Fragen und Antworten
Dschihadisten und Tuareg-Rebellen greifen gemeinsam an: Darum geht es bei den Kämpfen in Mali

In Mali haben Dschihadisten und Tuareg-Rebellen erstmals gemeinsam Einrichtungen der Armee und der Militärregierung angegriffen. Dabei wurde auch der Verteidigungsminister getötet. Experten sprechen von einer neuen Phase des Konflikts in dem Land. Wir beantworten wichtige Fragen.

    Eine schwarze Rauchsäule steigt über den Gebäuden auf, während der Verkehr am Africa Tower-Denkmal in Bamako vorbeifährt.
    In Mali gibt es seit dem Wochenende in mehreren Städten und Orten Kämpfe (Aufnahhme aus der Hauptstadt Bamako vom 26. April) (AFP)

    Welche Angriffe hat es in Mali gegeben?

    Seit Samstag verüben islamistische Milizionäre gemeinsam mit einer von Tuareg geführten Separatistengruppe - der Front für die Befreiung des Azawad (FLA) - eine der bislang größten koordinierten Angriffsserien auf die malische Armee. Die Separatisten treten das erste Mal zusammen mit den Islamisten in Erscheinung. Bei den Islamisten handelt es sich um die mit Al-Qaida verbundene Gruppe JNIM. Diese reklamierte auch Angriffe auf den internationalen Flughafen von Bamako sowie auf vier weitere Städte im Zentrum und Norden Malis für sich.
    Die malische Militärregierung erklärte am Sonntag, die Angriffe seien offenbar beendet. Mehrere Fragen blieben jedoch offen - darunter, wer die Kontrolle über die Stadt Kidal im Norden des Landes innehat. Die Tuareg-Rebellen behaupten, Kidal eingenommen zu haben. Die FLA teilte mit, malische Soldaten und russische Söldner hätten sich aus Kidal zurückgezogen. Man habe zuvor eine Einigung über einen friedlichen Abzug erzielt.
    Regierungssprecher Coulibaly hatte am Samstagabend im Staatsfernsehen erklärt, dass 16 Menschen, darunter Zivilisten und Militärangehörige, verletzt und mehrere Extremisten getötet worden seien. Eine genaue Zahl nannte er nicht. Agenturberichten zufolge dauern die Kämpfe in mehreren Städten an.
    Jean-Hervé Jezequel von der International Crisis Group sagte der "New York Times", die Angriffe stellten eine massive Eskalation des Konflikts dar. Die bewaffneten Gruppen hätten damit eine "neue Phase" (a new stage) eingeläutet.

    Welche Orte wurden angegriffen?

    Das Militär hatte am Samstag über Angriffe von Terroristen in der Hauptstadt Bamako und im Landesinneren berichtet. In sozialen Medien war von Angriffen in den Städten Gao im Osten des Landes, Mopti am Fluss Niger und in Kati nördlich von Bamako die Rede. Dort liegt der wichtigste Militärstützpunkt des Landes, und dort lebt auch der Interimspräsident und Juntachef Assimi Goita. Auch Kidal ist Schauplatz von Kämpfen.

    Wer kämpft in Mali gegen wen?

    In Mali gibt es im Norden seit Längerem immer wieder Aufstände der Tuareg-Volksgruppe. Zudem kämpft die Armee gegen islamistische Extremisten. Die Militärregierung unter Assimi Goita hatte nach den Putschen von 2020 und 2021 die Macht übernommen. Sie versprach, die Sicherheit wiederherzustellen, tut sich damit jedoch schwer.
    Die Regierung setzt im Kampf gegen die Extremisten auf russische Söldner des sogenannten "Afrika-Korps", das als Nachfolger der Wagner-Gruppe gilt. Die malische Militärführung lehnte dementsprechend eine Zusammenarbeit mit westlichen Staaten zunächst ab, bemühte sich zuletzt jedoch um engere Beziehungen zu den USA.

    Was ist mit der UNO-Friedensmission?

    Deutschland war über Jahre mit der Bundeswehr an der UNO-Friedensmission Minusma in Mali beteiligt. Die Truppe stellte unter anderem Aufklärungsdrohnen, Kampf- und Transporthubschrauber sowie Stabspersonal in Bamako, um zum
    Gesamtlagebild der Vereinten Nationen beizutragen. Nachdem die malische Militärregierung im Juni 2023 jedoch die Zusammenarbeit beendet und den Abzug aller UNO-Kräfte gefordert hatte, beschloss der UNO-Sicherheitsrat das Ende der Mission. Die letzten Bundeswehrsoldaten aus Mali kehrten im Dezember 2023 nach Deutschland zurück.

    Wie kam der Verteidigungsminister ums Leben?

    Nach den Angriffen am Samstag waren auf sozialen Medien Bilder der ausgebrannten Residenz von General Camara verbreitet worden, über sein Schicksal herrschte jedoch bis zur offiziellen Todesnachricht Ungewissheit. Nach Regierungsangaben hatte ein Selbstmordattentäter ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor der Residenz Camaras in Kati zur Explosion gebracht. Camara sei in einem Krankenhaus an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben, hieß es. Er war eines der fünf Mitglieder der Militärregierung und galt als Nummer zwei innerhalb der Junta.
    Diese Nachricht wurde am 27.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.