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StartseiteSport am WochenendeDoping schon im Nachwuchsbereich?13.11.2010

Doping schon im Nachwuchsbereich?

Zwei Dopingfälle im Nachwuchsbereich des Deutschen Schwimmverbandes

Ein 13-jähriger Schwimmer wurde bei den Jahrgangsmeisterschaften positiv auf Clenbuterol getestet und ein Jahr gesperrt. Eine 14-jährige Wasserspringerin hat eine Dopingkontrolle verweigert, was mit einer zweijährigen Sperre geahndet wurde. Doch sind es wirklich Dopingfälle? Und was sagen sie über den Umgang mit der Dopingproblematik aus?

Von Ralf Meutgens

Eine Laborassistentin untersucht im Dopinglabor der Deutschen Sporthochschule in Köln eine Dopingprobe. (AP)
Eine Laborassistentin untersucht im Dopinglabor der Deutschen Sporthochschule in Köln eine Dopingprobe. (AP)

Im Falle des 13-jährigen Schwimmers fühlt sich die Mutter gleichermaßen schuldig und mangelhaft aufgeklärt, wie sie gegenüber den Medien geäußert hat. Ihr Sohn habe wegen einer abklingenden Erkältung kurz vor dem Wettkampf Hustensaft genommen, der im Kühlschrank stand. Dieser habe, was sie nicht wusste, den verbotenen Wirkstoff Clenbuterol enthalten. Mit dem Wissen von heute hätte sich dies verhindern lassen.

Zwar stellt sich die Frage, ob ein 13-Jähriger, der Hustensaft nehmen muss, überhaupt an einem Wettkampf teilnehmen sollte. Es bleibt aber auch die Erkenntnis, dass Eltern offenbar über Medikamente, die im Sport verboten sind, ungenügend aufgeklärt sind und werden. Der Leistungssportreferent des Schwimmverbandes Nordrhein-Westfalen erklärt ebenfalls in den Medien, dass man aus diesem Fall Konsequenzen ziehen und die Dopingprävention, speziell in Verbindung mit Eltern, verstärken wolle.

Für den jungen Schwimmer kommt diese Einsicht zu spät. Er ist nun ein Jahr lang gesperrt und darf weder an Wettkämpfen noch am organisierten Training teilnehmen. Hat das Sportgericht sich klar gemacht, was das bedeutet? Fünf Mal die Woche hat der Nachwuchsschwimmer trainiert. Hat sich auch über seinen Sport und die damit verbundenen Erfolge in Schule und Freizeit definiert. Dafür ist er nun als Doper stigmatisiert. Das dürfte erhebliche negative Auswirkungen haben. Weit über den Sport hinaus.

Auch der Fall der 14-jährigen Wasserspringerin produziert mehr Fragen als Antworten. Sie hatte den aktiven Leistungssport seit Ende 2008 beendet, befand sich offenbar aber noch im Kontrollkader der Nationalen Anti-Doping-Agentur, kurz NADA. Nach Ansicht des ersten Vorsitzenden des betroffenen Aachener Vereins, Hans Alt-Küpers, war der Deutsche Schwimmverband darüber informiert. Die Athletin habe aber aus Unwissenheit versäumt, dies auch der NADA mitzuteilen. Als deren Kontrolleure ein Jahr später an der Haustür klingelten, habe die Mutter sie mit dem Verweis auf die seit langem beendete aktive Karriere ihrer Tochter unverrichteter Dinge wieder weggeschickt. Gegen das Mädchen wurde eine zweijährige Sperre verhängt. Nachvollziehen kann Alt-Küpers das nicht, eigentlich müsse man dankbar sein, dass die Kosten für eine völlig unnötige Dopinganalyse gespart werden konnten.

Hat der Deutsche Schwimmverband, DSV, in beiden Fällen das richtige Augenmaß und die nötige Sozialkompetenz bewiesen? Das Strafmaß hätte, insbesondere bei Abwägen der individuellen Umstände, anders gewählt werden können. Ermahnungen wären vermutlich nicht nur aus pädagogischer Sicht die bessere Alternative gewesen. Und man fragt sich, warum die seit Jahren postulierte Dopingprävention dort offenbar noch nicht oder zumindest nicht richtig angekommen ist.

Angesichts dieser beiden Fälle erscheint die Handhabung eines Dopingfalles aus dem vorigen Jahr einer Olympiateilnehmerin erst recht unverständlich. Die Schwimmerin wurde in zwei Trainingskontrollen positiv auf das männliche Sexualhormon Testosteron getestet. Als Erklärung gab sie verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel an. Gesperrt wurde sie nicht, wie sonst üblich, für zwei, sondern nur für ein Jahr. Dagegen legte die NADA erstmals in ihrer Geschichte Widerspruch beim internationalen Sportgerichtshof CAS ein. Der Deutsche Schwimm Verband unter Leitung der Juristin Christa Thiel stimmte der geforderten Zwei-Jahres-Sperre nun sang- und klanglos zu und hat damit sein eigenes Urteil ad absurdum geführt.

Hier wäre eine härtere Gangart des Verbandes möglicher Weise angebracht gewesen. Die hat man nun im Fall der beiden Nachwuchsathleten praktiziert. Seriöses und verantwortungsbewusstes Anti-Doping-Engagement sieht sicher anders aus.

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