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StartseiteSport Aktuell"Schluss mit der Opfer-Politik"30.01.2019

Dopingopfer"Schluss mit der Opfer-Politik"

Sind die DDR-Dopingopferzahlen des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins DOH zu hoch? Kritiker des Hilfsfonds fordern im Sportausschuss des Bundestags eine wissenschaftliche Studie.

Von Mathias von Lieben

Eine A-Probe und B-Probe beim Dopingtest. (imago / blickwinkel )
Der Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH) muss sich nach Kritik im Sportausschuss des Deutschen Bundestages rechtfertigen. (imago / blickwinkel )
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"Schluss mit der Opfer-Politik". Das ist die Kernforderung der vier Verfasser des mittlerweile 67-Seiten langen Dossiers mit der Überschrift "Blackbox Doping-Opfer-Hilfe". Sie sehen die DDR-Opferzahlen des Doping-Opferhilfe-Vereins DOH als zu hoch an - und den Begriff Dopingopfer als zu weit gefasst. Flächendeckendes Zwangsdoping, so die frühere Leichtathletin Mitautorin Claudia Lepping, habe es nicht gegeben:

"Lassen Sie uns aufklären, was in der DDR war. Lassen Sie uns den wirklichen Opfern helfen und lassen Sie uns entschädigen. Aber machen wir uns bitte ehrlich. Ich bin froh in einem Land zu leben, in dem sich eine Regierung dazu bereit erklärt. Aber bitte nicht ausbeuten und niemanden hinter die Fichte führen."

Das Dopingopfer-Hilfegesetz, so Lepping, müsse dringend reformiert werden, die Politik habe dem Verein blind vertraut.

10.500 Euro als Entschädigung

Anerkannte Dopingopfer haben entsprechend des 2. Dopingopfer-Hilfegesetzes Anspruch auf eine Einmalzahlung von 10.500 Euro - gezahlt aus einem Entschädigungsfonds vom Bund. Dessen Budget: 13,65 Millionen Euro. Derzeit liegen dem Bundesverwaltungsamt als Verwalter 1.045 Anträge vor.

Lepping und ihre Mitstreiter kritisieren, dass der DOH Politik mache mit einer Zahl von 15.000 potenziellen Opfern - darin einberechnet sind auch mögliche Geschädigte traumatischer Zweitgenerationsschäden. Das sei wissenschaftlich jedoch nicht belastbar, sagen die Kritiker. Die Forderung von Claudia Lepping an die Bundesregierung:

"…dass das Gesetzt evaluiert wird. Wir müssen zurückkommen zu einer ordentlichen und förmlichen Begutachtung und erst dann darüber entscheiden, ob dieser millionenschwere Doping-Opfer-Hilfe-Fonds in dieser Form wirklich bestehen bleiben soll."

"Trittbrettfahrer, die nur an dem Geld interessiert sind"

Der Ton ist rau: Der Sportpädagoge Gerhard Treutlein stellte heute den Begriff des Zwangsdopings in Frage. Sein Kollege, der Molekularbiologe und einstige Mitbegründer der Doping-Opfer-Hilfe, Werner Franke, sprach von Trittbrettfahrern, die heute nur an dem Geld aus dem Fonds interessiert seien.

Am späten Nachmittag waren beide Parteien, die Verfasser des Dossiers sowie der Doping-Opfer-Hilfe-Verein zur Sitzung des Sportausschusses im Bundestag geladen. Michael Lehner, der im Dezember Ines Geipel, selbst staatlich anerkanntes Dopingopfer, als DOH-Vorsitzende abgelöst hatte, wies die Kritik anschließend zurück - besonders die von Werner Franke, mit dem er einst den DOH gegründete hatte:

"Es ist in ein individueller Zorn eines Egomanen. Es wird viel unter der Gürtellinie persönlich geäußert und der Sache wird nur geschadet. In der Sache selbst hat sich doch nichts geändert. Wir haben das Doping-Zwangssystem der DDR, wir haben daraus geschädigte Sportler."

Sportrechtler Michael Lehner ist neuer Vorsitzender der Doping-Opfer-Hilfe (DOH). Auf der Mitgliederversammlung in Berlin wurde der 64 Jahre alte Jurist als Nachfolger von Ines Geipel gewählt. Geipel hatte nach internen Zerwürfnissen und externen Vorwürfen ihr Amt zur Verfügung gestellt. «Die DOH hat großartige Arbeit geleistet. Ohne sie wäre die Kehrseite des Sports nicht so ins Bewusstsein gerückt», sagte Lehner. (Deutschlandfunk / Sturmberg)Ines Geipel (l.) und ihr Nachfolger bei der DHO, Michael Lehner (r.), verteidigen die hohe Zahl an DDR-Dopingopfern (Deutschlandfunk / Sturmberg)

Trotzdem betonte Lehner seine Bereitschaft zum Dialog. In der Sitzung seien zwar einige Ungereimtheiten bezüglich der Kalkulationen des DOH angesprochen worden, sagte André Hahn, Obmann der Linken im Sportausschuss - er machte aber auch klar:

"Eine grundsätzliche Infragestellung der Zahlungen halte ich nicht für gerechtfertigt. Aber man kann vielleicht noch einmal überprüfen auch unter dem Lichte der heutigen Diskussion, ob alle Zahlungen auf rechtlicher Grundlage erfolgt sind."

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