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StartseiteHintergrundEin Königreich auf dem Weg in die Moderne06.09.2007

Ein Königreich auf dem Weg in die Moderne

Marokko vor den Parlamentswahlen

Marokko ist im Umbruch. Das Königreich findet den Anschluss an die Moderne, und die Moderne findet den Weg ins Königreich. Weichenstellungen für die Zukunft werden von den Parlamentswahlen am 7. September erwartet.

Von Jan Tussing

Landschaft im Norden Marokkos. (Rüdiger Maack)
Landschaft im Norden Marokkos. (Rüdiger Maack)
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Kritische Journalisten nicht erwünscht

Das ist eine marokkanische Kondomwerbung, gesendet mehrmals täglich im Jugendsender Hitradio. Für deutsche Ohren nichts wirklich ungewöhnliches - in Marokko ist es ein absolutes Tabu. Präservative sind im Islam verboten, Dafür Werbung zu machen, verletzt die Gefühle vieler gläubiger Marokkaner. Noch ungewöhnlicher ist, dass auf einem marokkanischen Sender über Sex, Kondome und wie man sie benutzt gesprochen wird, denn Sex außerhalb der Ehe ist nach islamischer Sitte verboten.

Fatemsara Salhi ist eine Mourchidat - ein weiblicher Imam, also eine Frau, die die Funktion eines Predigers und geistlichen Führers im Islam wahrnimmt. Ihre Einführung vor zwei Jahren war eine kleine Revolution in Marokko. Denn in keinem anderen islamischen Land gibt es Frauen, die religiöse Funktionen wahrnehmen dürfen.

"Sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe sind nach islamischer Sitte verboten. Wenn ein Mädchen zu mir kommt und mich fragt, ob sie mit ihrem Freund ein Kondom benutzen darf, dann empfehle ich ihr, sofort die Beziehung zu beenden, denn das ist illegal. Und wer weiß, vielleicht wird sie auch krank, denn es gibt sexuell übertragbare Krankheiten wie Aids, et cetera."

Fatemsara Salhi sitzt aufrecht auf dem Sofa und schaut ruhig und freundlich unter ihrem Schleier hervor. Die gelernte Juristin ist gerade mal 26 Jahre alt und übt ihre Funktion erst seit wenigen Monaten aus. Nach ihrem Jura-Studium hat sie noch ein zweijähriges Aufbaustudium in Theologie drangehängt, so lange dauert die Ausbildung zur Mourchidat. Fatemsara kennt den Koran auswendig - und zu jeder Frage hat sie klare und eindeutige Antworten, zum Beispiel, was Abtreibungen angeht:

"Abtreibungen sind im Koran verboten, auch innerhalb einer Ehe. Wenn eine Frau abtreiben will, kann sie das nur, wenn sie tödlich krank ist und bei der Geburt ihr Leben verlieren würde. Dann aber muss der Arzt seine Einwilligung geben. Aber nur aus finanziellen Gründen abzutreiben, weil ein Paar ein weiteres Kind nicht ernähren kann, das ist illegal."

Weibliche Geistliche sind eine absolute Neuheit im Islam - aber sind Frauen auch progressiver als ihre männlichen Pendants? Ganz sicher nicht. Die Entscheidung, in Marokko weibliche Imame einzuführen, war zwar sensationell, aber eine Änderung der Auffassung ist nicht festzustellen: Die Ansichten der Frauen von Moral und Ethik sind so alt wie der Koran selbst.

Nach Meinung streng gläubiger Moslems müsste ein Radio wie Hitradio verboten werden. Sex, Alkohol, Gespräche über Präservative und Abtreibungen sind ein rotes Tuch für Marokkos traditionelle Gläubige. Aber wer abends den langen und aufwendigen Gesprächen im Radio zuhört, merkt: Durch die marokkanische Gesellschaft geht ein großer Riss. Gerade unter jungen Menschen. Marokko ist eine Baustelle - und das im übertragenen wie auch im realen Sinn. Mohamed VI ist seit acht Jahren im Amt, und seitdem ist das Königreich nicht wieder zu erkennen, überall herrscht Aufbruchstimmung, überall wird gebaut. Investiert wird dabei vorwiegend in die Infrastruktur.

In Tanger entsteht zur Zeit der größte Hafen am Mittelmeer. In Marrakesch wachsen neue Stadtviertel aus dem Boden - 500.000 zusätzliche Betten für die erwarteten Touristen. Der Norden Marokkos bekommt neue Autobahnen, Casablanca ein paar Wolkenkratzer, und in Ouarzazate sollen etliche Spielkasinos gebaut werden. Die Wüstenstadt könnte schon bald das Las Vegas Afrikas werden. Aber die mit Abstand größte Baustelle befindet sich in Marokkos Hauptstadt Rabat.

"Rabat hat lange dem Meer den Rücken zugekehrt. Jetzt ist es endlich dabei, sich zu öffnen."

Omar Benslimane reibt sich die Hände: Im Auftrag der staatlichen Entwicklungsagentur wirbt er für das Riesenprojekt. Mitten im Herzen der Altstadt Rabat entstehen ein großer Jachthafen, etliche moderne Einkaufszentren und luxuriöse Hotels, 18 Kilometer Straßenbahn, eine 10 Kilometer lange Uferpromenade, die in Europa ihresgleichen sucht, dazu Sozialwohnungen und ein komplettes Kunsthandwerkszentrum.

12 Milliarden Dollar investiert eine arabische Baufirma aus Dubai in Marokkos Hauptstadt Rabat. Strand, Meeresufer und der Lauf des Flusses Bouregreg werden in ein paar Monaten nicht mehr wiederzuerkennen sein

"Die Rabater und die Bewohner der Nachbarstadt Salé werden die Hauptnutznießer des Ausbaus sein und können sich glücklich schätzen daran teilzuhaben. Es wurde hier ja schon oft von Projekten geredet, und man konnte darauf setzen, dass die dann vielleicht in der Generation unserer Kinder realisiert würden. Heute reden wir von Projekten, die in ein, zwei, drei Jahren realisiert werden und uns direkt betreffen."

Marokkos König Mohamed VI. will Fortschritt sehen: Seit ein paar Jahren versucht er alles aufzuholen, was Marokko jahrzehntelang verpasst hat: noch schnell ein neues Terminal für Casablancas Flughafen, im Süden des Landes an der Atlantikküste entstehen gleich mehrere touristische Badeorte und Prestigeprojekt mit oberster Priorität: Tanger soll 2010 Veranstaltungsort für die Weltausstellung sein.

"Ich sage meinen Kindern immer, dass das ganze Reich eine Baustelle ist. Die Infrastruktur, der Wohnungsbau, besonders der von Sozialwohnungen, die Tourismusindustrie, das Land befindet sich wirklich im Aufwind."

Allein bei den Arbeiten am Bouregreg sollen 114.000 Arbeitsplätze entstehen, wenige Kilometer weiter wird sogar eine komplett neue Stadt für 250.000 Einwohner geplant - Benslimane sagt, das Megaprojekt verfolgt ein ganz einfaches Ziel:

"Wir machen aus Rabat eine der schönsten Hauptstädte Afrikas - und das vor 2010."

Marokko ist im Umbruch. Das Königreich findet den Anschluss an die Moderne, und die Moderne findet den Weg ins Königreich. 40.000 Franzosen leben bereits ständig im Land. In den letzten fünf Jahren hat sich vor allem Marrakesch zur Jetset-Metropole entwickelt. Julia Roberts, Tom Hanks, Matt Damon, Brad Pitt - sie alle gehen hier ein und aus.

"Sie wissen ja, dass in Marokko viele Filme gedreht werden. Und Sie können sicher sein, dass die Filmstars die Gewohnheit haben, ins Teatro zu kommen."

Mathieu ist der Geschäftsführer des heißesten Ladens der Stadt, des Teatro. Der Franzose organisiert Events für die Schönen und Reichen der Stadt.

