Mittwoch, 13.11.2019
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteInformationen am MorgenChinas zurückhaltender Kampf in Afrika23.10.2014

EbolaChinas zurückhaltender Kampf in Afrika

China ist einer der größten Investoren in Westafrika, vor allem in Ländern wie Sierra Leone. Doch beim Kampf gegen Ebola hält sich die Volksrepublik zurück. Peking beteiligt sich zwar an Hilfsmaßnahmen, hat auch medizinisches Personal geschickt – aber im Vergleich mit anderen Ländern bleibt Chinas Hilfe eher bescheiden.

Von Ruth Kirchner

Chinesische Quarantäne-Arbeiter inspizieren ein Schiff aus Sierra Leone (dpa / picture alliance / Stringer)
China versucht die eigene Bevölkerung durch scharfe Kontrollen zu schützen, doch in Afrika selbst bleibt der Einsatz bescheiden. (dpa / picture alliance / Stringer)
Weiterführende Information

Ebola-Berichterstattung - "Die üblichen Klischees von Afrika"
(Deutschlandfunk, Interview, 23.10.2014)

Ebola-Impfstoff - Der Wettlauf gegen das Virus
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 22.10.2014)

Westafrika - Ebola ist längst auch unser Problem
(Deutschlandfunk, Kommentar, 22.10.2014)

Ebola-Symposium: - Wie gut ist Deutschland auf eine Ebola-Epidemie vorbereitet?
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 22.10.2014)

In den chinesischen Staatsmedien ist Ebola überall. Fast jeden Tag wird über die Epidemie in Westafrika berichtet – und wie China den Menschen hilft. Erst Anfang der Woche rief Premier Li Keqiang zu mehr internationaler Kooperation auf. Auch Außenamtssprecher Hong Lei hebt Chinas Engagement gerne hervor:

"Wir arbeiten mit den westafrikanischen Ländern zusammen, um diese schwierige Zeit zu meistern und um durch aktive Anstrengungen Ebola einzudämmen und letztlich zu besiegen."

China hat im September zunächst ein mobiles Labor nach Sierra Leone geschickt und seitdem Westafrika und der WHO 32 Millionen Dollar an Hilfsgeldern und Ausrüstung zugesagt. Weitere sechs Millionen gehen an das Welternährungsprogramm. Auch medizinisches Personal ist vor Ort – rund 200 Leute, vor allem aus chinesischen Militärkrankenhäusern und seit der SARS-Epidemie vor elf Jahren geschult im Umgang mit Seuchen.

Das Staatsfernsehen zeigt die chinesischen Helfer im Einsatz im Freundschaftskrankenhaus in Freetown in Sierra Leone. Das Krankenhaus wurde Anfang des Monats in ein Ebola-Diagnose-Zentrum umgewandelt.

China zeigt sich gerne als Partner Afrikas

"Wir haben Patienten in Einzelzimmern untergebracht, so dass wir Infektionen besser kontrollieren und Neuinfektionen verhindern können, berichtet der Chef des Teams im Fernsehen."

Aber es gibt auch Kritik. Denn im Vergleich mit westlichen Ländern sind Chinas Summen eher bescheiden - obwohl sich die Volksrepublik gerne als Freund und Partner Afrikas darstellt. China ist der größte Handelspartner des Kontinents und in Westafrika der größte Investor. Doch seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie haben viele chinesische Firmen ihre Arbeiter erst einmal abgezogen, viele Baustellen liegen still. Offiziell hat es keine Evakuierungen gegeben. Aber im August sprach das Handelsministerium noch von 20.000 Chinesen in den am schwersten betroffenen Ländern. Jetzt beziffert das Außenministerium die Zahl auf 10.000. Hilfe leisten die chinesischen Unternehmen offenbar kaum; die Spendenbereitschaft ist so gering, dass sich die UN genötigt sah, an Chinas Investoren und an die Superreichen zu appellieren:

"Ich frage, wo sind die chinesischen Milliardäre und ihr möglicher Einfluss? Jetzt könnten sie tatsächlich einen gewaltigen Unterschied machen, sagte Brett Rierson, China-Chef des Welternährungsprogramms der UN. Dieselbe Frage muss man den chinesischen Firmen stellen – sie sind die größten Investoren in Westafrika. Jetzt wäre es an der Zeit, dass sie massiven, lebensrettenden Einfluss nehmen."

In den USA hat allein die Stiftung von Micrsoft-Gründer Bill Gates 50 Millionen Dollar zugesagt. Doch der UN-Appell an Chinas Reiche verhallte bislang so gut wie ungehört. Der Botschafter Liberias berichtete diese Woche in Peking, er habe bislang eine Spende erhalten: 100.000 Dollar von einer Baufirma.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk