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Ein Verrückter und die Dunkle Materie

Gegen vier Uhr früh steht das Sternbild Coma Berenices, Haar der Berenike, genau im Osten. Es befindet sich rechts oberhalb des leicht orangefarbenen Sterns Arktur im Bootes und etwas rechts unterhalb der Wagendeichsel.

Von Dirk Lorenzen |
    Das himmlische Haar enthält nur wenige und sehr leuchtschwache Sterne. Dafür tummeln sich in dieser Gegend Tausende von Galaxien. Dieser Coma-Haufen in einer Entfernung von gut 300 Millionen Lichtjahren hat es den Astronomen besonders angetan.

    Im Jahr 1933 hat Fritz Zwicky die Galaxien dieses Haufens genau untersucht. Dem Astronomen, der in Bulgarien geboren, in der Schweiz aufgewachsen und dann in die USA ausgewandert war, gelang eine epochale Entdeckung.

    Ihm fiel auf, dass die aus den Fotografien abgeleiteten Massen der Galaxien bei Weitem nicht ausreichen, um den Haufen zusammenzuhalten. Die Galaxien dürften nicht umeinander kreisen wie Mücken in der Abendsonne, sondern müssten auseinander spritzen wie ein gerissenes Kettenkarussell.

    Offenbar, so folgerte Fritz Zwicky, gibt es in den Galaxien viel mehr Materie, als die Astronomen in den Teleskopen leuchten sehen. Er nannte diese verborgene Komponente Dunkle Materie, die nicht selbst leuchtet, sondern sich nur durch ihre Anziehungskraft auf andere sichtbare Objekte verrät. Damit hatten die Galaxien genügend Anziehungskraft, um sich gegenseitig im Haufen zu halten.

    Zwicky war ein äußerst akribischer Wissenschaftler, mit dem seine Umgebung manchmal etwas Mühe hatte. Damals hielten viele Kollegen Zwickys Idee für völlig verrückt - heute gilt sie als Geniestreich.

    Die Fritz-Zwicky-Stiftung

    Fritz Zwicky auf Wikipedia

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