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DopingZwischen Pioniergeist und alter Schule

UCI-Präsident Brian Cookson wartet mit ersten Transparenztaten auf. Er lagerte das Dopingkontrollprogramm CADF aus dem Verantwortungsbereich der UCI aus und ließ es von einer unabhängigen Expertengruppe auf Herz und Nieren prüfen. Dieses Vorgehen stößt auf Beifall bei den Teams.

Von Tom Mustroph | 16.03.2014

"Ich bin immer der Meinung gewesen, dass nicht die UCI selbst die Dopingkontrollen hätte machen dürfen, sondern eine unabhängige Instanz. Man hat ja in der Vergangenheit gesehen, was passiert. Man musste diesen Schritt machen, denn es kann nicht sein, dass ein Verband sich selbst kontrolliert",
erzählt der Teamchef des kleinen Bardiani-Rennstalls, Bruno Reverberi, beim Tirreno Adriatico. Reverberi hat zwar durchaus Recht. Verblüffend aber ist, dass er diese Meinung 32 Jahre lang gut versteckt hielt. Seit 1982, also noch vor Amtsantritt von Cooksons umstrittenem Vorvorgänger Hein Verbruggen, leitet er einen Rennstall. Fein, dass jetzt Cookson kam und Reverberi endlich sagen kann, was er schon immer dachte.
Der Brite sorgte auch dafür, dass eine Kommission der iNADO, der Vereinigung der nationalen Antidopingagenturen, das neue Antidopingprogramm der CADF unter die Lupe nahm. Die Kontrolleure der Kontrolleure lobten danach das Blutpassprogramm, fanden aber auch einige Mängel.
So soll die CADF ihre Ergebnisse unabhängig von der UCI kommunizieren. Über die Therapeutischen Ausnahmegenehmigungen muss eine eigene Kommission entscheiden. Und die UCI soll sicherstellen, dass in Dopingverdachtsfällen aus dem Blutpassprogramm die einzelnen Landesverbände in der Lage sind, die Daten kompetent auszuwerten.
Hier sieht denn auch Sky-Boss Dave Brailsford Nachholbedarf. Allerdings in ganz eigener Sache.
"Ich denke, die Teams brauchen Unterstützung beim Blutpassprogramm. Die Experten, die für die CADF arbeiten, haben nicht die Erlaubnis, mit den Teams zu reden. Die CADF selbst weigert sich, mit den Teams zu sprechen. Aber wenn wir alle wirklich einen sauberen Sport wollen, dann müssen wir Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit schaffen."
Brailsfords Vorschlag scheint die frisch erreichte Unabhängigkeit der Dopingkontrolleure zu gefährden. Mit einem überraschenden Schachzug verteidigt der Brite seine Forderung.
"Das Argument, dass wir einen sauberen Sport erreichen können, indem wir allein die Betrüger schnappen, ist doch altmodisch. Was wir sagen sollten, ist: Ja, wir wollen die Betrüger fangen. Aber wir wollen auch die Teams unterstützen, selbst sauber zu arbeiten. Das ist eine wichtige Veränderung der letzten Dekade."
Die spannende Frage lautet: Ist der Radsport schon so verändert, dass man seinen Teammanagern trauen kann?