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Düsseldorfer Rosenmontagszug abgesagt Eine Entscheidung und ihre wirtschaftlichen Folgen

Während in Köln die Jecken beim Rosenmontagszug feiern, sind die Straßen in vielen anderen Karnevalshochburgen leer – die Züge sind aufgrund von Sturmwarnungen abgesagt worden. Viele Händler in den Innenstädten schließen ihre Geschäfte an Rosenmontag ohnehin, aber was ist mit den Kneipen und Bierständen, was mit den Menschen, die seit Monaten auf diesen einen Tag im Jahr hinarbeiten?

Von Vivien Leue | 08.02.2016

Man sieht den Düsseldorfer Rathausplatz, darauf stehen zahlreiche Trecker und Motivwagen des ausgefallenen Rosenmontagsumzuges.
Die Motivwagen des Düsseldorfer Rosenmontagszuges waren vor dem Rathaus anzusehen. (picture-alliance / dpa / Federico Gambarini)
Um kurz nach halb neun heute Morgen war auch in Düsseldorf die Gewissheit da: Der Rosenmontagszug fällt aus. Vorher hatte schon die Karnevalshochburg Mainz den Zug abgesagt, außerdem Münster und mehrere Städte im Ruhrgebiet. Leicht gefallen war die Entscheidung Niemandem, erklärt der Organisationschef des Düsseldorfer Carnevals Comitees Sven Gehrling:
"Schon im Vorfeld die Diskussionen über mögliche andere Gefahren-Szenarien, die wir hatten, haben es ja an sich nicht einfach gemacht, dass wir es jetzt mit dem Wetter zu kämpfen haben, einem völlig natürlichen Phänomen, das wir auch nicht durch so viele Polizeikräfte bekämpfen können, das ist schon sehr sehr traurig."
Züge werden teilweise nachgeholt
Immerhin steckt im Rosenmontagszug - in den Kostümen und aufwändig gebauten Mottowagen - bis zu ein Jahr Arbeit - und viel Geld. Die Kostüme müssen genäht, die Stoffe gekauft werden, für eine Fußgruppe beim Rosenmontagszug kommen da schnell ein paar Tausend Euro zusammen. Die großen Festwagen kosten ein Vielfaches, außerdem leihen Landwirte ihre Traktoren als Zugmaschine. Und dann das Wurfmaterial: Kamelle, Süßigkeiten, Werbegeschenke. Damit das alles nicht umsonst organisiert wurde, sollen in vielen Städten die Züge nachgeholt werden, erklärt auch der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel:
"Es gibt ja dieses Institut des Mitfastens, drittes Wochenende der Fastenzeit, da darf man es wohl auch nach dem Katechismus ein bisschen krachen lassen, das wäre vielleicht ein denkbarer Zeitpunkt."
Die Strüßche, also die Blumen, die in die feiernde Menge geworfen werden, sind dann wohl schon welk, aber wenigsten die Kamelle dürften noch gut sein. Die Düsseldorfer sind immerhin gegen die Zugabsage versichert. Laut dem Carnevals Comitee könnten zum Beispiel Löhne von dem seit Wochen gebuchten Ordnungspersonal eingefordert werden. Bleibt die Frage, wie die Sponsoren darauf reagieren, wenn ihr Banner auf der Haupttribüne nicht im Fernsehen erscheint – weil es eben keinen Zug und damit auch keine Fernsehübertragung gibt. Die bringt übrigens auch Geld ein, nur wieviel, darüber schweigt sich der Westdeutsche Rundfunk seit Jahren aus.
Viele bleiben auf den Kosten sitzen
Kleinere Züge, wie der im benachbarten Essen, sind gegen die Zugabsage nicht versichert - die Prämie ist zu hoch. Sie bleiben auf vielen Kosten sitzen, zum Beispiel für die Anlieferung der Absperrgitter und andere Sicherheitsmaßnahmen. Außerdem haben die Standbetreiber entlang der Zugstrecke schon eine Gebühr bezahlt - und wollen diese bestimmt zurück.
Die Gastronomie kommt wahrscheinlich noch am besten weg – ob in Düsseldorf, Essen oder Münster: Die Kneipen erwarten heute trotz der Zugabsage volle Stuben. Vielleicht kommen die Jecken sogar etwas früher als sonst. Dieser Düsseldorfer Ladenbesitzer ist vorbereitet:
"Wir feiern genauso weiter. Genauso wie sonst. Bierchen trinken, die sind schon am Suppe kochen, Brote schmieren. Viele Kameraden, Schützenkameraden, Freunde, Bekannte, Kunden."
Und auch die Karnevalisten lassen sich die Feierstimmung nicht nehmen:
"Ach wir machen das Beste draus. Wir gehen gleich zum Marktplatz, wir schauen mal, wir lassen uns das doch nicht verderben."
In der Karnevalshochburg Köln findet der Zug in abgespeckter Version statt – ohne Pferde, Fahnen und Trageschilder. Aber: Die Domstadt ist etwas besser vor dem Wind geschützt als zum Beispiel Düsseldorf. Außerdem sind die Wagen anders konstruiert – sie trotzen auch stärkeren Stürmen etwas besser, heißt es.