Montag, 25.10.2021
 
Seit 10:08 Uhr Kontrovers
StartseiteSport am Wochenende"Das System soll gar nicht funktionieren"03.09.2016

Doping"Das System soll gar nicht funktionieren"

Im weltweiten Kampf gegen Doping besteht ein großes Ungleichgewicht. Während die Analyseverfahren immer besser werden, mangelt es oftmals an der richtigen Einstellung. So ist in einigen Ländern das Anti-Doping-System nur sehr schwach ausgeprägt.

Von Hans Peter Kreuzer

Eine Athletin steht im Startblock  (pa/dpa/Karmann)
Blutkontrollen sind in Läufernationen wie Äthiopien und Kenia schwierig umzusetzen (pa/dpa/Karmann)

18 Dopingkontroll-Labore in Europa, ein Labor in Afrika. Und das Institut in Südafrika ist auch noch suspendiert. Alleine dieses Missverhältnis zeigt das Ungleichgewicht im weltweiten Anti-Dopingkampf. Das Exekutiv-Komitee der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat zwar 2013 beschlossen, zwei weitere Labors auf dem schwarzen Kontinent einzurichten, passiert ist wenig. In Kairo gibt es mittlerweile erste Bestrebungen, aber Aufbau und Akkreditierung dauern mindestens fünf Jahre. In Zentralafrika gibt es bisher keine entsprechenden Pläne. Auf Grund der mangelhaften Infrastruktur ist es daher schwierig, Blutproben im vorgeschriebenen Zeitfenster von 36 Stunden nach der Entnahme im Labor anzuliefern. Gerade Blutkontrollen sind deshalb in Läufernationen wie Äthiopien und Kenia schwierig umzusetzen. Es gibt jedoch erste Verbesserungen, sagt Joseph de Pencier, CEO des Instituts der Nationalen Anti-Doping-Organisationen:

"Die Wissenschaft, die Transport-Technologie und die Analyseverfahren haben sich verbessert. Dadurch haben wir jetzt mehr Zeit, die Proben zu den Labors zu bringen. Das sollte es einfacher machen, Blutproben von Afrika in Labors nach Lateinamerika oder Asien zu bringen."

Neues Zeitfenster

Die WADA trägt den Innovationen Rechnung. Ab 2017 wird das Zeitfenster auf 60 Stunden ausgedehnt. Bis die WADA sich um wissenschaftliche, technische und logistische Verbesserungen kümmern konnte, musste ein langer Prozess durchlaufen werden. Richard Pound, WADA-Gründungs-Präsident und IOC-Mitglied, erinnert sich an die Anfänge. Die WADA musste von Beginn an um ihre Anerkennung kämpfen. Damals haben die internationalen Fachverbände uns für eine Service-Agentur gehalten, keiner wollte die Verantwortung für die Kontrollen abgeben. Mittlerweile hat die Organisation auch die Macht, Ermittlungen durch zu führen wie im Fall des Staatsdopings in Russland. Für Pound sind das noch nicht genügend Kompetenzen:

"Die Kritik des IOC in Rio war glaube ich ein Manöver, um von ihren eigenen Problemen abzulenken. Sie hat aber deutlich gemacht, dass der WADA mehr Kompetenzen eingeräumt werden müssen, damit sie Fälle untersuchen und im Falle von Verstößen gegen den WADA-Code vorläufige Sanktionen aussprechen kann."

WADA-Gründungs-Präsident und IOC-Mitglied Richard Pound   (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)WADA-Gründungs-Präsident und IOC-Mitglied Richard Pound (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)

Basierend auf den WADA-Ermittlungen haben im Fall Russland der Leichtathletik-Weltverband und das Internationale Paralympische Komitee Sperren ausgesprochen. Diese Möglichkeit schwebt dem 74-jährigen Kanadier auch für die Welt-Anti-Doping-Agentur vor. Die WADA müsse bei einem begründeten Verdacht Nationen suspendieren und klare Ansagen machen:

"Wir sind besorgt, dass es ein Dopingsystem in eurem Land gibt und erklären es zu einem verdächtigen Land. Das bedeutet: Das unter Verdacht stehende Land muss beweisen, dass es sauber ist. Die WADA muss in diesem Fall kein Doping nachweisen."

Veränderte Einstellung gefordert

Für Pound wäre das auch die Lösung, um für internationale Dopingfahnder schwer zugängliche Staaten besser kontrollieren und sanktionieren zu können. Aber Kontrollen, Ermittlungen und Sanktionen sind die eine Seite der Medaille. Auf der anderen müsse sich auch die Einstellung zum Doping ändern, fordert INADO-Chef Joseph de Pencier und nennt ein Beispiel:

"Was wir in Afrika wirklich benötigen, ist, dass sich  noch mehr Sport-Organisationen und Regierungen gegen Doping bekennen. Besonders Nationen wie Äthiopien, Kenia oder Marokko sind gefordert. Sie gewinnen viele Medaillen und sind in vielen Disziplinen sportliche Schwergewichte Dabei ist bekannt, dass ihr Anti-Doping-System sehr schwach ist."

Richard Pound sieht die Probleme aber nicht nur in bestimmten Teilen der Welt, insgesamt sei das Interesse an einem funktionierenden Anti-Dopingkampf zu gering.

"Das Problem ist nicht die Struktur. Das Problem ist, das viele WADA-Stakeholder wollen, dass das System nicht funktioniert."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk