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StartseiteSport am WochenendeSport und Politik ducken sich weg07.12.2014

DopingopferSport und Politik ducken sich weg

Der Deutsche Sport ist mal wieder in Auufbruchstimmung. In Dresden auf der Mitgleiderversammlung des DOSB ist an diesem Wochenende eine neue Olympiabewerbung auf den Weg gebracht worden – für die Sommerspiele 2024. Und Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat nach dem durchwachsenen Abscheiden bei den Winterspielen in Sotschi mehr Geld für den Spitzensport versprochen: 15 millionen-Euro zusätzlich soll es geben. Deutschland will im Spitzensport wieder in die Weltspitze zurück, die Verlierer der Medaillenjagd werden dabei, so gut es geht, ignoriert.

Von Philipp May

Die Schriftstellerin und Doping-Expertin Ines Geipel (2012) (AFP)
Die Schriftstellerin und Doping-Expertin Ines Geipel (AFP)

Ergriffene Stille unter den deutschen Sportfürsten in Dresden. Es läuft ein Imagefilm des DOSB. Der Rückblick auf die Erfolge im Sportjahr 2014.

Bilder voller Emotionen, voller Gewinner. Bilder, die Ines Geipel nicht mehr sehen kann. Die Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins ist auch in Dresden, um die DOSB-Spitze über die Verlierer des deutschen Medaillenstrebens zu informieren. Menschen, die in der DDR vom Staat zwangsgedopt wurden.

„Wir haben eine lange Todesliste mittlerweile. Im Oktober diesen Jahres ist Gerd Bonk, einst stärkster Mann der Welt – gestorben nach einer ganz langen Leidensgeschichte."

Mittlerweile siebenhundert Menschen haben sich bei in der Beratungsstelle der Dopingopferhilfe gemeldet. Sie mussten Anabolika in hohen Dosen schluck, viele schon als Kinder – ohne es zu wissen. Vom Staat angeordnet. Jetzt spüren sie die Spätfolgen mit voller Wucht.

„Wir haben unter den Betroffenen viele, wo die Ärzte sagen noch 12 Monate, noch 6 Monate Lebenszeit, also die Sache ist sehr ernst."

Seit Jahren kämpft Geipel um dauerhafte finanzielle Hilfe für die Opfer, von denen viele arbeitsunfähig sind. Sie sieht den Sport und den Staat in der Verantwortung.

„Das ist eine Aufgabe des Staates eine solche Rente oder eine solche Opferentschädigung zu beschließen."

Sagt DOSB-Chef Michael Vesper. Dumm nur, dass auch der sich nicht in der Pflicht sieht. Bundesinnenminister De Maiziere:

Ich bin da gesprächsbereit, aber ich sehe jetzt nicht irgendwie, dass jetzt da in besonderer Weise der Bund gefordert ist.

Nachfrage:

„Aber eine Rente für Dopingopfer halten sie für ausgeschlossen?"

„Sehe ich nicht."

Ines Geipel:

„Es ist nicht schön, dass im Hinblick auf die Opfer so wenig Empathie in diesem Land da ist. Das hat natürlich auch ein bisschen mit der Medaillenmentalität, der Glanzmentalität zu tun.

Hier gibt es einen riesigen Handlungsbedarf. Das muss jetzt geschehen!"

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