"Ich denke an Selma Hayek, Prince, und Jean Luc de la Rue. Die kommen ins Teatro und fühlen sich hier wohl, denn sie sind hier inkognito."

Schon lange werden in Marokko internationale Filme gedreht, und dank seines internationalen Filmfestivals im Winter ist Marrakesch zur angesagten Partymetropole avanciert. Aber es sind nicht nur Stars und Sternchen, die hierher reisen:

"Wenn sie kommen, haben ihre Sicherheitskräfte die Anweisung aufzupassen, auch auf alle Handys, damit ihre Intimsphäre geschützt bleibt genauso wie ihr Urlaub."

In Marrakesch trifft sich die Creme de la Creme, die Finanzbosse der Welt und andere Mächtige - aber hinter geschlossenen Mauern. Denn russische Ölmagnaten oder saudische Prinzen wollen keine Aufmerksamkeit.

"Es stimmt, die Elite der Elite. Alles geschieht in den Palästen und Villen. Die gehen nicht mehr zu den Veranstaltungen. Die Veranstaltungen kommen zu ihnen. Wir werden oft angefragt, von Leuten die eine Show buchen wollen, für eine internationale Persönlichkeit - aus Russland, oder aus der Welt, die für ein Wochenende einfliegen und einen magischen, feenhaften Abend veranstalten will, in einer privaten Adresse. Und die Tendenz geht dazu hin sich abzuschotten, denn die Herrschaften wollen Intimsphäre wahren."

Innerhalb von fünf Jahren sind in Marrakesch die Paläste und Villen aus dem Boden geschossen. In Fünf-Sterne-Hotels wie dem Amanjana kostet die günstigste Übernachtung 850 Dollar.

Spielkasinos in Ouarzazate, Kondomwerbung für die aufstrebende Mittelschicht, weibliche Imame. Nicht alle Marokkaner kommen mit dieser schnellen Veränderung zurecht, zumal die drastischen Preissteigerungen viele Familien in die Armut katapultiert haben - gerade in den Armenvierteln der Vorstädte. Nach statistischen Angaben der Vereinten Nationen profitieren nur die Reichen von dem Wirtschaftsboom. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auf.

Viele Menschen haben die Selbstmordanschläge von Casablanca im April dieses Jahres als Warn- und Weckruf verstanden. Sechs junge Männer hatten sich in den Straßen Casablancas in die Luft gesprengt, eine Tat, die ganz Marokko erschütterte.

"Am Samstag, ich schlief noch tief und fest, da riss mich eine erste Explosion aus dem Schlaf."

Erik beobachtete am 10. April, wie ein Selbstmordattentäter in Casablanca gejagt wurde.

"Ich habe die Augen aufgemacht, und dann kam die zweite, und die war sehr heftig, denn die Fensterscheiben in der Küche haben vibriert."

Erik wohnt im fünften Stock der sehr belebten Innenstadt von Casablanca. Von der Terrasse seiner Wohnung wurde der junge Franzose Zeuge der Anschlagserie, deren Folgen im täglichen Leben Marokkos bis heute zu spüren sind.

"Was ich gesehen habe, und ich habe eine Dreiviertelstunde beobachtet, das war ein riesiger Tumult, Polizisten auf Motorrädern, total viele Leute, die durch die Straßen liefen, als ob sie vor einer Gefahr weglaufen würden. Aber sie sind nicht vor einer Gefahr weggelaufen, sondern hinter einem Verdächtigen hinterher, der einen Sprengstoffgürtel trug. Und sie haben ihn gekriegt."

Die Anschlagserie im März und April hat die marokkanischen Behörden in Alarmbereitschaft versetzt. Anders als in Algerien oder Spanien gehörten die mutmaßlichen Täter in Casablanca nicht zum El-Kaida-Netzwerk. In Marokko waren die Anschläge hausgemacht, die Attentäter waren unterprivilegierte Jugendliche aus ärmsten familiären Verhältnissen mit verqueren religiösen Auffassungen. Ihr Selbstmord wurde als Protest verstanden - gegen die Verrohung der islamischen Sitten, gegen die wachsende Armut, gegen eine korrupte Oberschicht. Oder einfach gesagt: gegen das aufstrebende Marokko, das seine ärmsten Bürger zu vergessen scheint.

Aber dennoch: Unter der marokkanischen Bevölkerung haben Terroristen keine Sympathisanten. Im Gegenteil, die Reaktion der Marokkaner auf die religiös Verirrten war und ist ausnahmslos ablehnend. Erik erinnert sich, wie die Menschen an dem Tag regelrecht Jagd auf die Männer machten.

"Das waren alles Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder, die hinterhergelaufen sind. Und ich glaube, was du da siehst, das ist das wahre Marokko, das sich hier zeigt. Sie überwinden ihre Angst, sie wollten ihn wirklich fangen, einen Selbstmordattentäter."

Die Ereignisse in Marokko zeigen: Der Mehrheit der Marokkaner ist gegen Terrorismus und bereit zu kämpfen. Aber Fakt ist auch, in Marokko entwickeln sich zwei Parallelgesellschaften. Auf der einen Seite die traditionellen, arabischsprachigen, oft armen, ungebildeten Menschen auf dem Land oder in den Slums der Großstädte, auf der anderen Seite die französisch-sprachige Elite der Großstädte, die westlich orientierten und erzogenen Bürger, die zum Shopping nach Frankreich fahren und in den angesagten Nachtclubs von Marrakesch schon mal an einem Abend ein marokkanisches Durchschnittsgehalt vertrinken.

Diese Ungerechtigkeit ist für die islamische Partei ein gefundenes Fressen. Die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, kurz PJD, gilt als der Favorit bei den bevorstehenden Wahlen. Aber gleichzeitig ist sie auch das Schreckgespenst der herrschenden politischen Klasse. Marokkos gemäßigte Islamisten träumen davon, bei den Parlamentswahlen am 7. September einen überwältigenden Erfolg zu erringen, und glaubt man den Umfragen, könnte die Partei, die bereits größte Oppositionspartei ist, tatsächlich die absolute Mehrheit erlangen.

"Das Wichtigste ist, dass das Programm des PJD stark auf die moralischen Werte des öffentlichen Lebens setzt,"

sagt Saaddine el Othmani, der Parteivorsitzende der PJD.

"Die Verwaltung und die marokkanische Justiz leiden an einer offensichtlichen Korruption, das ist bedeutend für den Normalbürger. Es geht direkt gegen seine Interessen, leider. Und verschiedene Regierungen konnten die Korruption nicht in den Griff bekommen, trotz der vielen Slogans und Versprechungen. Deswegen wollen wir diese Korruption bekämpfen und dem öffentlichen Leben die Werte zurückgeben."

Saaddinne el Othmani schaut freundlich aus seiner Brille mit Goldrand. Er wägt seine Worte ganz genau ab, denn er weiß, er steht unter Beobachtung. Manche Politiker bezeichnen ihn bereits als den Wolf im Schafspelz, denn der gelernte Psychiater gibt sich keine Blöße und lässt sich zu keinen extremen Aussagen hinreißen. Othmani vertritt den gläubigen Mann von der Straße, den ehrlichen, armen und unterprivilegierten Durchschnittsbürge, der nicht Hitradio hört, sondern Radiosender mit religiösem Inhalt. Und der 53-jährige Parteivorsitzende hat mit seinem Programm die besten Chancen, zum ersten Mal die stärkste Kraft im marokkanischen Parlament zu werden.

"Die PJD ist keine religiöse Partei sondern eine politische Partei,"

so der Parteivorsitzende der PJD,

"aber sie beruft sich auf die islamischen Werte ähnlich wie die christdemokratischen Parteien in Europa, die sich auf die christlichen Werte stützen. Es stimmt wohl, unsere Gesellschaft ist traditioneller und legt mehr Wert auf die Religion als die europäische Gesellschaft, darauf geht auch unser Programm ein. Wir können uns keine Entwicklung eines Landes vorstellen, ohne die soziokulturellen Eigenheiten zu berücksichtigen oder die religiösen Eigenheiten oder die sozialen. Man darf nie ein Entwicklungsmodell kopieren. Man muss es sich immer selbst schaffen."

