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StartseiteForschung aktuellNarko-Kartelle lassen Regenwald abholzen31.01.2014

DrogenschmuggelNarko-Kartelle lassen Regenwald abholzen

Umwelt. - Auf den ersten Blick haben Drogenpolitik und die Abholzung von Wäldern wenig miteinander zu tun. Mehr wider Willen haben Forscher aus den USA jetzt entdeckt, dass es da durchaus einen Zusammenhang gibt. Überall dort, wo Drogenhändler in Zentralamerika ihre Umschlagplätze für Marihuana und Kokain etablieren, geht tropischer Regenwald verloren – und zwar in wirklich großem Stil.

Von Katrin Zöfel

Gerodeter Regenwald auf der Ranch eines mutmaßlichen Drogenschiebers in Honduras. (Science/David Wrathall)
Rodung in Honduras (Science/David Wrathall)

Die Geographin Kendra McSweeney von der Ohio State University ist seit 1998 immer wieder im Osten von Honduras unterwegs. Sie untersucht, wie die Menschen sich wieder aufrappeln, nachdem Hurrikan Mitch die Region verwüstet hat.

"Mich interessiert, wie sich die Menschen von so etwas wieder erholen. Aber mein Forschungsprojekt wurde von einer anderen Entwicklung einfach überrollt: dem Einfluss nämlich, den der Drogenhandel auf diese Region hat."

McSweeney und ihren Kollegen fiel auf, dass nach 2006 pro Jahr viel mehr Wald illegal abgeholzt wurde als davor. Im Schnitt etwa dreimal so viel, 65 statt 20 Quadratkilometer pro Jahr.

"Das waren ganz neue Muster der Abholzung und neue Ausmaße für diese Region. Wenn wir Einheimische darauf ansprachen, sagten die wenigen, die darüber reden wollten: 'Das ist wegen der Drogenhändler.' Ich verstand nicht, was sie meinten, ich konnte keine Verbindung zwischen diesen beiden Dingen erkennen."

Erst bei genauerem Hinsehen wurde der Zusammenhang deutlich. In Kolumbien waren bis zum Jahr 2000 die großen Drogenkartelle zerschlagen worden, nicht zuletzt auf Drängen und mit Hilfe der USA. Die Drogenhändler verlagerten ihre Basis nach Mexiko. Doch seit 2006 wird auch dort mit harter Hand durchgegriffen. Wieder auf Drängen der USA. Fast zwangsläufig landeten die verfolgten Drogenhändler in den wenig besiedelten Gebieten von Honduras, Nicaragua und Guatemala. 

"Für Drogenhändler ist es am besten, mit ihren kleinen Flugzeugen und Schmuggelbooten dort zu landen, wo die US-Kampagnen nicht hinreichen und die jeweilige Staatsmacht kaum präsent ist. Indianerreservate und Naturschutzgebiete sind geradezu ideal."

Zahlen zu finden, die das belegen, war allerdings nicht einfach. Die Forscher griffen schließlich auf Daten von US-Behörden zurück, die protokollieren, wie viele verdächtige Flugzeuge und Boote sich von Südamerika aus Richtung Zentralamerika bewegen. Die kombinierten sie mit Satellitendaten, die die Abholzung belegen. Das Ergebnis ist eindeutig: je mehr verdächtige Bewegungen die US-Behörden registrierten, umso mehr wurde dort, wo Boote und Flugzeuge landeten, abgeholzt. Wo der Druck der Verfolgung stärker wurde, ließ die Abholzung wieder nach, allerdings nur um einige hundert Kilometer entfernt genauso fortgesetzt zu werden. Blieb die Frage: Warum interessierten sich Drogenverkäufer überhaupt für den Wald?

McSweeney: "Land zu kaufen und abzuholzen, ist in den meisten dieser Gegenden illegal, es sind ja Schutzgebiete. Aber die Drogenhändler halten den Einheimischen einfach eine Waffe an den Kopf und sagen: Verkauf mir dieses Land, oder ich kauf es von Deiner Witwe. Es gibt keinen, der sie aufhält. Dann holzen sie den Wald ab, machen Weideland daraus und verkaufen es mit Gewinn."

Doch der Landkauf bringt diesen Investoren mehr als nur Profit. Grund zwei ist Geldwäsche. Schmutziges Geld aus den Drogengeschäften wird in Land investiert. Spätestens beim fünften Weiterverkauf ist dann Geld dann sauber. Grund drei: Konkurrierende Banden halten sich auf Abstand, indem sie ihr Territorium mit Käufen sichern. Grund vier: Wer genug Fläche besitzt, kann die eine illegale Landebahn, die die Drogenpolizei entdeckt hat, einfach aufgeben und woanders auf eigenem Land eine neue anlegen. Die Studienautoren prangern diese Konsequenzen der Anti-Drogen-Politik der USA an: wertvoller, artenreicher Regenwald gehe verloren, ohne dass die lokalen Autoritäten viel dagegen unternehmen könnten. Die Autoren hoffen, dass ihre Daten andere Wissenschaftler und Umwelt- und Artenschützer überzeugen, so dass sie sich mit ihnen für eine andere Anti-Drogenpolitik in den USA einsetzen. 

 

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