
Das US-Justizministerium hat damit begonnen, die Ermittlungsakten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. Unter den Dateien sind viele Fotos und auch teils geschwärzte Dokumente der US-Bundespolizei FBI. In diesen scheint es nach ersten Auswertungen allerdings kaum neue Informationen über das Verhältnis von Epstein zu Donald Trump zu geben.
Allerdings wurden einige Dokumente kurz nach ihrer Veröffentlichung offenbar gleich wieder von der Interseite des US-Justizministeriums entfernt. In Agenturberichten ist von mindestens 16 Dateien die Rede, darunter ein Foto, das den heutigen Präsidenten Trump zeige.
Im Wahlkampf hatte Trump die Veröffentlichung der Epstein-Dokumente gefordert, dies dann später aber nicht umsetzen wollen. Deshalb war der US-Präsident zunehmend unter Druck geraten. Mitte November 2025 sprach er sich dann überraschend für die Veröffentlichung aus.
Das US-Repräsentantenhaus stimmte danach fast einstimmig für die Freigabe der Akten, der Senat schloss sich an. Nachdem Trump das Gesetz unterschrieben hatte, war das Justizministerium verpflichtet, die Unterlagen binnen 30 Tagen zu veröffentlichen.
Bei den Epstein-Files handelt es sich um Mails, Zeugenvernehmungen und andere Schriftstücke. Einige Dokumente waren bereits vor der generellen Freigabe aller Unterlagen veröffentlicht worden, darunter Mails, in denen Epstein andeutet, Trump sei über den Missbrauch minderjähriger Frauen im Bilde gewesen.
Trump bestreitet hingegen, engere Beziehungen zu Epstein gehabt zu haben. Dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, der 2019 im Gefängnis Suizid beging, wurde vorgeworfen, zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht und Prominenten zugeführt zu haben.
Gibt es nach der Freigabe eines größeren Teils der Epstein-Files neue Erkenntnisse?
Bisher nicht wirklich. In den Dokumenten schien es nach ersten Auswertungen kaum neue Informationen über das Verhältnis zwischen Epstein und Donald Trump zu geben. Ex-Präsident Bill Clinton, dem Trump in dieser Sache immer wieder Vorwürfe gemacht hatte, kommt in den veröffentlichten Dokumenten hingegen häufig vor.
Das Justizministerium stellte große Datenmengen bereit, die Teil der Ermittlungen gegen Epstein gewesen sein sollen. Dokumente, die als geheim eingestuft werden, muss das Ministerium nicht veröffentlichen. In den nächsten Wochen sollen weitere Hunderttausende Dokumente freigegeben werden. Nach Angaben des Justizministeriums müssen sie vor einer Veröffentlichung zum Schutz der Identität der Opfer bearbeitet und entsprechende Abschnitte geschwärzt werden.

Das Ministerium gab keine Erklärung oder Erläuterungen zu den Dateien ab. Auch zu der offenbaren Löschung von kürzlich veröffentlichten Dokumenten äußerte es sich bisher nicht. Die Initiatoren des Gesetzes für die Veröffentlichung der Ermittlungsakten warfen dem Ministerium vor, Informationen zurückzuhalten. Der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna sagte in einem auf X veröffentlichen Video, dass ein 119 Seiten langes Dokument mit Zeugenaussagen ohne jede Erklärung komplett geschwärzt worden sei.
Wer war Jeffrey Epstein?
Jeffrey Epstein ist inzwischen wohl der bekannteste US-amerikanische Sexualstraftäter. Der Finanzinvestor und vielfache Millionär soll zwischen 2002 und 2005 minderjährige Mädchen – teils erst 14 Jahre alt – mit Geld angelockt und unter anderem in New York, Florida und auf seiner Privatinsel in der Karibik sexuell missbraucht haben. Unterstützt wurde er dabei von seiner langjährigen Partnerin Ghislaine Maxwell.
Der Fall fand besondere Resonanz in der Öffentlichkeit, weil Epstein enge Kontakte zu Prominenten pflegte. Bill Clinton, Bill Gates, Michael Jackson, Stephen Hawking und David Copperfield tauchten laut Gerichtsakten bei zumindest einer Veranstaltung von ihm auf.
