"Fruitvale Station" passt wie die Faust aufs Auge. Mitten in die Empörung und die Demonstrationen von Bürgerrechtlern, die auf den Freispruch Zimmermanns folgten, legt der Film den Finger in die Wunde der vermeintlich "postrassistischen" Gesellschaft. Aber er tut das nicht mit einer agitatorischen Anklage gegen das System oder gegen eine rücksichtslose Polizei, die jederzeit den Finger am Abdruck hat - was eigentlich nahegelegen hätte. Vielmehr lässt der junge Regisseur Ryan Coogler in seinem Erstlingswerk die letzten 24 Stunden von Oscar Grant in seinem sozialen Umfeld Revue passieren, mitten in der vergleichsweise liberalen und weltoffenen Atmosphäre von Oakland und San Francisco.
Statt offenem Rassismus herrscht hier in der Westküstenmetropole "political correctness". Schwarz und Weiß begegnen sich auf der Straße, im Supermarkt und in der Schule. Oscar Grant lebt mit seiner Freundin, einer Latina, zusammen. Sie haben eine vierjährige Tochter. Trotzdem hat der 22-Jährige bereits ein hartes Leben hinter sich: eine Haftstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes, und er hat seinen Job verloren, weil er dauernd zu spät kam. Obwohl er sich und seiner Familie etwas vorgemacht hat, hat er einen guten Vorsatz fürs neue Jahr: keine krummen Wege mehr, Arbeit suchen, sich mehr um seine Freundin, seine Tochter und seine Mutter kümmern.
Oscar Grant ist auf dem besten Weg. Seinen Vorsatz feiert er an Silvester mit Freunden in der U-Bahn, die an der "Fruitvale Station" kurz vor Mitternacht stehen bleibt.
"”five, four, three, two, one – Happy New Year""
Jäh unterbrochen wird die spontane U-Bahn-Party durch einen weißen Schlägertypen, der Grant aus dem Gefängnis kennt. Es kommt zum Handgemenge, sofort ist Polizei anwesend. Seine Freunde und er werden aus der U-Bahn gezerrt. Von den Weißen ist keine Spur mehr zu sehen. Im Gerangel fallen Beleidigungen, Oscar Grant bekommt Handschellen angelegt. Er wiegelt ab – und wird wie aus heiterem Himmel plötzlich von einem Cop in den Rücken geschossen.
Zahlreiche schockierte Passanten filmen damals das Geschehen mit. Oscar Grant wird wenige Stunden später an der Schusswunde sterben. Die letzten Sequenzen des Films rühren selbst hartgesottene Kinogänger zu Tränen: seine Qualen, das bange Warten und Hoffen von Grants Mutter und seinen Freunden auf der Notaufnahme, schließlich die Nachricht von seinem sinnlosen Tod.
Erst im Abspann, quasi am Rande, trägt der Filmemacher die Anklage vor: der Polizist, der den hilflosen Oscar Grant umgebracht hatte, erhielt bloß elf Monate Haft. Er hatte das Gericht davon überzeugt, dass er aus Versehen zur Waffe gegriffen und abgedrückt hatte.
Der Film betont in weiten Teilen die sozialen Umstände von Oscar Grant, seine afroamerikanische Lebenswelt und seine persönlichen Schwächen und Stärken. Damit ist "Fruitvale Station" eine Hommage an ein Opfer: Oscar Grant war ein ganz normaler junger afroamerikanischer Mann, in dem sich das Kinopublikum wiederfindet. Die Empörung über den strukturellen Rassismus, wie er sich in der wahnwitzigen Polizeiaktion und dem milden Urteil äußerte, ergibt sich dann von selbst. Den lobenden Reaktionen großer Medien nach zu urteilen braucht die Nation aber doch immer wieder Nachhilfeunterricht wie "Fruitvale Station".
