Sonntag, 03. Juli 2022

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Doping-Bilanz bei den Olympischen Spielen
"Generalverdacht schwimmt, läuft, fährt überall mit"

Das Thema Doping war in Rio so allgegenwärtig wie nie zuvor bei Olympischen Spielen, hat ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt beobachtet. "Dass Athleten sich auf der Bühne äußern, hat es noch nie gegeben", sagte Seppelt im DLF und berichtete von großen Missständen bei den Doping-Kontrollen in Rio.

Hajo Seppelt im Gespräch mit Astrid Rawohl | 20.08.2016

Doping-Kontrollstation bei den Olympischen Spielen in Rio
Doping-Kontrollstation bei den Olympischen Spielen in Rio. (picture alliance / dpa, Michael Kappeler)
Das Positive vorneweg: Die Arbeit des Dopinglabors in Rio soll besser sein als die bei den Winterspielen in Sotschi 2014. "Die internationalen Beobachter haben mir bestätigt, dass sie viel mehr Zugang hatten, dass überall Kameras waren, dass man in der Lage war, das gesamte Verfahren zu kontrollieren", berichtete Hajo Seppelt aus der ARD-Dopingredaktion.
Dass sich mittlerweile Athleten öffentlich zum Thema Doping äußern, sei indes ein Indiz, auf welch emotionalem Level man angekommen sei und historisch beispiellos. "Der Generalverdacht schwimmt, läuft, fährt überall mit. Das hat insbesondere aus meiner Sicht mit der Politik des IOC zu tun. Das IOC hat es nicht geschafft, reinen Tisch zu machen."
"Schlimmste Dopingkontrollen der Geschichte"
Bei dem Ablauf der Dopingkontrollen sei es in Rio zu haarsträubenden Vorkommnissen gekommen. Es habe Namens- und Geschlechterverwechslungen gegeben. Internationale Standards etwa bei den Versiegelungen seien nicht eingehalten worden. Zudem soll es fremde Personen gegeben haben, die bei den Kontrollen anwesend waren und dort nicht hätten sein dürfen.
Die Volunteers hätten zudem im Olympischen Dorf versucht, die Athleten ausfindig zu machen, indem sie nach ihnen fragten. "Damit haben sie die unangekündigten Kontrollen ad absurdum geführt", sagte Seppelt. Die Missverständnisse seien zwar irgendwann aufgeklärt worden. Dennoch betonte Seppelt: "Manche bezeichnen das als die schlimmsten Kontrollen der olympischen Geschichte. Und zwar Leute, die selber Jahrzehnte lang dabei waren."
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