Anklage wegen Missbrauchs einer 14-jährigen
Auch der Bruder von König Charles, Andrew, dem mittlerweile die royalen Titel entzogen wurden, ist in den Missbrauchsfall um Jeffrey Epstein verstrickt. Videos zeigen außerdem Epstein und Trump beim Feiern.
2006 wurde Epstein erstmals wegen Missbrauchs eines 14-jährigen Mädchens angeklagt. Bei einem Deal mit der Staatsanwaltschaft plädierte er 2008 auf schuldig und musste nur 13 Monate ins Gefängnis. Das machte ihn für viele US-Amerikaner zum Symbol einer moralisch und juristisch unantastbaren Elite.
Im Juli 2019 wurde Epstein erneut verhaftet. Ihm wurde Sexhandel mit Minderjährigen zur Last gelegt, außerdem wurde er beschuldigt, selbst gegen Geld sexuelle Handlungen an ihnen vorgenommen zu haben. Der Staatsanwaltschaft zufolge umgab er sich mit treuen Mitarbeitern und Komplizen, um eine "ständige Versorgung mit minderjährigen Opfern zum Missbrauch" sicherzustellen.
Tod in der Gefängniszelle
Epstein plädierte auf nicht schuldig. Doch am 10. August 2019 wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden. Laut den Ermittlungen war es ein Suizid. Eine Untersuchung der New Yorker Gerichtsmedizin stützte dies. Dennoch kamen Zweifel auf, die Umstände nährten das Misstrauen: In der Todesnacht versäumten Wärter ihre Kontrollgänge, obwohl Epstein einen Monat zuvor bereits einen mutmaßlichen Suizidversuch unternommen hatte.
Die Zweifel mündeten schließlich in Verschwörungstheorien. Vor allem rechte Influencer schenkten den Behördenangaben keinen Glauben und vermuten noch immer, Epstein sei getötet worden, um angebliche Machenschaften liberaler Eliten zu verschleiern. Auch Trump hat die Suizid-Version immer wieder infrage gestellt.
Was verbindet Donald Trump mit Epstein?
Wie eng die Verbindung von Trump zu Epstein war, ist eine der wesentlichen Fragen im Epstein-Skandal. In einer Mail vom Januar 2019 schreibt Epstein über Trump: „Natürlich wusste er von den Mädchen.“ In einer weiteren Mail von 2011 heißt es, eines von Epsteins Missbrauchsopfern habe "Stunden" mit Trump in dem Haus des Sexualstraftäters verbracht.
Die Mails stammen aus Material, das ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses aus dem Nachlass Epsteins erhalten hatte. Der Sexualstraftäter schreibt darin seiner Komplizin Ghislaine Maxwell, die wegen Sexhandels mit Minderjährigen und weiterer Vergehen in Haft sitzt. Andere E-Mails sind an den Enthüllungsjournalisten Michael Wolff gerichtet.
Trump taucht in Mails und anderen Unterlagen auf
Das Weiße Haus warf der Demokratischen Partei eine Kampagne gegen Trump vor. Die Mails seien selektiv ausgewählt und an liberale Medien durchgestochen worden. Damit solle Präsident Trump diffamiert werden.
Doch nicht nur in den veröffentlichten Mails, auch in anderen vom US-Justizministerium im Februar 2025 veröffentlichten Unterlagen taucht Trumps Name auf. Dort gibt es beispielsweise Verweise auf Trump im Telefonbuch Epsteins. Zudem wird Trumps Name in Fluglisten für das Privatflugzeug von Epstein genannt. Der Sender NBC News veröffentlichte Videomaterial, in dem Epstein und Trump bei einer Unterhaltung während einer Party auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago 1992 zu sehen sind.
"Eher von der jüngeren Sorte"
Trump und Epstein waren längere Zeit sogar fast Nachbarn in Florida. In einem Interview von 2002 nannte Trump Epstein einen „großartigen Mann“ – und sagte über ihn: „Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte.“
2019 distanzierte sich Trump dann von Epstein und erklärte, nichts vom Missbrauch gewusst zu haben. Epstein wiederum sagte gegenüber einem Journalisten, Trump sei ehemals sein „bester Freund“ gewesen und erhob schwere, aber unbelegte Vorwürfe. Trump ist bisher offiziell kein Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein nachgewiesen worden.
