Archiv


"Ein Sieg für Obama"

In der Fernsehdiskussion zwischen Barack Obama und John McCain kam Obama nach Ansicht des USA-Kenners Friedrich Mielke als freundlich, jugendlich und sympathisch herüber. Obama sei es gelungen, gegen McCain zu punkten. Sein Anliegen müsse es nun sein, den Vorsprung von acht bis neun Prozent zu halten.

Friedrich Mielke im Gespräch mit Beatrix Novy |
    Beatrix Novy: Und zum Thema gibt es nun auch noch einen O-Ton aus den USA.

    ((O-Ton-Einspielung Barack Obama))

    Novy: Angriffig und in seinem Element. Das war offenbar einer der guten Momente von Barack Obama im Fernsehstreitgespräch mit seinem Widersacher John McCain. Aber, wie hat er dabei ausgesehen? Seit vor 58 Jahren ein Rededuell zweier Präsidentschaftskandidaten, nämlich John F. Kennedy und Richard Nixon erstmals im Fernsehen übertragen wurde, gilt die Formel, im Fernsehen entscheidet das Gefühl, über den Inhalt triumphiert die individuelle Wirkung. Dann reden wir doch genau darüber, was Obama und McCain aus ihrer Begegnung in Mississippi gemacht haben, mit Friederich Mielke, USA-Kenner, der sich das Streitgespräch inzwischen wahrscheinlich mehrmals angesehen hat.

    Friederich Mielke: Interessant ist, dass Obama locker wirkte, sympathisch wirkte, er lächelte und er ist auf Angriffe gegen ihn nicht richtig direkt eingegangen, während John McCain manchmal etwas grinste, mit den Gesichtszügen zuckte und nicht so souverän und auch nicht so freundlich und sympathisch rüberkam. Insofern ist die Körpersprache hier wichtig, Obama als jugendlich, ja als unverbraucht, als sympathisch, als nett irgendwo. Und das ergeben ja auch die Umfragen, direkt nach der Debatte. Viele sagen, Obama sei einfach sympathischer gewesen. Und hier geht es ja wirklich mehr um …

    Novy: Das Kennedy-Nixon-Syndrom?

    Mielke: Genau. Kennedy/Nixon, Nixon, der mit dem grauen Anzug und der düsteren Stimme und den düsteren Augen dastand, und Kennedy, der jugendlich, freundlich lächelnd, fröhlich, dynamisch und frisch dastand und auch etwas bunter aussah, irgendwie so sympathischer wirkte. Und wenn es dann darum geht, dass das Fernsehen ein Gefühlsmedium ist, ein Bildermedium ist, dann kann man sagen, dass Obama hier eindeutig besser aussah.

    Novy: Besser als in den Vorwahlrunden, da gab es ja schon jede Menge Duelle, in denen inhaltlich ja ein bisschen wenig rüberkam.

    Mielke: Ja, das ist richtig.
    Novy: Schwächer.

    Mielke: Besser auf jeden Fall. Das ist der Vorteil, den Obama hat. Obama hat durch diese Fernsehdebatten mit Hillary Clinton dazu gelernt. Er hat geübt, während McCain ja lange Zeit dieser Fernsehdebatten nicht erlebt hat, das letzte Mal im Jahr 2000 gegen George W. Bush. Und hier hat Obama zugelernt. Er ist weitaus lockerer geworden, hat kürzere Sätze formuliert und hat nicht so professoral doziert, sondern klar und einfach und freundlich und bestimmt gesprochen. Und da hat er gepunktet, und hat er sich verbessert im Vergleich zu den Vorwahlen.

    Novy: Wie weit kommt eigentlich die Konstruktion solcher Fernsehduelle den beiden Kontrahenten entgegen oder aber schwächt sie?

    Mielke: Ja, die Kandidaten stehen nebeneinander. Sie können sich anschauen oder nicht anschauen und der Moderator sitzt ein Stückchen entfernt in der Mitte ihm gegenüber. Interessant ist hier, ob nun der Kandidat in die Kamera schaut und seine Augen direkt in die Kamera hineinhält oder ob er den Gegenkandidaten anschaut. Und hier ist erstaunlich interessant, wie Obama immer wieder in die Kamera schaute, die Zuschauer anschaute, während McCain seine Augen weder auf Obama noch auf die Zuschauer fixierte, sondern nur auf dem Jim Lehrer, dem Moderator. Das ist ein deutlicher Unterschied. Und dabei kommt Obama als wacher, lebendiger, dynamischer und auch derjenige hervor, der mit den Zuschauern enger und intimer verbunden ist.

    Novy: Die Gefahr dieser Fernsehduelle ist ja, genau darüber reden wir ja jetzt auch, dass die Wirkung, die Darstellung, die Selbstdarstellung, das Eigentliche, das Inhaltliche übertönt. Sagen Sie aber dann doch noch mal ein Wort zum Inhalt.

    Mielke: Ja, zum Inhalt ist es so, dass hier Obama als Underdog in die Schlacht ging, insofern als er außenpolitisch ja nicht die Erfahrung mitbringt, die John McCain eindeutig hat. Dennoch hat er sehr sachlich und bestimmt auch mit gewisser Fachkompetenz seine Argumente präsentiert. Insofern hat er seinen Boden gut, seinen Stand gut gehalten. Und damit hat er schon gepunktet. Hier sollte McCain eigentlich Obama als unerfahren, als grünen Frischling niedermachen, und das ist McCain nicht gelungen. Insofern inhaltlich eindeutig, sagen wir mal, ein Sieg für Obama und bei den nächsten Themen, das heißt Innenpolitik, Kultur, Sozialpolitik und Ähnlichem und Wirtschaft natürlich, und da ist dann Obama im Vorteil.

    Novy: Das eigentlich Entscheidende bei diesen Fernsehduellen, das ist nun auch schon wieder eine Sache der Wirkung, soll sich ja danach abspielen. Wie gehen denn die Kampagnen der einzelnen Kandidaten damit um, was da passiert ist?

    Mielke: Ja, da gibt es dann die sogenannten Spin Doctors, ein Begriff, den ich nie so richtig übersetzen kann. Das sind die Journalisten letzten Endes, die dran drehen, versuchen den Sieger oder den Verlierer darzustellen. Das ist nur eine Frage der Darstellung, so wie Fontane sagt, alles kommt auf die Beleuchtung an. Und da sehe ich hier, man spricht zurzeit von einem Unentschieden, aber viele Umfragen ergeben nun auch schon, dass Obama stark war, dass er überlegen war und in dieser Umfrage von CNN geht er eindeutig als Sieger hervor und nun ist es wichtig, dass Obama zurzeit mit acht bis neun Prozent vor McCain liegt in den nationalen Umfragen. Dadurch, dass er hier mindestens ein Unentschieden erreicht hat, fällt er da nicht zurück und da geht er nun sehr stark in die nächsten Debatten hinein. Und das kann alles sehr wahlentscheidend werden.

    Novy: Das Fernsehduell zwischen Obama und McCain, gesehen von Friederich Mielke.