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E-Books animieren Amerikaner zum Lesen

Acht Prozent der Amerikaner besitzen laut einer Studie ein E-Book. Tendenz steigend. In den USA gibt es viele Buchtitel für elektronische Lesegeräte günstiger als in herkömmlicher Buchform. Buchläden ohne digitale Bücher werden trotzdem eröffnet.

Von Bettina Klein | 07.10.2010

Da liegen sie alle nebeneinander, in der Elektronikmarktkette Best Buy - das iPad und das Sony, das Kindle von Amazon und das Nook von Barnes & Noble. Fünf bis zehn Geräte pro Tag werden in dieser Filiale verkauft. Adrienne kennt alle Vor- und Nachteile. Sie studiert Jura und möchte Anwältin werden. Das Geld dafür verdient sie hier als Verkäuferin. Sie ist begeistert, obwohl sie die echten Bücher vermisst.

"Hunderte Romane auf einmal in der Hand zu haben, die in die Tasche passen oder ins Auto, sich nicht mehr mit Textmarkern abzumühen."

Acht Prozent der Amerikaner besitzen laut einer jüngsten Studie eines dieser Geräte, weitere zehn Prozent geben an, sich demnächst eins kaufen zu wollen. Marktführer ist das iPad. Im zweiten Quartal dieses Jahres wurden 3,3 Millionen ausgeliefert. Alle anderen eReader kommen zusammen auf 2,4 Millionen. Insgesamt ist eine große Offenheit spürbar. Und zwar gerade bei jenen, die ohnehin viel lesen und sich vor allem aus praktischen Gründen einen eReader oder ein iPad zu legen.

"Viele Studenten kaufen sich so ihre Bücher. Ich hab eins auf meinem iPad, ich hab die Hälfte des normalen Preises bezahlt und muss kein schweres Buch mit mir herumschleppen."

In Verbindung mit dem kleinen Spielzeug wird mancherorts wieder mehr über Bücher gesprochen. Es gibt etwas Neues zu lernen. Wie kann ich so etwas herunterladen, und wie stelle ich die Helligkeit richtig ein? Bei der Liebe der Amerikaner zu technischen Neuerungen - kein Wunder. Bücher, so scheint es, sind auf einer anderen Ebene noch einmal neu Thema geworden.

Die größte Buchkette des Landes, Barnes & Noble, mit fast 800 Filialen in den ganzen USA, hat den Markt erkannt und Ende vergangenen Jahres einen eigenen eReader herausgebracht das Nook. Mit einem bescheidenen, aber steigenden Anteil. Die Kette setzt ganz bewusst nicht auf die Konkurrenz von eBook und richtigem Buch, sondern darauf, dass sich beides ergänzt. Die Käufer sollen das Nook mit in den Laden mitbringen. Es erkennt, wo man sich befindet und zeigt entsprechende Sonderangebote. Barnes & Noble bietet Kurse an, in denen sich Leser im Umgang mit dem Gerät schulen lassen können. Fay ist in ihren 70ern und gibt sich völlig routiniert.
"Mir geht der Platz für Bücher zu Hause aus. Und die Klassiker, die ich gern noch mal lesen möchte, die gibt es hier umsonst."

Das Nook der Kette Barnes & Noble bietet 1,2 Millionen Titel, 500.000 davon sind kostenlos. Im Angebot unter anderen die eigenen Top Einhundert wie die Bestsellerliste der "New York Times". Viele der Kostenpflichtigen sind günstiger als im Geschäft.

E-Book-Besitzer kaufen laut Umfragen mehr Bücher und lesen mehr. Die Erklärung dafür könnte nach Ansicht von Branchenexperten aber sein, dass die Geräte im Moment einfach vor allem von jenen gekauft werden, die sowieso viel lesen.

Oh ja, es gibt sie noch - Buchläden in den Vereinigten Staaten. Wunderbare Plätze, wahre Oasen im Großstadtgewühl wie jene der kleinen Kette booksandbooks. In aller Ruhe dort sitzen, ungestört. Vivianne Evans ist Managerin des Ladens.

"Wir haben uns sehr darum bemüht, diese Atmosphäre zu schaffen."

Kleine Räume, mit hohen schwarzen Regalen, sehr bewusst ausgesuchter Musik und schier unwiderstehlich dargebotener Auswahl. Sechs Läden gibt es mit diesem Namen. Gerade wurden zwei neue eröffnet. Eine Erfolgsgeschichte - und eine Seltenheit in den USA. Ein enges Verhältnis zu den Kunden wie Autoren. Aber zu klein, um einen eigenen eReader herauszubringen. Wie können solche unabhängigen Geschäfte in Zukunft überleben? Mitchell Kaplan der Gründer und Inhaber von booksandbooks sieht es gelassen.

""Es wird immer Bedarf geben an Orten, an denen Menschen zusammen kommen, um sich über Literatur und Ideen auszutauschen"."