Moskau
Durchsuchung bei unabhängiger russischer Zeitung "Nowaja Gaseta"

In Moskau sind die Büros der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" durchsucht worden. Nach Angaben des Medienhauses drangen maskierte Einsatzkräfte in das Gebäude ein, ohne einen Grund für ihr Vorgehen zu nennen. Zudem sei den Anwälten der Zeitung der Zutritt zum Gebäude verweigert worden.

    Eine lettische Printausgabe der "Nowaja Gaseta. Europa" steckt in einem Zeitungsstand.
    Viele unabhängige russische Medien wie die europäische Version der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" operieren inzwischen von Lettland aus. (picture alliance / dpa / Alexander Welscher)
    Laut der staatlichen Nachrichtenagentur RIA begründeten die Strafverfolgungsbehörden ⁠die Durchsuchung mit Ermittlungen zu illegaler ⁠Nutzung personenbezogener Daten. Genauere Erläuterungen lagen zunächst nicht vor.

    Seit Jahren unter Druck

    Die "Nowaja Gaseta" ⁠gehört zu den bekanntesten ‌investigativen Medien Russlands. Nachdem ihr 2022 die Lizenz entzogen worden war, stellte sie ihr Druckerzeugnis in Russland ein und verlegte einen wesentlichen Teil ihres redaktionellen Geschäfts nach Lettland. Dort gründeten ins Ausland abgewanderte Mitarbeiter das Projekt "Nowaja Gaseta Europa", das in Zusammenarbeit mit einem lettischen Verlag erscheint. Hintergrund ist eine Verschärfung der russischen Zensurgesetze nach Beginn der Invasion in der Ukraine, mit dem der Druck auf unabhängige Medien erhöht wurde. In der Folge wurde der Angriffskrieg von Lettland aus publizistisch scharf kritisiert.
    2021 war der damalige Chefredakteur Dmitri Muratow mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Zwei Jahre später stuften ihn die russischen Behörden als sogenannten "ausländischen Agenten" ein.
    Diese Nachricht wurde am 09.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.