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StartseiteUmwelt und VerbraucherOhne Zulassung kann's teuer werden17.07.2019

E-ScooterOhne Zulassung kann's teuer werden

In Deutschland rollen schon schätzungsweise eine viertel Million Elektro-Scooter über die Straßen - die meisten davon ohne Zulassung. Wer erwischt wird, muss mit einer Strafanzeige rechnen, denn sie gelten als Kraftfahrzeuge. Und bei Unfällen springt die Versicherung nicht ein.

Von Kai Rüsberg

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Ein Mann auf einem E-Scooter fährt über die Straße. (imago images / Future Image / C. Hardt)
Wer ohne Zulassung fährt, muss mit einem Bußgeld rechnen. (imago images / Future Image / C. Hardt)
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"Sobald man sich im öffentlichen Raum bewegt, muss man sich vor Augen halten, dass man mit einem nicht versicherten Fahrzeug unterwegs ist", sagt der Bochumer Fahrradhändler Michael Teupen. In Deutschland fahren bereits eine viertel Million mit Motor angetriebene Elektro-Scooter, schätzt der Verband. Die meisten davon ohne Zulassung. Die neue Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung macht eine Reihe von Vorgaben: Zunächst eine Haftpflichtversicherung, die ähnlich wie bei Mofas als Versicherungskennzeichen am Hinterrad sichtbar sein muss. Vorgeschrieben ist auch die Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern.

Ohne Zulassung droht eine Strafanzeige

"Die E-Scooter müssen zwei separate Bremsen haben, sie müssen Beleuchtung haben, nach den gleichen Normen geprüft sein wie die Pedelecs."

Wer mit einem nicht zugelassenen Kraftfahrzeug – und das sind diese Elektroroller - erwischt wird, muss mit einer Strafanzeige rechnen. Zudem drohen große finanzielle Risiken bei einem Unfall. Dann muss der Fahrer alle Kosten selbst tragen, private Haftpflichtversicherungen springen nicht ein. Bei Kindern müssen eventuell die Eltern haften. Elektrotretroller, die vor Inkrafttreten der Verordnung verkauft wurden, dürfen auch weiterhin nicht auf öffentlichen Wegen benutzt werden, sagt Johannes Boos vom ADAC, "die sind ja teilweise deutlich schneller, verfügen nicht über die vorgeschriebene Ausrüstung wie Klingel oder Licht. Da müsste der Hersteller nachrüsten und nachträglich eine Betriebserlaubnis für frühere Modellserien beantragen. Das ist eher unwahrscheinlich."

Außer der Betriebserlaubnis sollten Käufer auch auf die Sicherheit achten. Die kleinen, legalen Elektroroller kosten ab 500 Euro und sind etwa zehn bis zwölf Kilogramm leicht und transportabel. Diese Roller haben sehr kleine Räder, etwa so groß wie ein Handrücken. Das reicht für gut asphaltierte Straßen, kann aber gefährlich sein bei feuchtem Kopfsteinpflaster, Bordsteinkanten oder Spurrillen. Fachhändler Teupen hat Tipps für die Auswahl des richtigen Elektrorollers:

"Die Lenkstange sollte groß sein, sollte zur Körpergröße passen. Wenn der Akku vorn in der Lenkstange ist und der Fahrer relativ schwer, dann ist man natürlich vorderradlastig unterwegs. Wir finden auch Hartgummi-Reifen sehr unvorteilhaft. Auf ebenem Boden mag das gut funktionieren, wenn ich über Kopfsteinpflaster fahre oder bergab sogar, sehen wir das als Risiko an."

Roller mit größeren Reifen schwerer, aber sicherer

Roller mit großen Reifen sind dagegen meist deutlich schwerer mit 16 bis 20 Kilogramm. Beim Hersteller Metz hat man für das Modell Moover ein deutlich größeres Rad gewählt, das etwa so groß ist wie eine Hand mit gespreizten Fingern, erklärt Produktmanager Tobias Lorenz:

"Wir haben in der Entwicklung Tests durchgeführt.  Da haben wir festgestellt, dass alle Reifengrößen unter zwölf Zoll deutlich schlechter abschneiden bei der Sicherheit."

Konkurrent BMW setzt sogar auf noch größere Räder. Diese beiden Roller liegen aber preislich im vierstelligen Bereich bei 2.000 Euro und mehr. Die Bremsen und Fahrstabilität sind ein besonders wichtiges Kriterium, denn auch wenn der Motor bei 20 km/h automatisch abschaltet, können die Roller bergab auch deutlich schneller fahren. Dann wirken starke Kräfte auf das Fahrgestell, und es kann dann schnell ins Flattern geraten oder die Räder ins Rutschen kommen.

"Man kriegt schnell 30 Stundenkilometer drauf und wenn es hier so einen Berg runter geht, da kriegt man auch 50km/h drauf. Also, da muss man dann wirklich schon ein bisschen überlegen, wie man fährt. Da kommt das Gerät an seine Grenzen. Da muss man dann auch ein bisschen langsamer fahren."

Die Prüforganisation DEKRA hat in einem Vergleich mehrere Modelle unter die Lupe genommen. Dabei zeigten sich insbesondere bei den günstigen Modellen Schwächen bei der Reichweite und den Bremsen.

Ob es ein gekaufter oder ein geliehener Roller ist: Es gibt für Fahrer, die älter als 15 Jahre sind, weder eine Führerschein- noch eine Helmpflicht. Zahlreiche Verbände und Ärzte rufen aber dazu auf, trotzdem einen Helm zu tragen und vorher etwas zu üben. Das schadet dem Fahrspaß nicht.

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