Dienstag, 12.11.2019
 
StartseiteMarkt und MedienEin Stück Hörfunkgeschichte12.07.2008

Ein Stück Hörfunkgeschichte

Der amerikanische Soldatensender AFN wird 65 Jahre alt

Gegründet wurde der Sender American Forces Network (AFN) im Juli 1943 und ist seitdem überall dort vor Ort, wo amerikanische Soldaten stationiert sind. Auch in Deutschland war er jahrelang das Programm für Hörer, die flotte Musik vermischt mit lockeren Moderationen hören wollten. Doch seit Ende des Kalten Krieges ist der AFN aus der deutschen Radiolandschaft weitgehend verschwunden.

Von Götz Gerson

Vor 65 Jahren ging der amerikanische Soldatensender AFN erstmals über den Äther. (Deutschlandradio)
Vor 65 Jahren ging der amerikanische Soldatensender AFN erstmals über den Äther. (Deutschlandradio)

"Today’s German phrase means: How it all started - wie alles anfing – today’s phrase of the day!"

Der Satz des Tages war eine der Möglichkeiten, den Soldaten unterhaltsam Deutschland näherzubringen - und die deutschen Hörer konnten ihren Sprachschatz aufbessern.

Die erste AFN-Station, die in Deutschland auf Sendung ging, war der Sender München, das Programm "Midnight in Munich" war legendär!

Im Juni 45 begann er als fahrbarer Militärsender - Wochen später folgten Stuttgart, dann Frankfurt, Bremerhaven und Berlin. Dort sendete man erst 18 Stunden täglich, doch während der Luftbrücke wollten die Militärs einen Betrieb rund um die Uhr, denn die US-Piloten nutzten das Sendesignal zur Peilung beim Anflug auf Berlin, erinnert sich Programmdirektor Mark White.

Der Amisender brachte den "American way of life" ins zerstörte Nachkriegsdeutschland, nach den harten Zeiten klang er wie eine Offenbarung, die Moderatoren waren witzig und locker, nicht steif und belehrend. Sie saßen aber in Uniform vor dem Mikrofon, denn sie waren ja Soldaten, ausgebildet zum Beispiel an der Defense Information School in Indianapolis. Einer der Stars damals war George Hudak mit seiner Sendung "Frolic at five".

"”Hey, hey - what do you say? Da war nachmittags um fünf immer ’Frolic at five’, das war ein ’Muss’, die Sendung zu hören … Today is request night - for the next 55 minutes your host is army Sergeant George Hudak - hey hey.”"

Und auch die Musik war neu und optimistisch, wurde extra für den AFN in Amerika auf riesige Platten gepresst, sogenannte "Pizza Plates". Natürlich gab es auch News: Die Weltnachrichten wurden aus Amerika übernommen, die lokalen selber gemacht, wie sich Moderator Rick de Lisle erinnert.

"Der Herr Benz hat jeden Morgen Bild, BZ, Morgenpost und FAZ übersetzt - das waren unsere Lokalnachrichten."

Mit dem Abzug der Alliierten Mitte der 90er verlor der AFN für die deutschen Hörer mehr und mehr an Bedeutung, etliche Sendestationen wurden geschlossen. Übers Internet ist der Sender noch zu hören, Podcasts sind verfügbar.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk