Sonntag, 14. August 2022

Archiv


Ein Paradigmenwechsel im Sport

Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg steht, gerade wurde der Koalitionsvertrag zwischen den Grünen und der SPD verabschiedet: Während das Thema Sport in den Verträgen politischer Partner sonst ein kurz gehaltener Appendix zu sein pflegt, liefert die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg nun den totalen Gegenentwurf.

Von Herbert Fischer-Solms | 28.04.2011

    Auf über drei Seiten gibt es konkrete Beschreibungen, die im Vergleich zum Bisherigen die Bezeichnung Paradigmenwechsel rechtfertigen. Der Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann, Sportpolitiker aus Tübingen:

    "Also ich glaube, das ist das erste ausführliche, moderne Sportkonzept in einem Koalitionsvertrag überhaupt. Wir wollen zum Beispiel sowohl die Bewegung im Alltag fördern, wie eben halt auch die organisierten Sportler unterstützen. Wir legen viel Wert auf Förderung der Bewegung im Grundschulalter und im Vorschulbereich. Wir wollen die integrative Kraft des Sports fördern, wir wollen die Sportstätten-Förderrichtlinie ändern und zwar wollen wir konsequent alle Sanierungen im Sportstättenbereich an Klima- und Umweltgesichtspunkten orientieren."
    Die Stadt- und -Verkehrsplanung soll künftig berücksichtigen, die Bürger des Landes zu einem aktiven Lebensstil anzuregen. Bemerkenswert, dass eine Landesregierung sich erstmals dezidiert zum nicht-organisierten Sport bekennt, und dafür auch Fördermittel zur Verfügung stellen will. Sie reagiert damit auf moderne Entwicklungen in der Bewegungskultur, allerdings schränkt Hermann ein:

    "Da sind wir noch nicht im Detail vorangekommen, das müssen wir jetzt erst angehen. Es wird nicht in Konkurrenz mit dem organisierten Sport sein. Beispielsweise glauben wir, dass Projekte wie Straßenfußball die soziale Integration und Gewaltabbau fördern, dass wir solche Projekte unterstützen wollen."

    Und auch das ist ebenso neu wie zeitgemäß: Es wird eine Konzeption für Dopingprävention im Breitensport geben. Dazu eine Initiative zur verbesserten Finanzierung der Nationalen-Anti-Doping-Agentur NADA und die Einrichtung einer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Doping, die es bisher nur noch in München gibt. Winfried Hermann:

    "Wir haben ja auf Bundesebene immer wieder festgestellt, dass es nicht nur ein Problem gibt mit dem fehlenden Anti-Dopinggesetz, es gab immer auch den Hinweis, es liegt auch an der Umsetzung. Und ich bin persönlich nach wie vor davon überzeugt, ohne Schwerpunktstaatsanwaltschaft, das heißt wirklich eine kompetente Einheit, die sich in dem Bereich des organisierten Vertriebs von Dopingmitteln wie auch von Drogen auskennt, ohne eine solche Staatsanwaltschaft kommen wir dieser Art von Kriminalität nicht auf die Spur und insofern ist das glaube ich ein wichtiger Ansatz."

    Und schließlich ist da noch ein heißes Eisen, das die Koalition von Grünen und SPD anzufassen gewillt ist: Zitat: "Die dreigliedrige Struktur der Sportbünde erschwert den Dialog mit Politik und Wirtschaft, wir unterstützen deshalb Initiativen für eine effizientere Organisationsstruktur", heißt es da. Auf Deutsch: Dem unerträglichen und in Deutschland einmaligen Neben- und Durcheinander von Badischer Sportbund Nord, Badischer Sportbund Freiburg und Württembergischem Landessportbund, alle drei innerhalb des LSB Baden-Württemberg, soll der Garaus gemacht werden. Natürlich "unter Wahrung der Autonomie des Sports".