Montag, 23.07.2018
 
Seit 08:10 Uhr Interview
StartseiteDeutschland heuteNoternte bei erhöhter Brandgefahr09.07.2018

Dürre in Mecklenburg-VorpommernNoternte bei erhöhter Brandgefahr

Mecklenburg-Vorpommern hat Wochen der extremen Dürre hinter sich. Viele Bauern müssen noternten. Gleichzeitig herrscht erhöhte Brandgefahr: Zuletzt löste ein Funke zwischen Mähdrescher und Feldstein einen Großbrand aus. Der breitete sich auf ein Waldstück aus, in dem Weltkriegsmunition vergraben ist. Ein Besuch am Brandort.

Von Silke Hasselmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
06.07.2018, Mecklenburg-Vorpommern, Groß Laasch: Ein Löschpanzer bekämpft in einem Wald mit Munitionsresten einen Brand (Luftaufnahme mit einer Drohne). Die Löscharbeiten bei einem Waldbrand dauern weiter an. (zu dpa «Großbrand mit Munitionsresten - Panzer löschen bis Sonntag weiter» vom 06.07.2018) Foto: Daniel Bockwoldt/ZB/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
Waldbrand mit Munitionsresten: ein Löschpanzer bei Groß Laasch (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Trockenheit in Spanien Mondlandschaft statt Wassersport

Wassermangel Tunesien kämpft gegen die Trockenheit

Dieses Wasser war nicht bestimmt für den Rasen im Vorgarten. Und es war auch kein Sonntagsspaziergang, der diese beiden Männer gestern Nachmittag in den Wald bei Groß Laasch führte. Der eine Feuerwehrmann, der andere Till Backhaus, Landwirtschafts- und Umweltminister in Mecklenburg-Vorpommern.

Till Backhaus: "Ich wollte doch noch mal wenigstens einmal herkommen."

Feuerwehrmann: "Ja. Hallo."

Backhaus: "Noch einmal vielen, vielen Dank!"

Feuerwehrmann: "Alles gut."

Backhaus: "Und jetzt haben wir das langsam, ne?"

Feuerwehrmann: "Wir haben eben mit der Wärmebildkamera noch mal abgeguckt. Also da, wo wir jetzt noch mal Wasser raufgehauen haben, haben wir 17, 18 Grad..."

Mit dieser Bodentemperatur könne man leben, sagt der Feuerwehrmann, der längst kein Grün mehr um sich hat, sondern nur noch schwarz-braun verkohlte Bäume und Büsche. Fast fünf Tage lang waren er und rund 100 Kameraden diverser Feuerwehren dabei, den Brand zu löschen. Um genügend Wasser heranzuschaffen, bauten Kollegen vom Technischen Hilfswerk bei brütender Hitze eine 1.300 Meter lange Schlauchleitung vom Ludwigsluster Kanal bis in das brennende Waldstück auf. Das Problem, so Matthias Brinkmann vom THW: Dort liegt noch immer reichlich Munition aus dem Zweiten Weltkrieg.

"Dieser Aufbau war etwas schwierig, eben wegen der Munition. Die Leitung wurde zum Großteil durch die Bergepanzer hier verlegt. Diese Leitung fördert im Moment 2.700 Liter Wasser pro Minute. Hier von der Entnahmestelle bis zum Wald ist das Wasser etwa fünf Minuten unterwegs und wir wollen damit den Wald durchnässen, um die Feuerwehr zu unterstützen."

Zündfunke durch Mähdrescher und Feldstein

Ausgebrochen war dieser Brand vorigen Mittwoch auf einem Stoppelfeld, dessen Boden wie überall in Mecklenburg-Vorpommern unter wochenlanger regenfreier Hitze ausgetrocknet war. Stein des Anstoßes: tatsächlich ein Stein, genauer gesagt der Funkenschlag, den ein Mähdrescher beim heftigen Kontakt mit einem Feldstein erzeugte. Kann passieren, nicht aber wie in diesem Fall, dass der Landwirtschaftsbetrieb vor dem Drusch weder eine Brandschneise um das Feld zieht noch einen Wasserwagen bereitstellt, sagt der sichtlich verärgerte Agrarminister.

Umso besser funktionierte die schnelle Hilfe aus dem benachbarten Sachsen-Anhalt. Das dort beheimatete Munitionsbergungsunternehmen DiBuKa setzte zwei Kollegen in einem umgerüsteten, hellblau gestrichenen Panzer in Bewegung. Der schlug Schneisen in den von Glutnestern übersäten Wald. Immer wieder krache es, weil Altmunition explodiere, erzählt der rußverschmierte Joachim Schulz dem NDR-Reporter. Doch er und sein Kollege seien im Panzer geschützt und bilden deshalb die Vorhut von Feuerwehr und THW, die den leicht abschüssigen Waldabschnitt fluteten.

"Im Endeffekt ist das ja wie trockener Torfboden. Also hier haben jetzt was: Trocken wie Stroh und da sind die Glutnester drin und die entfachen sich immer wieder. Das hängt in den Wurzeln drin, die Glutnester. Also direkt an den Bäumen, an die Kiefern, die da stehen. Der Wind trägt den Sand ab, und dann qualmt es wieder. Sobald die Qualschwaden entstehen, sind wir wieder dran und benässen und bespritzen das."

Minister: Feuerwehrleute fehlen nicht, aber Technik

Als hätten die von Noternten und Einnahmeausfällen geplagten Bauern nicht genug Sorgen mit der Dürre, sind ihre Felder nun oftmals auch der Ausgangspunkt von Bränden. So dieser Tage auch bei Anklam im östlichen Landesteil Vorpommern. Doppelschicht für diesen Feuerwehreinsatzleiter, der immerhin ein Lob aussprechen kann:

"Die Wetterlage ist sehr trocken. Die Bauer versuchen, ihr Zeug runterzuholen. Dadurch können natürlich Steinefunken entstehen. Wir sind gerade vor einer halben Stunde aus Pulow gekommen. Waren gerade beim Saubermachen, Umziehen. Dann kam der nächste. Beim Strohballenmachen hat sich das irgendwo entzündet. Eine Fläche von zwei, drei Fußballfeldern hat dann schlagartig gebrannt. Der Bauer war so clever und hat gleich mit dem Pflug außen rum gemäht. Damit hat er uns sehr gut geholfen. Leider ist das heute ein bisschen in den kleinen Wald reingegangen, wo wir jetzt beim Löscharbeiten bei sind."

Derweil verspricht Landwirtschaftsminister Backhaus, er werde mit dem für die Feuerwehren zuständigen Innenminister analysieren, wo es Schwachstellen gibt. Die sieht er keinesfalls bei den gut ausgebildeten Kameraden.

"Aber es fehlt zum Teil an Technik oder die Technik ist nicht so einsatzfähig, wie wir uns das wünschen. Stichwort: wassergeführte Fahrzeuge. Das Stichwort sind auch allradgetriebene Fahrzeuge. Und sie sind zum Teil auch verschlissen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk