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StartseiteKultur heuteMaffays Machtwort05.02.2020

Dresdner OpernballMaffays Machtwort

Viele hatten dagegen protestiert, dass der Dresdner Opernball Ägyptens Machthaber al-Sisi den St. Georgs-Orden verliehen hat. Geändert hat das nichts - bis sich der Musiker Peter Maffay einschaltete und mit Absage drohte. Die Auszeichnung wurde zurückgenommen, und Deutschlands neue moralische Instanz heißt Showbusiness.

Von Arno Orzessek

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Der Sänger und Friedensaktivist Peter Maffay zu Gast in der M.Lanz (ZDF) Talkshow am 31.01.2018 in Hamburg  (imago)
Er oder ich: Sänger Peter Maffay drohte, seinen Auftritt beim Dresdner Opernball abzusagen (imago)
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Wir wollen hier gewiss nicht um Mitleid für Abdel Fatah al-Sisi betteln...

Aber was da in Dresden abgeht, muss dem ägyptischen Machthaber spanisch vorkommen. Ist doch erst kürzlich der Semperopernball-Chef Hans-Joachim Frey persönlich nach Kairo gedüst, um al-Sisi den St. Georgs-Orden anzudienen. Man erinnere sich an das Foto: Wie tief sich die Männer in die Augen blicken! Und Frey reicht al-Sisi nicht einfach nur die Hand, nein: Er umschließt die Rechte al-Sisis mit beiden Händen aufs Herzlichste, er bettet sie geradezu. Was, bitte schön, wird sich al-Sisi dabei gedacht haben? Doch wohl, dass die Dresdner einen prima Geschmack haben.

Geben erst 2009 dem Putin ihren Orden und 2017 dem Saudi-Prinzen Salman – und jetzt mir, mit der feinen Begründung, dass ich 'Brückenbauer und Hoffnungsträger eines ganzen Kontinents' bin. Passt super, danke dafür.

Orden oder Auftritt

Tja, aber so läuft das nicht mit Peter Maffay, dem rockenden Anständigkeits-Apostel.

Gerade erst hatte der 70jährige Barde in der jüngsten Ausgabe von "chrismon", dem "evangelischen Magazin", klargestellt: "Ich hab noch längst nicht abgeschlossen." Und schon ließ er die Dresdner wissen: Entweder Ordens-Entzug für al-Sisi – oder Maffay-Entzug auf dem Opernball. Dort war er für den wichtigen Mitternachts-Act vorgesehen.

Was Maffay von Judith Tagesschau Rakers unterscheidet, ist die Tendenz ins Erpresserische: Rakers hatte ihre Moderation wegen der al-Sisi-Sache einfach bloß abgesagt, Maffay jedoch sagte: Entweder - oder. Und schon kehrt der Opernball auf den rechten Weg zurück, tut reumütig, erkennt al-Sisi den Orden ab.

Okay, das stimmt natürlich nicht so ganz.

Tropfen auf dem heißen Stein

Von den Linken bis zur AfD hatten in Sachsen fast alle mit Rang und Namen gegen den Orden für al-Sisi protestiert. Insofern ist der große Maffay vielleicht doch nur der kleine Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Aber immerhin!

Wenden wir unsere Gedanken indessen nach Kairo. Was bleibt al-Sisi anderes übrig, als jetzt erstmal 'Maffay' zu googlen, um den frechen Spaßverderber näher kennenzulernen?

Es wird dann wohl nicht lange dauern, bis sich al-Sisi in Dauerschleife "Über sieben Brücken musst du gehen" reinzieht... Und zwar, um seiner Enttäuschung Herr zu werden: Anders als die Aufmüpfigen Ägyptens kann er diesen Maffay ja nicht mal eben ins Gefängnis stecken. Das muss echt schlimm sein, al-Sisi!

"Gegen den Strom"

Was unterdessen Hans-Joachim Frey und die Opernballverein-Clique angeht, muss man sich fragen: Sind die einfach blindlings dem Motto auf der St. Georgs-Medaille gefolgt?

Das steht nämlich "Adverso flumine" drauf, lateinisch für 'gegen den Strom'. Und da dachten Frey und die Seinen offenbar: Der linksliberale Main-Strom ist definitiv ein Strom, sagt ja schon der Name – und gegen den vergeben wir pflichtschuldigst unseren Orden, jawohl!

Nun, blöd gelaufen. Ob das alles noch irgendwie zu kitten ist? Vielleicht so: Hans-Joachim Frey lockte al-Sisi samt Orden nach Dresden, verführt seinen Gast zu einem Tänzchen, klaut ihm dabei die Medaille aus Sakko-Tasche – und übergibt sie... Peter Maffay, na klar.

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