Dienstag, 04. Oktober 2022

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Doping in Russland
Weiter Verwirrung um vermeintliches Geständnis

Nach dem Hin und Her nach einem Artikel in der "New York Times" mit einem vermeintlichen russischen Doping-Eingeständnis ist weiter vieles unklar. Es bedürfe einer Klarstellung, sagte Ex-Sportfunktionär Hans-Wilhelm Gäb im DLF. Er sieht dabei auch eine Verantwortung beim organisierten Sport.

Von Andrea Schültke | 29.12.2016

    Ein Mann vor einer Doping-Kontrolle in Sotschi während der Olympischen Winterspiele 2014.
    Auch am Tag nach dem vermeintlichen Doping-Geständnis aus Russland herrscht noch Unklarheit. (picture alliance / dpa - Michael Kappeler)
    Angefangen hat alles mit einem Artikel in der New York Times von gestern. Darin hatte Journalistin Rebecca Ruiz die Chefin der russischen Anti Doping Agentur Antseliovic mit den Worten zitiert, in Russland habe es in Bezug auf Doping eine "institutionalisierte Verschwörung" gegeben. Gegenüber der Tagesschau ist die Journalistin bei ihrer Darstellung geblieben. Dabei bezog sie sich auch auf andere russische Sportfunktionäre, mit denen sie gesprochen habe:
    "Ich habe mehrere Funktionäre getroffen, Anti-Doping und Sportfunktionäre. Und die einheitliche Antwort in diesen Interviews war: Wir streiten die Fakten im McLaren Report nicht mehr ab".
    Richard MC Laren, Sonderermittler der Welt-Anti Dopingagentur hatte in seinem zweiten Untersuchungsbericht zum Doping in Russland gesprochen von einem
    "institutionalisierten, zentralisierten Schema um Dopingproben zu manipulieren und zu vertuschen."
    "Was fällig ist, ist eine Erklärung aus New York"
    Der Artikel in der New York Times hatte den Eindruck erweckt, dass Anna Antseliovic das nun genauso sehen würde.
    "Was fällig ist, ist eine Erklärung aus New York. Und da sind wir sehr gespannt".
    So sah es der ehemalige Sportfunktionär Hans Wilhelm Gäb am Morgen hier im Deutschlandfunk.
    Wenn die New York Times einen Audio-Mitschnitt des Interviews mit Anna Antseliovic auf ihre Internetseite stellen würde, könnte sie den Vorwurf der Falschdarstellung möglicherweise entkräften. Denn den könnte die Zeitung ja nicht auf sich sitzen lassen, so Ex-Sportfunktionär Gäb. Der Ehrenpräsident der deutschen Sporthilfe hatte sich wiederholt kritisch geäußert auch zum Verhalten des Internationalen Olympischen Komitees im Zusammenhang mit dem Dopingskandal in Russland. Er zeigte sich am Morgen skeptisch, dass es tatsächlich ein Dopingeingeständnis aus Russland gibt, bzw. dass es dazu kommen könnte:
    "IOC kann sich nicht für Recht und Ordnung entscheiden"
    "Es ist eigentlich nicht das System einer Diktatur - und leider muss man ja in Russland von einer Diktatur sprechen - solche Eingeständnisse zu machen. Wenn das so wäre, dann würde man eine solche Verlautbarung wahrscheinlich gegenüber dem IOC machen, damit das IOC sein Gesicht wahren kann. Denn das ist in dieser Angelegenheit ja natürlich wieder mal in der schlimmsten Position, weil es sich nicht eindeutig für Recht und Ordnung und Integrität im Sport entscheiden kann".
    Hans Wilhelm Gäb hatte ja im Sommer seinen Olympischen Orden zurückgegeben - eine Auszeichnung des Internationalen Olympischen Komitees - nachdem das IOC nicht die gesamte russische Mannschaft wegen des Dopingskandals von den Olympischen Spielen in Rio ausgeschlossen hatte. Der IOC-Kritiker sieht aber auch die deutschen Funktionäre in der Verantwortung für die aktuelle Situation im russischen Sport. Dabei nannte er Alfons Hörmann, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes und dessen Vorstandsvorsitzenden Michael Vesper:
    "Das Schweigen innerhalb der deutschen Funktionäre ist manchmal auch erschütternd. Hier praktiziert man und führt man aus, was Thomas Bach denkt. Von Eigenständigkeit in der Bewertung kann bisher keine Rede sein."
    Eine Bewertung des Artikels in der New York Times und des russischen Dementis gibt es bisher weder vom DOSB noch von Thomas Bach, dem IOC-Präsidenten. Ein Sprecher erklärte gestern lediglich: "Das IOC wartet auf Klärung."