Gestern nachmittag um Zwei, Beginn der Spätschicht im Electroluxwerk in Solaro bei Mailand.
Die Fabrik in Nürnberg, ja von der hätten sie gehört, sagen die Arbeiter, die sich 20 Minuten vor Schichtbeginn in der Bar gegenüber treffen. Geschlossen wird das Werk, hätten sie gehört, damit die neue Fabrik in Polen aufmachen kann.
Die einen trinken einen schnellen Kaffee vor der Arbeit, die anderen einen Grappa oder Sambuca, um den Wochenanfang besser zu überstehen:
Es heißt, sie würden Nürnberg schließen, sagt diese Frau, damit unser Werk hier in Solaro offen bleiben kann.
Entweder sie machen die eine Fabrik zu oder die andere; und weil die Kosten in Deutschland höher sind, hat es Nürnberg getroffen.
Und weiter: ich sage es nicht gern, aber da ist es doch besser, wenn unsere Fabrik überlebt. -
Doch die Kollegen fallen ihr ins Wort; am besten, ganz klar, wenn es Arbeit für alle gebe:
Die sollen auch da Arbeit haben, sagt ein Mann, ich hoffe sie machen Nürnberg nicht zu, schließlich sind wir doch alle Arbeiter, insofern sind wir natürlich solidarisch. Aber andererseits: was sollen wir machen?
Wenn jemand was tun könnte! Jemand weiter oben müsste sich darum kümmern, wir arbeiten halt und damit fertig.
1984 schon hatte Electrolux die italienische Marke Zanussi und damit die Fabrik in Solaro übernommen; 10 Jahre später wurde dann die Produktion umgestellt und seitdem werden in dem Werk vor allem Geschirrspüler für unterschiedlichen Marken des Konzerns hergestellt; Zanussi, Rex, Zoppas und auch AEG.
Nicht zuletzt, sagt sie, ist es auch ein Vertrauensbeweis in uns, dass sie uns jetzt die guten Marke herstellen lassen, und die einfacheren Geräte kommen dann aus Polen
In Italien, selbst in der hoch industrialisierten Lombardei, ist die Arbeit noch immer deutlich billiger als in Deutschland; der Stundenlohn bewegt sich um die 7 Euro, kaum einer der rund 1300 Electroluxarbeiter hier kommt am Monatsende mit mehr als 1500 Euro nach Hause.
Es gibt zwar mehr Geld als in Polen, sagen sie, aber zum Leben reicht es nur knapp; wenn Kinder da sind, muss die Frau auch arbeiten gehen.
Aber auch die Fabrik in Solaro ist nicht der modernste und produktivste Betrieb im Konzern; das Fabrikgebäude aus den 50er Jahren wurde zwar vor 10 Jahren modernisiert; aber es ist eben doch nicht zu verglichen mit einem neu aus dem Boden gestampften Werk in Osteuropa.
Das ist natürlich auch den Arbeitern klar: Ganz Europa muss sich Sorgen machen, sagt er, der ganze Westen; die Arbeit ist im Osten viel billiger, wir alle sitzen im gleichen Boot: Italien, Deutschland, England; wir haben Grund zur Sorge.
Standortvorteil für Italien bleibt aus Sicht der Arbeiter einstweilen vor allem, dass die italienischen Gesetze den Konzern zu erheblichen Abfindungen zwingen, wenn er ein Fabrik ohne Not dicht macht; insofern hofft man, dass die Fabrik hier noch ein paar Jahre überlebt - und schliesslich gebe es ja ein italienisches Sprichwort:
Lass das Schiff fahren, solange es nicht untergeht. - Irgendwie wird das Leben schon weitergehen.
Die Fabrik in Nürnberg, ja von der hätten sie gehört, sagen die Arbeiter, die sich 20 Minuten vor Schichtbeginn in der Bar gegenüber treffen. Geschlossen wird das Werk, hätten sie gehört, damit die neue Fabrik in Polen aufmachen kann.
Die einen trinken einen schnellen Kaffee vor der Arbeit, die anderen einen Grappa oder Sambuca, um den Wochenanfang besser zu überstehen:
Es heißt, sie würden Nürnberg schließen, sagt diese Frau, damit unser Werk hier in Solaro offen bleiben kann.
Entweder sie machen die eine Fabrik zu oder die andere; und weil die Kosten in Deutschland höher sind, hat es Nürnberg getroffen.
Und weiter: ich sage es nicht gern, aber da ist es doch besser, wenn unsere Fabrik überlebt. -
Doch die Kollegen fallen ihr ins Wort; am besten, ganz klar, wenn es Arbeit für alle gebe:
Die sollen auch da Arbeit haben, sagt ein Mann, ich hoffe sie machen Nürnberg nicht zu, schließlich sind wir doch alle Arbeiter, insofern sind wir natürlich solidarisch. Aber andererseits: was sollen wir machen?
Wenn jemand was tun könnte! Jemand weiter oben müsste sich darum kümmern, wir arbeiten halt und damit fertig.
1984 schon hatte Electrolux die italienische Marke Zanussi und damit die Fabrik in Solaro übernommen; 10 Jahre später wurde dann die Produktion umgestellt und seitdem werden in dem Werk vor allem Geschirrspüler für unterschiedlichen Marken des Konzerns hergestellt; Zanussi, Rex, Zoppas und auch AEG.
Nicht zuletzt, sagt sie, ist es auch ein Vertrauensbeweis in uns, dass sie uns jetzt die guten Marke herstellen lassen, und die einfacheren Geräte kommen dann aus Polen
In Italien, selbst in der hoch industrialisierten Lombardei, ist die Arbeit noch immer deutlich billiger als in Deutschland; der Stundenlohn bewegt sich um die 7 Euro, kaum einer der rund 1300 Electroluxarbeiter hier kommt am Monatsende mit mehr als 1500 Euro nach Hause.
Es gibt zwar mehr Geld als in Polen, sagen sie, aber zum Leben reicht es nur knapp; wenn Kinder da sind, muss die Frau auch arbeiten gehen.
Aber auch die Fabrik in Solaro ist nicht der modernste und produktivste Betrieb im Konzern; das Fabrikgebäude aus den 50er Jahren wurde zwar vor 10 Jahren modernisiert; aber es ist eben doch nicht zu verglichen mit einem neu aus dem Boden gestampften Werk in Osteuropa.
Das ist natürlich auch den Arbeitern klar: Ganz Europa muss sich Sorgen machen, sagt er, der ganze Westen; die Arbeit ist im Osten viel billiger, wir alle sitzen im gleichen Boot: Italien, Deutschland, England; wir haben Grund zur Sorge.
Standortvorteil für Italien bleibt aus Sicht der Arbeiter einstweilen vor allem, dass die italienischen Gesetze den Konzern zu erheblichen Abfindungen zwingen, wenn er ein Fabrik ohne Not dicht macht; insofern hofft man, dass die Fabrik hier noch ein paar Jahre überlebt - und schliesslich gebe es ja ein italienisches Sprichwort:
Lass das Schiff fahren, solange es nicht untergeht. - Irgendwie wird das Leben schon weitergehen.