Warum verweigerte Donald Trump ursprünglich die Freigabe der Epstein-Akten?
Im Wahlkampf hatte Trump versprochen, die Epstein-Files vollständig offenzulegen. Weil er dieses Versprechen dann lange nicht einlöste, geriet er zunehmend unter Druck.
Bei dem Versuch, die Veröffentlichung zu verhindern, verhielt sich die US-Regierung teils rätselhaft und mehr als ungeschickt: Justizministerin Pam Bondi sprach erst von einer Liste prominenter „Kunden“ Epsteins, deren Existenz sie dann aber kurz darauf plötzlich bestritt.
Trump versucht, die Demokraten zu belasten
Um den folgenden Aufruhr unter Trump-Anhängern zu beruhigen, übermittelte das Justizministerium mehr als 33.000 Seiten mit Dokumenten an einen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses, der das Material schließlich Anfang September 2025 veröffentlichte. Kritiker monierten allerdings, darin stehe wenig Neues.
Während die US-amerikanische Öffentlichkeit auf weitere Einblicke wartete, versuchte Trump, die Demokraten mit Epstein in Verbindung zu bringen. Er behauptete, seine Vorgänger Joe Biden und Barack Obama sowie Ex-FBI-Direktor James Comey hätten die Epstein-Akten „erfunden“ und den aktuellen Hype damit ausgelöst. Alles sei „ein großer Schwindel“.
Auch einen anzüglichen Brief an Epstein, der von demokratischen Mitgliedern des Parlamentsausschusses publik gemacht wurde, will Trump nicht geschrieben haben. Der Brief war Teil eines 2003 zusammengestellten Albums zum Geburtstag des Finanzinvestors.
In dem Text, versehen mit Trumps Namen und Unterschrift, heißt es: „Ein Freund ist ein wunderbares Geschenk. Alles Gute zum Geburtstag - und möge jeder Tag ein weiteres wunderbares Geheimnis sein“. Der Text wird von gezeichneten Umrissen einer kurvigen Frau umgeben. Gegen das „Wall Street Journal“, das über den mutmaßlichen Brief zuvor berichtet hatte, reichte Trump eine Klage über zehn Milliarden Dollar ein.

Wie gefährlich können die Epstein-Files für Trump werden?
Im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein hatte Trump einst versprochen, Licht ins Dunkel zu bringen. Dass er dieses Versprechen zunächst gebrochen hat, fiel ihm zunehmend auf die Füße. Das Ringen um die Epstein-Files und die jetzt begonnene Veröffentlichung zeigen, dass Trump nicht mit allem durchkommt. Der Gegenwind kam zunehmend auch aus dem eigenen Lager.
Der Fall Epstein bereitet mit seiner Mischung aus reichen und mächtigen Männern, einer offenbar laschen Strafverfolgung und einem dubiosen Tod ohnehin den idealen Nährboden für Argwohn. Zumal der Missbrauch Minderjähriger im Zentrum rechter Verschwörungstheorien steht, darunter das längst widerlegte sogenannte „Pizzagate“. Hier wurde behauptet, hochrangige Demokraten betrieben in einer Pizzeria in Washington einen Pädophilenring.
Trump beschimpft die eigene Anhängerschaft
Dieser Argwohn speist sich inzwischen auch aus Trumps Verhalten. So beschimpfte er zwischenzeitlich sogar seine Anhänger, nannte sie „Schwächlinge“ und warf ihnen vor, auf einen Schwindel der Demokraten hereingefallen zu sein.
Trumps Motivation bleibt unklar, sein Verhalten unberechenbar. Er selbst hat sich immer wieder als Kämpfer gegen eine vermeintlich korrupte Elite inszeniert. Durch die Epstein-Affäre ist er in den Verdacht geraten, Teil des Systems zu sein, das er zu bekämpfen versprach. Wie groß Trumps Problem dabei wird, hängt letztlich davon ab, ob es tatsächlich ihn schwer belastendes Material in den Epstein-Akten gibt.
ahe / leg / lkn (mit Agenturen)



















