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Dumpingpreise und Intransparenz

Der Energieversorger Care Energy bietet Ökostrom zum Tiefstpreis an und gerät damit zusehends in die Kritik. Angeblich können die Preise die Kosten für die Produktion gar nicht decken. Verbraucherzentralen warnen außerdem vor undurchsichtigen und komplexen Verträgen des Unternehmens.

Von Axel Schröder | 16.05.2013

Es sollte ein Befreiungsschlag werden. Alle Vorwürfe gegen das Energieunternehmen Care Energy sollten ausgeräumt werden. Eingeladen hatte das Unternehmen ins feine Hyatt-Hotel in der Hamburger Innenstadt. Dort wurde dann aber keine klassische Pressekonferenz veranstaltet, sondern eine Plauderstunde zwischen dem Journalisten Frank Farenski und dem Chef von Care Energy, Martin Kristek. Farenski taucht auch in den Werbefilmen der Firma als zahmer Stichwortgeber auf. Er macht vor allem die Medien für das schlechte Image von Care Energy verantwortlich:

"Wir sitzen jetzt auch zusammen, weil wir auch beide in unserer Arbeit getrennt den Eindruck haben, dass dieser publizistische Gegenwind gegen alle Akteure der Energiewende so unglaublich stark ist. Und das finde ich irgendwie sehr, sehr, sehr beunruhigend zu dieser ganzen Geschichte."

Beunruhigt ist auch der Care-Energy-Chef Kristek, vor allem aber versteht er die Vorwürfe gegen seine Firma nicht. Die hat nach eigenen Angaben innerhalb von anderthalb Jahren 250.000 Kunden gewinnen können und sie liefert extrem günstigen Ökostrom. Der kostet 19 Cent pro Kilowattstunde, etwa sechs bis zehn Cent weniger als bei der Konkurrenz.

Diese Dumpingpreise für Öko-Strom, das rechneten Energieexperten dem Autor eines Frontal-21-Beitrags im ZDF vor, diese Preise können die tatsächlichen Kosten für eine Kilowattstunde Strom gar nicht decken. Zudem, so berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf die Bundesnetzagentur, verweigere Care Energy einen Teil der Zahlung der EEG-Umlage, der Umlage für Ökostrom. Deshalb hat die Agentur ein Anhörungsverfahren eingeleitet und rügt die angeblich "innovative Rechtsauslegung" der Firma.

"Was könnten die denn meinen, wenn sie sagen, sie machen eine eigenwillige Rechtsauslegung? Ich habe keine Ahnung. Ich mache eine Rechtsauslegung, wie ich sie für richtig empfinde und wie ich das Gesetz auch interpretiere und wie es auch die anderen Kollegen machen."

Und Kristek gibt zu: Es gibt noch Forderungen von 2,7 Millionen Euro gegen seine in fünf Einzelgesellschaften aufgesplittete Firma. Aber bisher seien die Rechnungen dazu fehlerhaft. Er warte auf korrigierte Fassungen. Zudem ist die Firma noch mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Jahresabschlussbericht in Verzug. Care Energy sei eben eine junge Firma, da kann das mal passieren, so Kristek. Allen Beschwichtigungen zum Trotz mahnen die Verbraucherzentralen zur Vorsicht beim Wechsel des Stromversorgers. Dr. Günther Hörmann von der Hamburger Verbraucherzentrale hat die Verträge zwischen Care Energy und seinen Kunden untersucht und ist erstaunt über die Komplexität und Zweideutigkeit der Vertragstexte:

"Es ist nicht so ganz klar, wie dann die einzelne Abwicklung des Vertrages läuft und der Verbraucherzentrale Bundesverband hat auch in den Vertragsklauseln unbestimmte und intransparente Regelungen vorgefunden und das Unternehmen deswegen abgemahnt. Insbesondere auch die weitgehende Vollmacht, die der Verbraucher dem Unternehmen geben muss."

Im Gegensatz dazu war der Care-Energy-Chef bei seiner moderierten Pressekonferenz um größtmögliche Transparenz bemüht. Zweieinhalb Stunden nahm er sich Zeit und erklärte das Geschäftsmodell in aller Ausführlichkeit. Warum seine Firma so viel billiger Ökostrom anbieten kann? Er ist ein bescheidener Mensch und will keinen großen Gewinn machen, sagt Kristek. Und was sagt er zum zentralen Vorwurf? Dazu, dass die Care Energy die EEG-Umlage nicht vollständig zahlt? Welche Summen hat die Firma dafür abgeführt?

"Keine Ahnung. Ganz ehrlich gesagt, ich bin über die Zahlungen im Haus nicht informiert. Da gibt es eine Zentralbuchhalterin mit ihrem schlauen Apparat. Das sind am Tag mehrere Tausend Buchungen."

Und deshalb gab es dazu keine Zahlen, nicht mal eine Schätzung. Die kommenden Wochen werden spannend für Care Energy. Die Bundesnetzagentur beobachtet den Markt nach den Insolvenzen der Billigstromanbieter Teldafax und Flexstrom sehr genau.