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StartseiteSport am WochenendeEinmal gedopt, dann unschlagbar?19.10.2014

DopingEinmal gedopt, dann unschlagbar?

Ob Radstar Alberto Contador aus Spanien, der Kasache Alexander Winokourov oder Sprinter Justin Gatlin aus den USA: Sie alle waren gedopt, wurden erwischt und haben nach der Dopingsperre ihre Karriere fortgesetzt. Das Verblüffende: Sie waren danach zum Teil noch stärker und erfolgreicher - obwohl sie anscheinend nicht mehr gedopt haben. Wie kann das sein?

(Boris Roessler / dpa)
Diese Doping-Mittel hat die Polizei in einem geheimen Labor gefunden. (Bild: Boris Roessler / dpa) (Boris Roessler / dpa)

Justin Gatlin. 2004 - Olympiasieger über 100 Meter. 2006 - positiv getestet. 2010, nach der Dopingsperre - das Comeback. Und inzwischen läuft er wieder allen davon.

Justin Gatlin schlägt sogar Weltrekordhalter Usain Bolt. Er ist heute, mit 32, so schnell wie in seiner Zeit als Doper. Vielleicht, weil er durch die Einnahme der Dopingmittel von damals immer noch einen Vorteil hat, vermuten  Experten. Und Forscher an der Universität in Oslo/ Norwegen haben gerade erst an Mäusen einen verblüffenden Doping-Langzeit-Effekt beobachtet:

"Durch anabole Steroide bilden sich mehr Zellkerne in den Muskeln. Werden die Steroide abgesetzt, geht zwar die Muskelmasse verloren. Die Zellkerne bleiben aber. Sie schlafen quasi nur und können durch Training wieder aktiviert werden – Dopingmittel sind dann also gar nicht mehr nötig."

Für den Sportmediziner Perikles Simon, einer der Experten der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, unterstreicht die Forschungsarbeit ...

"... dass die Muskulatur ein gewisses Erinnerungsvermögen hat.  Und so eine Muskelzelle hat Hunderte bis Tausende solcher Zellkerne. Aber offensichtlich scheinen anabole Steroide die Zellkerne in den Muskelzellen zu erhöhen. Und ich sage mal, der Nachteil ist, dass wir das bisher nur bei Mäusen belegt haben. Und wir müssten schauen, ob sich das jetzt auch nahtlos auf den Menschen übertragen lässt. Man müsste fast davon ausgehen."

Dass Dopingmittel bei Sportlern tatsächlich eine entscheidende Langzeit-Wirkung hinterlassen, wird sich aber nie endgültig nachweisen lassen.

„Rein theoretisch müsste man anfangen, Gesunde zu dopen, um mit geeigneten Kontrollgruppen herauszufinden, was mit denen passiert. Das ist aber in weiten Teilen ethisch nicht vertretbar."

Weil also immer eine Ungewissheit bleiben wird, fordern manche lebenslange Sperren. Überführte Doper sollen nie mehr an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. So weit wird es zwar so schnell nicht kommen. Aber immerhin hat die Welt-Anti-Doping-Agentur die Regelsperre erhöht. Ab dem nächsten Jahr werden Dopingsünder, anstatt 2 wie bisher, 4 Jahre aus dem Verkehr gezogen.

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