Samstag, 25. Juni 2022

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Doping in Russland
"Unisono wird gesagt: Es gibt kein Staatsdoping"

Die russischen Reaktionen auf den zweiten Teil des McLaren-Reports fallen heftig aus. Das Ganze sei eine anti-russische Kampagne: "Man sagt, das seien Sünden einzelner, Doping sei ein weltweites Problem", sagte Russland-Korrespondentin Gesine Dornblüth im DLF.

Gesine Dornblüth im Gespräch mit Matthias Friebe | 10.12.2016

WADA, die Welt-Anti-Doping-Agentur wirft Russland systematisches Doping vor
Die Welt-Anti-Doping-Agentur wirft Russland systematisches Doping vor (dpa / picture alliance / Robert Ghement)
Die DLF-Korrespondetin Gesine Dornblüth berichtete, dass es am Tag der Veröffentlichung in den ersten russischen Reaktionen den Vorwurf gegeben hatte, dass Richard McLaren nichts Konkretes, nicht einmal Namen habe. "Das wurde klargestellt, dass es durchaus Namen gibt, die aber vertraulich weitergegeben wurden. Mein Eindruck ist aber, dass man sich öffentlich nicht mit den konkreten Fakten des Berichts auseinandersetzt." Generell sei es sehr ruhig geworden um das Thema.
Von Einsicht keine Spur: "Insgesamt kennen wir das Argumentations-Muster schon unisono von Funktionären, Athleten und Politikern: Es gibt kein Staatsdoping, es gibt kein systematisches Doping, das seien alles Sünden einzelner, nämlich von Athleten und ihren Trainern. Das Ganze sei eine anti-russische Kampagne." Dahinter stünden die USA und Doping sei ein weltweites Problem. Zudem sei immer wieder zu hören: "Man ist gegen eine Kollektivverantwortung, saubere Sportler dürften nicht büßen für Dopingsünder. Man hofft offensichtlich, dass das international Zustimmung findet", so Dornblüth.
Zweifelhafte Personalpolitik
Als Reaktion auf den ersten Report habe Russland einiges Personal ausgewechselt. "Man kann aber darüber streiten, wie überzeugend das ist", sagte Dornblüth. "Der prominenteste ist sicherlich Ex-Sportminister Witali Mutko. Der wurde weggelobt, ist jetzt stellvertretender Premier, da hat er weniger Einfluss, aber er wurde quasi befördert." Auch die Beförderung Jelena Issinbajewas, eheamlige Stabhochspringerin, zur Vorsitzenden des Aufsichtsrates der RUSADA, der russischen Anti-Doping-Agentur stößt international auf Unverständnis. "Dass ausgerechnet eine Leichtathletin an die Spitze der RUSADA kam, wird von vielen kritisch gesehen, insbesondere von der WADA, weil Issinbajewa sehr heftig die WADA kritisiert hat."
Von der von Präsident Wladimir Putin im Sommer eingesetzten Anti-Doping-Kommission höre man relativ wenig. "Sie sagt, sie habe einen Plan erarbeitet, um gegen Doping zu kämpfen, da geht es vor allem um strukturelle Veränderungen und darum zu garantieren, dass die RUSADA unabhängig vom Staat agiert." Die RUSADA habe ein neues Gesetz angeschoben, das Putin Ende November unterzeichnet hat. Da sind mehrjährige Strafen für Ärzte und Trainer vorgesehen, die Doping veranlassen, keine Strafen für Athleten. "Was skeptisch stimmt: Der Vorsitzende dieser Kommission ist ein über 80-jähriger Alt-Funktionär, der gleich bei seinem Antritt gesagt: In Russland gab und gibt es kein Staatsdoping, das ist ausgeschlossen. Da fragt man sich dann doch, ob und wie konsequent aufräumen in Russland möglich ist."
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