Sonntag, 04. Dezember 2022

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Doping-Kontrollen
Ein Kampf gegen die Zeit

Über 100 Olympiateilnehmer aus den Jahren 2008 und 2012 wurden bislang des Dopings überführt. Mitverantwortlich dafür ist das Kölner Institut für Biochemie. Dort wurden Methoden entwickelt, mit denen man die Substanzen auch Monate nach dem Absetzen nachweisen kann.

Von Heinz-Peter Kreuzer | 18.12.2016

    Dopingproben in einem Labor.
    Dopingproben in einem Labor. (Symbolbild) (imago )
    Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und 2012 in London wurden Doping-Klassiker wie Oral-Turinabol und Stanozolol häufig verwendet. Das Kölner Institut für Biochemie entwickelte Methoden, mit denen diese Substanzen auch noch Monate nach dem Absetzen nachgewiesen werden konnten. Der stellvertretende Institutsleiter Hans Geyer:
    "Was aber neu war bei diesen Nachkontrollen, wir haben Langzeitmetaboliten getestet, die 2008 und 2012 noch nicht in den Screening-Prozeduren der Dopinganalytik waren. Und mit diesen haben wir viele Athleten überführen können, die 2008 und 2012 diese altbekannten Steroide wie Dehydrochlormenthy-Testosteron bzw. das alte Oral-Turinabol genommen haben und Stanozolol."
    Erfolgreiche Methoden
    Mittlerweile sind über 100 Sportler bei den mehr als 1500 Nachtests der Sommerspiele 2008 und 2012 des Dopings überführt worden. In Köln wurden die entsprechenden Verfahren entwickelt oder die Basisforschung für die Analyseverfahren betrieben.
    "Die Proben wurden in verschiedenen Laboratorien gemessen aber 90 Prozent der Proben, die bisher veröffentlicht wurden, der positiven Proben, sind mit Methoden aus dem Kölner Labor erwischt worden."
    Und der Erfolg ist verblüffend.
    "Aber wir haben diese neuen Methoden 2012 und 2013 entwickelt und konnten beeindruckende Zahlen liefern. Wir hatten in den Jahren 2011 und 12 lediglich einen positiven mit Stanozolol. Als wir die neue Methode Anfang 2013 eingeführt haben, hatten wir im Jahr 2013 180 positive mit Stanozolol, die wir vorher nicht erwischt hätten."
    Für Hans Geyer ist die steigende Zahl der positiven Fälle aber auch ein Beweis für das Versagen des Systems:
    "Dass wir so viele positive gefunden haben mit Langzeit-Metaboliten zeigt eigentlich, dass die Trainingskontrollsysteme in vielen Ländern einfach nicht funktionieren. Die Athleten wissen also wie lange wir bestimmte Substanzen nachweisen können und setzen dementsprechend früh genug ab, weil keine unangekündigten Kontrollen kommen."
    Athleten stellen sich auf neue Situationen ein
    Ein Funktionär aus einer früheren Sowjetrepublik gab zu, man wisse, dass das Kölner Labor in der Lage sei, die Steroide bis 70 Tage nach dem Absetzen nachzuweisen. Deshalb habe man sie schon 90 Tage vor der Kontrolle abgesetzt. Für die Kölner Wissenschaftler ein Hinweis, dass sie die Anabolika mindestens drei Monate nachweisen können. Für ihr Hintergrundwissen müssen die Doper und ihre Helfer noch nicht einmal Computer hacken oder jemanden bestechen. Ihnen werden die Informationen frei Haus geliefert. Bei positiven Proben müssen die Labore eine komplette Dokumentation der Analyse an Verbände und Beschuldigte liefern. Für die wissenschaftlichen Berater der Betrüger ist es dann kein Problem, aus diesen Informationen herauszulesen, welche Substanzen untersucht werden, die Methodik und vor allem, wie lange die Substanzen nachweisbar sind.
    So sind die Erfolge der Dopinganalytiker nur Erfolge auf Zeit. Bei den Nachtests von 2008 und 2012 sind es die anabolen Klassiker.
    "Jetzt haben wir die Langzeit-Metaboliten eingeführt, haben jetzt ein längeres Nachweisfenster, und wir erwarten in den nächsten Jahren wieder einen Rückgang der positiven, weil sich die Athleten auf diese Situation einstellen."
    Hans Geyer erwartet nicht unbedingt die Renaissance der anabolen Steroide, weil bei denen die Nachweiszeiten immer länger werden. Er befürchtet den vermehrten Einsatz von SARMS, den anabolen Steroiden ähnliche Substanzen. Diese sind noch nicht als Medikament zugelassen, sind aber auf dem Schwarzmarkt erhältlich. 2015 gab es schon 31 positive Fälle und der McLaren-Report zeigt: Im russischen Dopingsystem wurde Ostarine, eins der bekanntesten SARMS, häufig verwendet.