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StartseiteKalenderblattEin Abkommen gegen den Atomkrieg05.08.2013

Ein Abkommen gegen den Atomkrieg

Vor 50 Jahren wurde in Moskau der Vertrag über die Einstellung der Kernwaffenversuche unterzeichnet

Anfang der sechziger Jahre schien die Welt vor einer nuklearen Katastrophe zu stehen. Die Kuba-Krise von 1962 markierte den Höhepunkt des Kalten Krieges. Doch die Supermächte besonnen sich - und unterzeichneten ein Jahr später das Atomteststopp-Abkommen.

Von Frank Grotelüschen

Ein Atompilz steigt nach der Explosion einer Atombombe über dem Testgelände in der Wüste von Nevada auf. (Undatiert). (picture alliance / dpa /dpa-NASA)
Ein Atompilz steigt nach der Explosion einer Atombombe über dem Testgelände in der Wüste von Nevada auf. (Undatiert). (picture alliance / dpa /dpa-NASA)

"Ich stehe vor der City Hall von Las Vegas. Es ist 1:20 Uhr nachts."

Frühjahr 1953. Robert Jungk, damals Korrespondent in Los Angeles, ist nach Nevada gereist.

"Davor steht eine dunkle Masse von Menschen. Meine Kollegen sind alle sehr, sehr warm eingepackt."

Auf einem Testgelände nördlich von Las Vegas plant das Militär einen Atomtest. Auch die Vertreter der Presse sind eingeladen.

"Man hat ihnen so viele Fragebogen vorgelegt, in denen sie ausdrücklich jede Verantwortung für eventuelle Schädigungen, die ihnen aus der Teilnahme an dem Atomtest entstehen könnten, auf sich nehmen."

Heller als tausend Sonnen. In diese Worte fasste Jungk seinen Eindruck von der Explosion. Begonnen hatte das atomare Zeitalter am 16. Juli 1945, als die USA die erste Atombombe testeten, Codename Trinity. Drei Wochen später fielen die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki. 1952 entwickelten die Vereinigten Staaten eine noch gewaltigere Waffe, die Wasserstoffbombe. Andere zogen nach: die Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich. Ein nukleares Wettrüsten setzte ein, und um die Superwaffe weiterzuentwickeln, zündeten die Atommächte eine Testbombe nach der anderen, viele davon oberirdisch – rund 600 bis Anfang der 60er Jahre. Bei jedem Test verteilte sich eine radioaktive Wolke in der Atmosphäre. Die Folge: 1961 hatte sich die Konzentration radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre verdoppelt. Experten wie Boris Rajewsky, damals Vorsitzender des Sonderausschusses für Radioaktivität, schlugen Alarm.

"Falls alles so weiterginge wie damals, wäre innerhalb von zehn, zwölf Jahren die gefährliche Grenze erreicht. Und damit wäre die ständige Gefährdung der Menschen auf der ganzen Erde erreicht!"

Das sahen schließlich auch die Supermächte ein. Trotz des Kalten Krieges fingen sie an, über ein Teststopp-Abkommen zu verhandeln. Zunächst war ein umfassendes Moratorium im Gespräch, es sollte auch unterirdische Versuche einschließen. Doch bald gerieten die Verhandlungen ins Stocken. Die Westmächte forderten regelmäßige Inspektionen in allen Atomstaaten. Nur so ließe sich prüfen, ob ein Land wirklich auf unterirdische Tests verzichtet. Die Sowjetunion aber wollte von solchen Inspektionen nichts wissen, sie wollte den Westmächten keinen Zugang zu ihren Atomanlagen gestatten. Das Abkommen drohte zu scheitern. Schließlich kamen die Parteien auf einen Vorschlag zurück, für den sich US-Präsident Dwight Eisenhower schon zu Beginn der Verhandlungen ausgesprochen hatte.

"Können wir nicht einen Anfang machen bei den oberirdischen Tests? Damit würden wir die Kontamination der Luft beenden. Und es wäre ziemlich einfach, Verstöße gegen dieses Abkommen zu überwachen. Man bräuchte also nur sehr geringfügige Absprachen, was Inspektionen anbelangt."

Anfang Juli 1963 signalisierten die Sowjets, dass sie auf den Kompromiss eingehen wollen. Am 15. Juli kamen die Vertreter der USA, der UdSSR und Großbritanniens in Moskau zusammen und verhandelten den Vertragstext. Nach nur drei Wochen, am 5. August, wurde das Atomteststopp-Abkommen unterschrieben. Andrei Gromyko, damals sowjetischer Außenminister:

"Der Abschluss des Abkommens über das Verbot der Kernwaffenversuche kann den Weg öffnen zur Lösung anderer, noch wichtigerer internationaler Fragen, darunter auch das Problem der Abrüstung."

Alec Douglas-Home, der Außenminister Großbritanniens:

"Er sprach von einem großen Augenblick für die Völker Englands, Russlands und Amerikas. Die verantwortlichen Führer der Sowjetunion und des Westens haben erkannt, dass es einen Atomkrieg einfach nicht mehr geben darf."

Mit Indien, Israel und Pakistan traten später auch andere Atommächte dem Vertrag bei. Frankreich und China aber verweigerten die Unterschrift. Bis in die 70er Jahre testeten sie oberirdisch weiter. Dennoch ist das Hauptziel des Vertrags heute erreicht: Die radioaktive Belastung der Atmosphäre ist nahezu auf Normalniveau gesunken. Im September 1996 verabschiedete die UN-Generalversammlung sogar ein Abkommen, das sämtliche Atomtests verbietet. Zwar ist dieser Vertrag bis heute nicht in Kraft getreten – weder China noch die USA haben ihn bislang ratifiziert. Dennoch: In den letzten 15 Jahren war es einzig Nordkorea, das eine Kernwaffe gezündet hat.

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