler dürfen ja derzeit nicht ihre Türen öffnen. Das heißt, da gibt es auch sehr, sehr viele Menschen, die im Moment keine Tätigkeit haben, weil die Läden zu sind, und auch mit solchen anderen Einzelhändlern sind wir derzeit im Gespräch, ob es nicht vielleicht die Möglichkeit gibt, dass die Menschen, die sonst dort gearbeitet haben, vorübergehend auch bei uns aushelfen können, damit Kunden geordnete Verhältnisse bei uns vorfinden und auch unsere Mitarbeiter dadurch entlastet werden können.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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