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E-Mails in Gefahr

Telekommunikation. - Unerwünschte E-Mails mit Werbung für zweifelhafte Angebote verstopfen zunehmend die elektronischen Briefkästen weltweit. Studien zufolge sind inzwischen drei von vier E-Mails weltweit Werbemüll. Mit diesem globalen Problem befasst sich nun auch die Internationale Vereinigung für Telekommunikation ITU auf einer Konferenz in Genf, die am Mittwoch begonnen hat. Dort diskutieren Experten mögliche Gegenmaßnahmen gegen Spam.

07.07.2004

60 Milliarden Dollar Schaden habe Spam im vergangenen Jahr verursacht, sagte ITU-Generalsekretär Yoshio Utsumi in seiner Eröffnungsrede zum Spam-Kongress der Organisation in Genf. Einer der neuesten Tricks der Spammer ist das so genannte Phishing. Unter diesem Begriff, der ursprünglich aus der Hackersprache stammt, versteht man den Versuch, gutgläubige E-Mail-Empfänger mit falschen Versprechungen dazu zu bewegen, Passworte oder gar Kontoinformationen preiszugeben. Dazu werden Webseiten fingiert, die zum Beispiel der Homepage der eigenen Bank bis aufs Haar gleichen. Meldet man sich allerdings dort mit seinen Nutzerdaten an, geraten die Informationen in die Hände der Betrüger. Auch Mobiltelefone werden inzwischen zum Ziel von Spam-Attacken, allerdings bislang erst in besonders Handy-freundlichen Ländern wie Japan.

Der Kampf gegen den Spam wird derzeit unter anderem mit Filterprogrammen gefochten. Sie durchsuchen den Inhalt einer Mail mit verschiedenen Algorithmen nach typischen Merkmalen unerwünschter Post. Doch die Spammer halten dagegen, indem sie etwa die Schreibweise der häufig beworbenen Produkte - das Potenzmittel Viagra hält hier einen der Spitzenplätze - variieren und mit absichtlichen Rechtschreibfehlern versehen - statt "Viagra" wird also beispielsweise für den Kauf von "V|agra" geworben. Mit diesen und anderen Maßnahmen erschweren die Spammer das Filtern. Zudem gehen Spammer auch Allianzen mit Viren-Autoren ein und verwenden von Viren befallene Privatrechner als Mailversender.

Gesetze gegen Spam gibt es zwar, allerdings nicht flächendeckend und häufig sind sie auch zu lasch. Die Antispam-Gesetze in den USA etwa greifen nur sehr schlecht, die Vereinigten Staaten sind inzwischen der größte Versender von Werbemüll. Eine europäische Richtlinie gegen unerwünschte Mail wird in vielen Ländern der EU, darunter auch Deutschland, nur zögerlich umgesetzt.

[Quelle: Maximilian Schönherr]