Unrechtsjustiz
Düsseldorfer Karnevals-Wagenbauer Tilly findet russisches Urteil gegen ihn "bedrohlich", aber auch "lächerlich"

Der Düsseldorfer Karnevals-Wagenbauer Jacques Tilly hat zwiegespalten auf die in Russland gegen ihn verhängte Haftstrafe reagiert. Er nannte das Urteil sowohl "bedrohlich" als auch "lächerlich". Von der Bundesregierung kam ebenfalls Kritik.

    Tilly steht vor dem Wagen und breitet mit spöttischem Lächeln beide Arme aus. Es ist dunkel. Dahinter der Wagen, in dem eine Putin-Figur den Düsseldorfer Schalk "Hoppeditz" mit einem Schwert aufspießt. Dieser schlägt Putin mit einer Klatsche auf den Kopf.
    Jacques Tilly vor einem der Mottowagen am diesjährigen Düsseldorfer Straßenkarneval. (dpa / Bonn.digital / Marc John)
    Ein Gericht in Moskau hatte Tilly am Nachmittag zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht erklärte in dem umstrittenen Strafverfahren, Tilly habe sich der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht. Grund waren putin- und russlandkritische Wagen auf dem diesjährigen Düsseldorfer Rosenmontagszug. Ins Gefängnis muss Tilly aber nicht: Deutschland liefert seine Staatsbürger nicht nach Russland aus.

    "Unverhältnismäßig und lächerlich"

    Zu seiner Verurteilung sagte Tilly dem Deutschlandfunk Kultur, dies sei eine neue Eskalationsstufe. Er werde behandelt, als hätte er ein Kapitalverbrechen begangen. "Das finde ich absolut unverhältnismäßig, eigentlich im Kern geradezu lächerlich." Tilly fügte hinzu, es sei aber eine durchaus bedrohliche Situation, ins Visier eines solchen "Schurkenstaates" zu geraten. Auf der anderen Seite amüsiere es ihn wiederum, dass der russische Staat und die russischen Gerichte sich so blamierten mit ihrer Angst vor Pappfiguren.
    Tilly will sich durch das Urteil nicht einschüchtern lassen: "Ich baue weiter meine putin-kritischen Wagen. Ich bin ja nicht grundsätzlich russlandkritisch. Ich stehe aber auf Kriegsfuß mit diesem totalitären Regime und diesem Unrechtsstaat, den Putin nunmal führt."

    Bundesregierung spricht von politisch motiviertem Verfahren

    Die Bundesregierung kritisierte das Urteil: Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Güler, sprach von einem klar politisch motivierten Verfahren. Meinungsfreiheit und Satire seien von grundlegender Bedeutung für eine Demokratie. Kritik kam auch von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wüst, der von einem schweren Angriff auf die Freiheit der Kunst sprach.

    Gleich mehrere putin-kritische Wagen

    Tilly hatte für den diesjährigen Rosenmontagszug drei Karnevalswagen gebaut, die den russischen Staatspräsidenten Putin zeigen. Auf einem war der Kremlchef in Militäruniform zu sehen, wie er einen Narren - den Düsseldorfer Hoppeditz - mit einem Schwert ersticht. Auf einem zweiten Wagen mit dem Titel "Die Landesverräter" steuerte Putin eine blaue Drohne, auf der das Gesicht der AfD-Bundessprecherin Weidel abgebildet war. Hinzu kamen zwei weitere Wagen mit kritischem Putin- beziehungsweise Russlandbezug.
    Diese Nachricht wurde am 02.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.