Fußball
Ehemaliger FIFA-Sprecher: "Infantino nutzt seine Macht ohne Scham aus"

In der Kontroverse um die Aufhebung der Sperre eines US-Nationalspielers bei der Fußball-WM hat FIFA-Chef Infantino eine Einflussnahme durch US-Präsident Trump dementiert. Der ehemalige FIFA-Sprecher Koch stellt dieses Dementi in Frage und kritisiert im Deutschlandfunk seinen einstigen Arbeitgeber.

    Alexander Koch blickt geradeaus in die Kamera
    Alexander Koch, ehemaliger FIFA-Sprecher (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
    Koch, der unter Infantinos Vorgänger Blatter als Sprecher des Welt-Fußballverbandes gearbeitet hat, sagte im Deutschlandfunk, er glaube, dass Trump seinen Einfluss ausgenutzt habe. FIFA-Präsident Infantino habe langsam sein Vertrauen verspielt und nutze ohne Scham seine Macht aus.

    Ehemaliger FIFA-Sprecher Koch: "Traue Infantino nicht"

    Auf dem Papier sei die Disziplinarkommission zwar unabhängig, sie stehe aber dennoch in einer Abhängigkeit von der FIFA-Führung. Infantino habe inoffiziell viel Macht, weil er zum Beispiel Einfluss darauf habe, wer in die Gremien des Weltfußballverbandes komme.
    Nach den jüngsten Vorgängen, habe er die Hoffnung, dass der Widerstand unter den 211 Mitgliedsverbänden der FIFA so groß werde, dass Infantino nicht noch einmal wiedergewählt wird, sagte Koch im Deutschlandfunk-Interview. Bei der Wahl eines neuen FIFA-Präsidenten, müsse ein Gegenkandidat wieder viel mehr für die Glaubwürdigkeit des Sports einstehen, die Infantino gerade in seinen Grundfesten erschüttert habe.

    Telefonat mit Trump und ein Statement von Infantino

    Infantino erklärte in einer Stellungnahme, Trump habe ihn in der Angelegenheit zwar angerufen. Er habe dem US-Präsidenten in dem Gespräch aber deutlich gemacht, dass die Disziplinarkommission der FIFA unabhängig sei. Trump dagegen hatte mitgeteilt, er habe FIFA-Chef Infantino um eine Überprüfung gebeten und das Komitee habe daraufhin die richtige Entscheidung getroffen.
    Die Disziplinarkommission hatte die im Sechzehntelfinale verhängte rote Karte gegen den US-Stürmer Folarin Balogun zur Bewährung ausgesetzt, sodass dieser beim Achtelfinale gegen Belgien antreten durfte.
    Der europäische Fußballverband UEFA sprach von einer roten Linie, die überschritten worden sei. DFB-Präsident Neuendorf forderte die FIFA auf, den Eindruck einer politischen Einflussnahme auf den Sport auszuräumen.
    Diese Nachricht wurde am 07.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.