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Doktorandenpreise
Keine messbare Karrierehilfe

Mehr als 25.000 Menschen machen jedes Jahr in Deutschland ihren Doktor. Mit zahlreichen Preisen werden die Besten unter ihnen prämiert. Doch ein Preis wirkt sich nicht zwingend karrierefördernd aus: Sein Anteil an einer erfolgreichen Laufbahn ist kaum messbar.

Von Philip Banse | 28.02.2014
    Malte Rolf, heute Professor für Osteuropäische Geschichte in Bamberg, hat für seine Doktorarbeit zur sowjetischen Geschichte drei Preise bekommen.
    "Sie haben sich deutlich und auch positiv ausgewirkt, weil sie die jeweiligen Qualifikationsarbeiten doch signifikant ausgezeichnet haben. Und im Bewerbungsverfahren wird so was schon registriert, wäre meine Einschätzung."
    An deutschen Hochschulen wurden 2012 nach Angaben des Statistischen Bundesamts über 26.000 Doktortitel verliehen. Aus diesem Berg der Dissertationen die wirklich guten herauszufiltern - das haben sich ungezählte Doktorandenpreise in die Statuten geschrieben. Wie viele dieser Doktorandenpreise es in Deutschland genau gibt, sei schwer zu überblicken, sagt Matthias Mayer, Leiter des Deutschen Studienpreises, dem Doktorandenpreis der Körberstiftung:
    "Wir sind als Deutscher Studienpreis meines Wissens der einzige bundesweite Preis, der alle Fächer umfasst. Es gibt einige wenige bundesweite Preise, die dann aber auch bestimmte Fächer konzentriert sind. Und es gibt natürlich eine ganze Reihe von Doktorandenpreisen, die regional organisiert sind - entweder von Fachgesellschaften, nur die Informatiker oder die Biologen, und welche, die von Hochschulen ausgeschrieben werden, also Doktorandenpreise der TU Berlin von mir aus."
    Reiz liegt im Finanziellen
    Bis Samstag kann jeder, der 2013 promoviert hat, seine Dissertation für den Deutschen Studienpreis einreichen. Aus den stets rund 450 Einsendungen werden drei erste Plätze vergeben, je einer für Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften. Jeder erste Preis ist mit 25.000 Euro dotiert, die zweiten und dritten Plätze mit je 5.000 Euro. So viel Geld gibt es selten. Hochschulpreise sind oft mit einigen Hundert Euro dotiert, Fachgesellschaften vergeben auch mal einige Tausend. Dennoch liegt auch für Thomas Goes, Doktorand im Bereich Industrie- und Arbeitssoziologie, der Reiz dieser Doktorandenpreise...
    "...vor allem im Finanziellen. Gutes Geld, um es mitzunehmen, die Publikation der Dissertation zu finanzieren, das kostet ja ein bisschen, Druckkostenzuschüsse und so weiter - zu diesem Zweck."
    Seinen ersten Doktorandenpreis hat Malte Rolf, der Professor aus Bamberg, von seiner Fakultät bekommen, Preisgeld: 300 Euro. Die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde honorierte die Arbeit dann schon mit 1.000 Euro, die der angehende Ehemann Rolf in ein Brautkleid investierte. Vor allem die dritte Auszeichnung seiner Dissertation durch den Börsenverein des deutschen Buchhandels ist sehr viel Geld wert gewesen:
    "Hilfreich für die Karriere würde ich nicht sagen, weil das zu einem Zeitpunkt passierte, als ich schon berufen worden war in Bamberg als Professor für osteuropäische Geschichte. Aber für den Austausch, den internationalen Austausch, die Kommunikation mit den amerikanischen Kollegen war die Übersetzung der Studie zur sowjetischen Geschichte in die englische Sprache von enormer Bedeutung. Und das wäre niemals bezahlbar gewesen aus eigenen Ressourcen."
    "Die Spreu vom Weizen trennen"
    Rund 12.000 Euro habe die Übersetzung seiner Dissertation gekostet. Was aber bringen Doktorandenpreise für die wissenschaftliche Karriere?
    "Ja, ich denke, dass es ein guter Mechanismus ist, um ein bisschen die Spreu vom Weizen zu trennen,"
    sagt der Bamberger Professor Malte Rolf. Thomas Goes, der gerade promovierende Soziologe, bezweifelt, dass ein Preis für seine Doktorarbeit die Karriere fördern würde:
    "Weil ich aus meinem bisherigen beruflichen Werdegang, wenn ich mit Leuten gesprochen habe, die weiter sind in ihrer universitären Karriere, eigentlich nie davon gehört habe, dass das eine entscheidende Frage ist, sondern eher die Frage, wie viele Aufsätze hat man in Fachzeitschriften publiziert, wie schnell schafft man die Habilitation im Anschluss, wie gut ist man vernetzt im Kollegenkreis, im fachwissenschaftlichen Kreis, solche Dinge. Von daher spielt es für mich jetzt keine große Rolle im Hinblick auf die Karriere."
    Preis bringt Motivation
    Der Geologe Hauke Marquardt hat vor drei Jahren den Studienpreis der Körberstiftung bekommen, für seine Dissertation, die helfen kann, Erbeben besser vorherzusagen. Heute leitet er eine Nachwuchsgruppe im Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam, die Karriere sei gut gelaufen bisher, sagt Hauke Marquardt.
    "Dazu hat der Preis sicher auch beigetragen. Messbar ist das aber nicht, weil viele andere Faktoren auch in solche Dinge mit rein spielen. Was aber in jedem Fall messbar ist, ist die Motivation, die durch die Vergabe eines solchen Preises kommt. Als Wissenschaftler arbeitet man oft an ganz kleinen Detailfragen und verliert manchmal den Blick dafür, warum es wichtig ist, was man macht. Und dann ist es schön, wenn man von außerhalb die Bestätigung kriegt, dass dieses kleine Detail, was ich bearbeite, für die Gesellschaft von Relevanz ist."