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Doch noch die alte Glühlampe kaufen

Am 1. September ist so richtig Schluss für die Glühlampe. Dann dürfen in der EU nur noch Lampen verkauft werden, die energiesparend sind. Aber die Lampenindustrie hat ein Schlupfloch entdeckt, allerdings ist dieses recht teuer für den Verbraucher.

Von Dieter Nürnberger | 09.08.2012

"Piwarz Licht" ist ein Leuchtenfachgeschäft direkt im Zentrum Berlins. Laut Selbstdarstellung ein Spezialist für innovatives Lichtdesign. Und ausgerechnet hier - zwischen Designerlampen und technisch ausgereiften Beleuchtungssystemen - soll es noch die alte Glühlampe geben. Lukas Wagner, der Verkäufer an diesem Nachmittag, kann weiterhelfen:

"Teilweise gibt es sie bei uns noch. Es gibt Lampentypen, bei denen halt keine neuartigen Leuchtlampen hineinpassen. Da muss man noch die Glühlampe nehmen. Da haben wir auch noch Restbestände, aber grundsätzlich sind wir auch daran interessiert, auf neue LED-Technik zu gehen, um einfach den Stromverbrauch und die Wärmeentwicklung zu mindern. Solange aber der Großhandel noch die Möglichkeit bietet, stoßfeste Varianten zu liefern - und eine Nachfrage ebenso vorhanden ist - werden wir natürlich darauf eingehen. Wir forcieren es nicht, aber wenn die Nachfrage vom Kunden kommt, werden wir sie bestellen."

Die Nachfrage gibt es, auch wenn der Verkauf von Glühlampen bestimmt nicht der Renner sei, sagt Lukas Wagner. Innerhalb der EU wurden die Glühlampen in den vergangenen Jahren stufenweise verboten, mit dem Ziel, sie durch Energiesparlampen zu ersetzen. Doch die schon längst totgesagte alte Glühlampe lebt weiter. Zum einen, weil Restbestände noch weiter verkauft werden dürfen, zu anderen aber auch, weil sich der Handel flexibel zeigt. Das Zauberwort heißt stoßfest – auf dem Etikett der Glühlampe durch einen kleinen schwarzen Hammer zu erkennen. Ansonsten – rein äußerlich - unterscheiden sich die Glühlampen nicht von den aus dem Verkehr gezogenen Produkten. Verkäufer Lukas Wagner:

"Man sieht die Stoßfestigkeit ja nicht auf Anhieb. Um die Glühwendel im Innern ist quasi noch einmal eine Extrawendel angebracht, damit die Lampe Erschütterungen standhält. Das ist schon spezieller. Da wird aber auch nicht jeder Kunde mit einverstanden sein, weil die alte Glühlampe ja nur rund 80 Cent kostete, als stoßfeste Variante immerhin zwischen vier und sechs Euro. Und eine Glühlampe für sechs Euro ist halt auch nicht mehr der gewohnte, frühere Gebrauchsartikel."

Die strengen Vorgaben aus Brüssel gelten nur für Haushaltslampen, die Speziallampe als stoßfeste Variante ist somit legal.

Die deutsche Umwelthilfe hat jahrelang gegen die Glühlampe gekämpft, weil sie nur eine geringe Energieeffizienz hat. Für DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch ist der Handel mit den stoßfesten Lampen zwar ärgerlich, aber auch kein Drama.

"Bei der Suche nach Schlupflöchern gibt es immer viel Kreativität. Ein Teil der Bundesbürger scheint tatsächlich eine große Liebe für die alte Glühlampe zu haben. Sie zahlen somit wohl auch diese völlig überhöhten Preise. Der überwiegende Teil der Bürger hat aber tatsächlich verstanden, dass mit Energiespar- oder auch LED-Lampen ganz wesentlich der Geldbeutel geschont und auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird. Die meisten kaufen diese vernünftigen Produkte."

Doch auch die Energiesparlampen stehen weiterhin in der Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe sieht deshalb die noch im Handel befindlichen stoßfesten Glühlampen als Randproblem. Es müsse vielmehr um eine bessere Qualität der Energiesparlampen gehen, denn auch diese hätten ein Umweltproblem.

"Wir machen derzeit vermehrt Untersuchungen über den Quecksilbergehalt von Energiesparlampen. Wir stellen fest, dass es einige No-Name-Produkte gibt, die zum Teil relativ hohe Quecksilberwerte haben. Weit erhöht sogar - in Bezug auf Grenzwerte. Wir mahnen die betroffenen Unternehmen ab, wir bringen sie vor Gericht. Aber dies führt offensichtlich nicht zu einem eindeutigen Umdenken hin zu hochwertiger Ware."

Jürgen Resch sieht somit bei minderwertigen Energiesparlampen Handlungsbedarf.

Übrigens: Ab September sollen die alten Glühlampen aus dem Handel weitgehend verschwunden sein, so zumindest sieht es der Fahrplan der EU vor.