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Durch das wilde Usbekistan

Echten Marathonläufern werden die vielen Stadtläufe auf Asphalt nach einer Weile zu langweilig. Sie suchen das Abenteuer auf entlegenen Strecken. Die Einen laufen einen Marathon am Nordpol, die anderen um den Mount Everest herum. Und einige laufen auch den Seidenstraßenmarathon durch das wilde Usbekistan.

Von Franz Michael Rohm | 12.07.2009

"Diese Strecke, bergauf, das zog sich so... das war... ich musste doch etwas gehen. Runter ging es."

"Eine sehr schöne Strecke. Die ersten zehn Kilometer waren die schwersten."

"Ich habe schon Marathon-Läufe in der halben Welt gemacht, und solche, die sehr wenige mitgemacht haben, so zum Beispiel den Nordpol-Marathon. Bin auf dem Mount-Everest-Marathon dabei gewesen, Antarktik-Marathon, in einer Mine, 700 Meter unter der Erde. Besondere Marathone reizen mich besonders."

"Ich möchte euch alle herzlich begrüßen, in Usbekistan, in Taschkent. Ich freue mich, dass wir diese Gruppe zusammenbekommen haben."

"Jeder von den Langstreckenläufern ist ein bisschen verrückt. Jeder auf seine Weise. Mein Spleen ist eben Länder zu sammeln und in möglichst vielen Ländern der Erde zu laufen und laufend die Welt zu erleben, und laufend die Welt zu bereisen. Das bereichert mein Leben."

Fremdenführerin: "Was die Fläche angeht, erstreckt sich Usbekistan auf 447.000 Quadratkilometer. Hauptstadt ist Taschkent, wörtlich übersetzt "Lehmstadt". Was insgesamt die Republik Usbekistan betrifft, so leben hier heute 23 Millionen Einwohner. Meistens sind es Usbeken, es leben auch Russen, Karapalpaken, Turkmenen, Kirgisen, die Tataren, die Juden hier, und es gibt sogar einen kleinen Teil russische Deutsche. Das Klima ist stark kontinental, im Winter ist bis minus 20 Grad, diesmal war Minus 30 Grad, sogar in der Wüste minus 35. Im Sommer bis plus 40 Grad im Schatten."

"Ich bin den ersten Marathon in Berlin 1988 gelaufen, und habe quasi dieses Jahr Jubiläum. Seither kann ich fast nicht mehr zählen. So viele Marathons. Ich bin einmal 100 Marathons fast hintereinander in 64 Tagen gelaufen. Von Lissabon bis Moskau. Quer durch Europa. Die Seidenstraße, dieses kulturelle, das muss man kennen lernen, mit eigenen Füßen betreten, den Staub riechen, Land und Leute kennen lernen, obwohl ich schon auf der Chinesischen Mauer gelaufen bin, den Marathon, um den Fujijama. Aber das ist doch hier ganz was anderes."

Fremdenführer "Man sagt: Samarkand ist die schönste Stadt in unserer Erde. Wir befinden uns im Komplex Registan, die aus drei Medresen besteht. In der Ulugh'bek Medrese konnte man nicht nur Theologie studieren, sondern auch Mathematik und Astronomie. In der Mitte der Medrese waren Sonnenuhren und verschiedenen astronomische Geräte für die Studenten. Insgesamt 100 Studenten war diese Medrese, insgesamt 50 Wohnzellen.
Erste Medrese ist die Medrese Ulug'bek, die im Jahr 1417-1423 errichtet wurde. Von Herrscher der Timuriden, Ulugh'bek. Zweite Medrese ist von Herrscher Scher Dor, heißt Medrese mit Löwen. ... Diese Medrese würde 1716-1734 errichtet. Und die dritte Medrese ist die Tilla Kori. Heißt goldgeschmückte Medrese. Im Inneren können sie eine Moschee von dieser Medrese sehen. Registan heißt Sandplatz. Warum Sandplatz? Dieser Platz wurde als Marktplatz gebraucht. Weil diesen Markt besuchen Händler mit Kamelen, Pferden, Eseln. Die verschmutzen den Platz sehr oft, deswegen mit Sand kann man sehr gut sauber machen. Bisschen später dieses Territorium wurde kultureller Bau. Weil die drei Medresen errichtet wurden."

"Ich bin inzwischen 70 Jahre alt, fühle mich aber wie in den 60er oder 50ern, komme aus Oldenburg und bin Unternehmer. Am Wochenende habe ich frei, dann laufe ich meinen Marathon. Ich bin Mitglied beim 100-Marathon-Club und bin 2. Vorsitzender, und unser Ehrgeiz ist, möglichst jedes Wochenende einen Marathon zu machen. Für mich ist jede Marathonreise besonders schön, wenn sie auch die Gewohnheiten und Sitten des Landes und der Kultur etwas zeigt. Das ist nicht sehr häufig der Fall, weil man oft in Landschaften läuft, wo wenig Menschen sind, aber hier in Usbekistan ist das eine Art Höhepunkt, denn so viel Kultur in so kurzer Zeit habe ich selten gesehen. Und Samarkand, ist auch eine Stadt, die ein Image hat, wovon jeder träumt, auch ohne zu wissen, wo sich diese Stadt befindet. "