Die guten Umfragewerte für die gemäßigten Islamisten machen die herrschende politische Klasse Marokkos nervös. Die PJD will wieder Zucht und Ordnung - im islamischen Sinne. Das heißt konkret: strenge Kleiderordnung, Alkoholverbot, kein Sex vor der Ehe - und vor allem: keine Kondomwerbung und keine Spielkasinos für die Reichen und Schönen. Wenn das umgesetzt würde, stünde Marokkos Wirtschaftswachstum auf dem Spiel. Denn welcher Europäer will schon in einem spaßbefreiten Land Urlaub machen? Ein Sieg der gemäßigten Islamisten würde im Königreich ein kleines Erdbeben auslösen.

Mohammed VI. und seine Berater tun daher alles, um den gemäßigten Islamisten den Wind aus den Segeln zu nehmen: Sie bauen Sozialwohnungen und Krankenhäuser, sie sprechen über Moral und Ethik - manche meinen sogar: Sie redeten den Islamisten nach dem Mund. Driss Ksikes ist dieser Ansicht zum Beispiel. Der 39-jährige Journalist schreibt für das arabischsprachige Nachrichtenmagazin Nichane und wurde zu Beginn des Jahres zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Grund: Er hatte in einer Ausgabe seines Blattes Witze veröffentlicht. Titel: Worüber die Marokkaner lachen. Aber was eigentlich lustig hätte sein sollen, entwickelte sich zur Staatsaffäre.

"Die Anklage ist für die Witze, die wir ja noch nicht mal erfunden haben, sondern die in der marokkanischen Gesellschaft selbst erzählt werden, und sie lautet: Angriff auf den Islam, Respektlosigkeit gegenüber dem König und Verstoß gegen die guten Sitten, weil auch Witze über Sex abgedruckt wurden. Darauf steht fünf Jahre Gefängnis, Arbeitsverbot, und Verbot des Nachrichtenmagazins."

Und inzwischen zeigt sich, dass Marokkos Politiker den Journalisten mehr und mehr einen Maulkorb anlegen wollen.

"Das ist eine nationale Katastrophe, denn es zeigt, dass alle Fortschritte, für eine mögliche Demokratisierung Marokkos zu zerbrechlich sind. In der Gesellschaft gibt es viele, die uns unterstützen und Mut machen. Denn es ist absurd, hier grassiert die Angst vor dem Islamismus."

Die Presselandschaft in Marokko ist bislang noch vielfältig und bunt. Für den arabischen Sprachraum eine große Ausnahme, denn fast alle Themen können behandelt werden. Nur Gott, die Heimat und der König sind tabu.

"Das macht mir Sorgen. Man schreibt mit dem Zweifel, für seine Äußerungen belangt zu werden, wissend, dass die Justiz nicht immer unabhängig urteilt."

Mohammend Douyeb arbeitet für das kritische Blatt "Le journal hebdomadaire". Er beklagt, dass das Gesetz für die Presse keine klaren Richtlinien gibt.

"Na ja, was ich wissen will: Wenn es Tabus gibt, dann soll man sie mitteilen und sie erklären. Nur 'die heiligen Werte des Staates und der Religion' zu nennen, das ist zu wenig, was ich anfechte, ist, dass dieses Pressegesetz nicht klar ist. Die Möglichkeit alles subjektiv interpretieren zu dürfen, macht es für den Journalisten schwierig."

Acht Jahre ist Mohammed VI. nun im Amt - und seitdem ist das Königreich Marokko eine Baustelle. Wie es weitergeht, hängt stark davon ab, wie sehr die Armen und die traditionellen Kräfte des Landes am Fortschritt teilhaben können.

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