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StartseiteKultur heuteEin Instrument im Dornröschenschlaf06.08.2019

Dorothee Oberlinger über die BlockflöteEin Instrument im Dornröschenschlaf

Sommerreihe "Wendepunkte: Vorher - Nachher"

Es braucht nicht viel, um auf der handlichen Blockflöte einen passablen Ton zu produzieren. Bis zum Ende der Barockzeit war das hölzerne Instrument daher schwer in Mode. Doch dann, erklärt die Virtuosin Dorothee Oberlinger, fiel die Blockflöte in einen 150 Jahre dauernden Dornröschenschlaf.

Dorothee Oberlinger im Gespräch mit Maja Ellmenreich

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Die deutsche Solistin für Blockflöte, Dorothee Oberlinger, aufgenommen am 09.04.2009 (dpa-Zentralbild / Karlheinz Schindler)
Blockflötistin Dorothee Oberlinger (dpa-Zentralbild / Karlheinz Schindler)
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Sie war das Prunkinstrument der Könige, und jeder "british gentleman" trug eine Blockflöte in der Tasche, weiß Blockflötistin Dorothee Oberlinger über die Hochzeit ihres Instrumentes zu erzählen. Bach, Vivaldi und Telemann - sie alle komponierten für das virtuose Instrument, das mit seinem sanften Klang der menschlichen Stimme ähnelt.

Doch mit dem Ende der Barockzeit kam auch für die Blockflöte das vorläufige Ende: Aus stilistischen und klanglichen Gründen war nun die Traversflöte gefragt, die spätere Querflöte. Sie passte besser zum so genannten "galanten Stil" des späten 18. Jahrhunderts. Außerdem mischte sich ihr hauchiger Klang besser mit den Instrumenten des modernen Orchesters. Erst im 20. Jahrhundert erfuhr die Blockflöte eine erneute Renaissance.

Flötenpause zwischen Barock und 20. Jahrhundert

Die 150jährige Repertoire-Pause bedauert Dorothee Oberlinger keineswegs: "Ich finde auch wirklich, dass die Blockflöte nicht so gut zu dieser Musik passt." Im 21. Jahrhundert gibt es dann wieder viel zu tun für die Virtuosin: "Die Literatur der neuen Musik ist wesentlich größer als die ganze Literatur der Vergangenheit."

Es sei ihr immer wichtig gewesen, den Ruf ihres Instrumentes zu verteidigen, so Oberlinger. Zwar sei es einfach, aus einer Flöte einen Ton herauszubekommen. "Die Schönheit des Klangs - da lernt man sein ganzes Leben nicht aus. Die Direktheit des Instrumentes ist Fluch und Segen zugleich."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Dorothee Oberlinger ist eine gefragte Blockflötistin. Sie lehrt ihr Instrument als Professorin am renommierten Mozarteum in Salzburg. Außerdem leitet sie als Intendantin die Barockfestspiele im hessischen Bad Arolsen und die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. Ihre Aufnahmen wurden vielfach ausgezeichnet.

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