Die sogenannte post-rassistische Gesellschaft, in der sich das weiße Amerika nach der Wahl Barack Obamas wähnte, weil es sich mit seinen Privilegien nicht mehr auseinandersetzen zu müssen glaubte, stellt sich inzwischen als Trugbild heraus. Das Problem liegt offen auf der Hand. Immerhin: Die verantwortlichen Polizeichefs in San Francisco mussten ihren Hut nehmen. Außerdem muss die U-Bahn-Polizei "Fruitvale Station" als Lehrmaterial studieren. Aber einen unhaltbaren Zustand beseitigen wird dies nicht.
Statt offenem Rassismus herrscht hier in der Westküstenmetropole "political correctness". Schwarz und Weiß begegnen sich auf der Straße, im Supermarkt und in der Schule. Oscar Grant lebt mit seiner Freundin, einer Latina, zusammen. Sie haben eine vierjährige Tochter. Trotzdem hat der 22-Jährige bereits ein hartes Leben hinter sich: eine Haftstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes, und er hat seinen Job verloren, weil er dauernd zu spät kam. Obwohl er sich und seiner Familie etwas vorgemacht hat, hat er einen guten Vorsatz fürs neue Jahr: keine krummen Wege mehr, Arbeit suchen, sich mehr um seine Freundin, seine Tochter und seine Mutter kümmern.
Oscar Grant ist auf dem besten Weg. Seinen Vorsatz feiert er an Silvester mit Freunden in der U-Bahn, die an der "Fruitvale Station" kurz vor Mitternacht stehen bleibt.
"”five, four, three, two, one – Happy New Year""
Jäh unterbrochen wird die spontane U-Bahn-Party durch einen weißen Schlägertypen, der Grant aus dem Gefängnis kennt. Es kommt zum Handgemenge, sofort ist Polizei anwesend. Seine Freunde und er werden aus der U-Bahn gezerrt. Von den Weißen ist keine Spur mehr zu sehen. Im Gerangel fallen Beleidigungen, Oscar Grant bekommt Handschellen angelegt. Er wiegelt ab – und wird wie aus heiterem Himmel plötzlich von einem Cop in den Rücken geschossen.
Zahlreiche schockierte Passanten filmen damals das Geschehen mit. Oscar Grant wird wenige Stunden später an der Schusswunde sterben. Die letzten Sequenzen des Films rühren selbst hartgesottene Kinogänger zu Tränen: seine Qualen, das bange Warten und Hoffen von Grants Mutter und seinen Freunden auf der Notaufnahme, schließlich die Nachricht von seinem sinnlosen Tod.
Erst im Abspann, quasi am Rande, trägt der Filmemacher die Anklage vor: der Polizist, der den hilflosen Oscar Grant umgebracht hatte, erhielt bloß elf Monate Haft. Er hatte das Gericht davon überzeugt, dass er aus Versehen zur Waffe gegriffen und abgedrückt hatte.
Der Film betont in weiten Teilen die sozialen Umstände von Oscar Grant, seine afroamerikanische Lebenswelt und seine persönlichen Schwächen und Stärken. Damit ist "Fruitvale Station" eine Hommage an ein Opfer: Oscar Grant war ein ganz normaler junger afroamerikanischer Mann, in dem sich das Kinopublikum wiederfindet. Die Empörung über den strukturellen Rassismus, wie er sich in der wahnwitzigen Polizeiaktion und dem milden Urteil äußerte, ergibt sich dann von selbst. Den lobenden Reaktionen großer Medien nach zu urteilen braucht die Nation aber doch immer wieder Nachhilfeunterricht wie "Fruitvale Station".
Die sogenannte post-rassistische Gesellschaft, in der sich das weiße Amerika nach der Wahl Barack Obamas wähnte, weil es sich mit seinen Privilegien nicht mehr auseinandersetzen zu müssen glaubte, stellt sich inzwischen als Trugbild heraus. Das Problem liegt offen auf der Hand. Immerhin: Die verantwortlichen Polizeichefs in San Francisco mussten ihren Hut nehmen. Außerdem muss die U-Bahn-Polizei "Fruitvale Station" als Lehrmaterial studieren. Aber einen unhaltbaren Zustand beseitigen wird dies nicht.