Fremdenführer "Dann kamen die Mongolen. Dschingis Khan. Diesen Zeitraum bis 1370 kann man sagen, unsere schwarze Geschichte. Dreimal wurde die ganze Stadt vernichtet. Verbrannt, zerstört, die ganze Stadt Ruine geworden. Aber im Jahr 1370 kam Timur Lan, berühmter Amir Timur, und hat sein Volk befreit von den Mongolenreich. Er hat in Buchara und Samarkand sehr viele Gebäude errichtet. Er war sehr populär bei unserem Volk und ist heute unser Nationalheld. Meine Damen und Herren, wir befinden uns in der Moschee Bibi Hanum, die größte mittelasiatische Moschee, auch von Usbekistan. Diese Moschee ist größer als ein Hektar. 130 Meter lang, und 102 Meter breit. Die Moschee hat Bibi Hanum errichtet, 1. Frau von Amir Timur. Er war auf dem Weg nach Indien. Zum Bau wurden 700 Meister gebracht, damit sie mittelasiatische Kunst gut wusste. Sie können zwei riesige Portale sehen, die früher 80 Meter hoch waren. Zwei Haupteingangsportale, und an den zwei Seiten kleinere, damit die Architekten die Größe der Haupteingangstore zeigen. Hier innen war eine zweite Moschee, eine Wintermoschee. Hier könnten ca. 20.000 Muslime beten."

"Ich frage noch einmal, hat jeder sein medizinisches Zertifikat mit. Direkt am Eingang, mit den beiden Flaggen, dort ist Start und Ziel. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll, das haben wir alle gesehen. Wir haben ausgerechnet, von der Mathematik sind es 4,6 - 4,8 Prozent, da sind aber Strecken dazwischen, die sind doppelt so steil. Wir haben eine Höhendifferenz von 963 Meter zur höchsten 1735 Wendemarke bei 1520 Meter.
Ich möchte an dieser Stelle noch mal appellieren, dass es nicht darum geht, Bestzeiten zu laufen. Die Strecke lässt das nicht zu. Hier geht es darum, diesen sehr anspruchsvollen Kurs durchzulaufen und im Ziel - wenn's geht lächelnd - anzukommen."

"Alle freuen sich, dass es jetzt losgeht. Es ist natürlich zu befürchten, dass es sehr heiß ist."

"Ich fühle mich heute ausgesprochen wohl. Ich freue mich auf die Berge, auf die Landschaft. Und fühl mich sehr gut. Ich könnte mir vorstellen, dass ich den Marathon in knapp 5 Stunden laufe. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll."

"Gut gefrühstückt, gut, dass ich meine Riegel mitgebracht habe. Die sind ja hier nicht so vorbereitet, mit Wurst und Spiegelei. Das ist nichts für Marathonis. Trinken ist ja wichtig, ist heute heiß, der Wind kommt aus allen Richtungen."

"Diese Strecke, bergauf, das zog sich so, das war, ich musste doch etwas gehen. Runter ging es."

"Eine sehr schöne Strecke. Die ersten zehn Kilometer waren die schwersten. Da dachte ich mir, die sind zum angewöhnen, die zweiten zehn sind zum akklimatisieren, und dann nur ab. Ja typisch Männer, ich weiß gar nicht wo die sind. Alle überholt. Die kommen aber, der Walter kommt, der hat vielleicht Muskelprobleme, der Jürgen auch. Na, meinst du ich will Letzte sein? Ich ging ab, das ging wie die Feuerwehr."

"Es war ein wunderschöner Lauf. Wir waren zwar nicht so viele Läufer, aber es war eben doch eine sehr interessante Strecke."

"Unsere Reise geht dem Ende entgegen. Ich denke, die Reise unter dem Strich gesehen, ist ein großer Erfolg geworden. Ich wünsche Euch für zu hause das allerbeste. Und natürlich das Ihr von dieser Reise viel Gutes erzählt. Damit im nächstes Jahr nicht 20 Mann, sondern vielleicht 40 zum Seidenstraßen-Marathon kommen."

"Es war eine sehr schöne Reise, eine meiner schönsten. Für mich ist eine schöne Reise, die dann nicht nur den Marathon beinhalten, Kulturprogramm und Drumherum. Der Marathon war eingeflochten in sehr schöne Erlebnisse. Am meisten beeindruckt hat mich in Samarkand, die drei Moscheen die zusammen standen, und die Schulen sind für Moslems."

"Am meisten hat mich beeindruckt die Landschaft, das Volk, die Kultur. Und natürlich auch der Marathon. Ich bin ja als einzige Frau gestartet und durchgekommen. Ich bin mit meiner Zeit 5.06 zufrieden."

"Wir haben eine schöne Reise gehabt, viel gesehen, viel erlebt. Wir haben ein exotisches Land kennengelernt mit seiner Kultur und seinen Menschen."