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StartseiteSport am Wochenende"Es ist fünf nach zwölf"13.07.2019

Doping im Breitensport"Es ist fünf nach zwölf"

Das Thema Doping im Breitensport sei zu lange unter dem Radar gewesen, sagte Mischa Kläber vom Deutschen Olympischen Sportbund im Dlf. Die Prävention müsse schon in den Schulen ansetzen, denn es gebe ein durch und durch medikamentenfreundliches Bewusstsein in der gesamten Gesellschaft.

Mischa Kläber im Gespräch mit Matthias Friebe

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Verschiedene Tabletten liegen zusammen mit Sport- und Dopingpiktogrammen auf einem Tisch.  (picture alliance / Andreas Franke)
DOSB-Experte Kläber: "Eine durch und durch medikamentenfreundliche Gesellschaft" (picture alliance / Andreas Franke)
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Die Doping-Razzia "Operation Viribus" war der größte Schlag gegen die organisierte Doping-Kriminalität aller Zeiten. Betroffen ist vor allem der Breitensport. Mischa Kläber, Experte beim Thema Doping im Breitensport und Ressortleiter Präventionspolitik und Gesundheitsmanagement beim Deutschen Olympischen Sportbund, schlägt anhand des Ausmaßes des Doping-Skandals im Gespräch mit dem Deutschlandfunk Alarm: "Es ist fünf nach zwölf. Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und uns noch intensiver mit dem Thema auseinandersetzen. Sonst bekommen wir diese Problematik nicht eingedämmt."

Viele Gesellschaftsbereiche, Politik, der organisierte Sport, die Wirtschaft, Medizin- und Gesundheitswesen, auch eine bestimmte Berichterstattung in den Massenmedien hätten zur Desensibilisierung beigetragen, was den Konsum von Medikamenten angeht, so Kläber.

Fitnessstudios "besonders gefährdetes Milieu"

Verschärfend komme hinzu, dass es eine extrem hohe Aufmerksamkeit für Doping im Hochleistungssport gebe, das Thema Doping im Breitensport aber unter dem Radar sei. Laut Studien hätten aber 13 bis 16 Prozent der Mitglieder in kommerziellen Fitnessstudios Erfahrungen im Gebrauch mit Dopingsubstanzen gemacht, bei über zehn Millionen Mitgliedschaften in ganz Deutschland. Die Fitnessstudiuos bezeichnete Kläber deshalb als "besonders gefährdetes Milieu". Es gebe zwar Qualitätssiegel und Zertifizierungen - etwa für geschultes Personal und Selbstverpflichtungen gegen Doping - diese würden aber bei der Vielzahl an Studios nicht im notwendigen Ausmaß in Anspruch genommen. 

Die bisher erfolgten Präventionsmaßnahmen, etwa Aktionsbündnisse gemeinsam mit dem Apothekerverband gegen Doping im Breitensport, angebotene Fachexpertisen oder Fortbildungsmodule für Trainer hätten zuwenig Erfolge gezeigt. Die Prävention müsse vor allem bei Kindern und Jugendlichen ansetzen, so Kläber: "Es müssten länderübergreifend Regelungen getroffen werden, damit das Thema verpflichtend in den Schulsport implementiert wird."

Körper als "Identitätsanker"

Denkbar sei auch eine Verschärfung des Anti-Doping-Gesetzes, das bislang primär auf den Leistungssport zugeschnitten ist. Es gelte zu prüfen, ob etwa die  Besitzstrafbarkeit auch auf den Breitensport anzuwenden wäre. Kläber beklagt "ein durch und durch medikamentenfreundliches Bewusstsein in der gesamten Gesellschaft". Im Sport hätte dies aber besondere Auswirkungen, weil die sportliche Betätigung und der Körper zum "Identitätsanker" werde, so Kläber: "Man definiert sich über die Körperhülle. Man dopt sich nicht einmal am Sonntag für ein normales Fußballspiel, sondern es gehört zum Prozess der Körpermodellierung. Das macht dieses Klientel besonders anfällig für Dopingmaßnahmen."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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