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StartseiteHintergrundEin Volk hinter Stacheldraht25.05.2009

Ein Volk hinter Stacheldraht

Sri Lanka nach der vorläufigen Zerschlagung der tamilischen Aufstandsbewegung

Als Mitte Mai die tamilische Rebellenorganisation LTTE erklärte, die Waffen niederzulegen, um weiteres Blutvergießen zu verhindern, schien der mehr als 25-jährige Bürgerkrieg auf Sri Lanka beendet. Doch die Regierung Sri Lankas hält rund 300.000 Tamilen im Norden des Landes in Dschungelcamps fest, Hilfsorganisationen sprechen von Folter und Verschleppungen. Hier werde die Saat für den nächsten Konflikt gelegt und ein wirklicher Frieden verhindert, befürchten Friedensforscher im Land.

Eine Sendung von Thomas Kruchem

Tamilische Zivilisten warten vor einem Flüchtlingslager in Omantai auf ihre Registrierung. (AP)
Tamilische Zivilisten warten vor einem Flüchtlingslager in Omantai auf ihre Registrierung. (AP)
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"Nur die Hunde bellten zwischen den lang gestreckten, halb verfallenen Baracken voller still und verstört wirkender Menschen. Familien kochten und schliefen auf drei mal drei Metern; Kinder stocherten mit Ästen und Fahrradspeichen im feuchten Sandboden. Etwas abseits schöpfte ein alter Mann Wasser aus einem Tiefbrunnen, derweil seine Frau mit fahrigen Bewegungen einen mürben rot-gelben Sari flickte."

Eine Siedlung im Dschungel außerhalb der Stadt Vavuniya im Norden Sri Lankas; eine Siedlung vertriebener Tamilen, Treibgut des Bürgerkriegs zwischen singhalesischen Regierungstruppen und Kämpfern der tamilischen Rebellenorganisation LTTE. 200.000 Vertriebene strandeten allein zwischen Januar und Mai dieses Jahres in der relativ ruhigen Umgebung Vavuniyas; halb verhungert, fast wahnsinnig vor Angst.

Junger Tamile: "Ich bin mehrmals, panisch vor Angst, davon gelaufen, wenn in der Umgebung Granaten oder Bomben explodierten. Vor zwei Wochen ging nur 30 Meter von mir entfernt ein Sprengkörper hoch; und ich sah, wie er mehrere Menschen zerfetzte. Ich habe dann geholfen, einen Mann, dem ein Bein abgerissen worden war, ins Krankenhaus zu bringen."

Über mit Menschen voll gepfropfte Tempel und Schulen in der Stadt Mullaitivu berichtete der junge Mann; über Hütten aus Ästen und Palmblättern, die der Monsunregen davon spülte; über Schlangenbisse, Malaria und Krankenhäuser, die von Regierungstruppen bombardiert wurden.

All das habe jetzt ein Ende - verkündet in diesen Tagen Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse und lässt das Ende des 26-jährigen Bürgerkriegs feiern, der bislang 100.000 Menschen das Leben kostete. Tatsächlich hat die Armee zumindest die konventionell kämpfenden Truppen der LTTE besiegt; angeblich hat sie auch deren Führer Prabhakaran erschossen. Jetzt sei die Zeit der Versöhnung gekommen, äußert der Präsident.

"Der Krieg gegen die LTTE ist kein Krieg gegen das Volk der Tamilen. Unser Ziel war es, das tamilische Volk aus den Klauen dieser Organisation zu befreien. Und unsere heroisch kämpfenden Soldaten haben ihr Leben geopfert, um tamilische Zivilisten zu schützen. Tamilisch sprechende Menschen in diesem Land zu beschützen, ist meine Pflicht. Alle Menschen in Sri Lanka sollen ohne Angst und Misstrauen leben - und mit gleichen Rechten."

Pathetische Worte vor dem Hintergrund einer Geschichte, die tiefe Wunden auf beiden Seiten geschlagen hat.

Sri Lanka ist eigentlich ein Paradies aus weißen Stränden und Jahrtausende alten Ruinenstädten, aus fruchtbaren Böden und einer faszinierenden Bergwelt. Seit über zwei Jahrtausenden leben hier aus Indien stammende Singhalesen und Tamilen - gemeinsam mit später zugewanderten Muslimen und Abkömmlingen tamilischer Teearbeiter. Die im Norden und Osten siedelnden Jaffna-Tamilen, von denen die Rebellion ausging, stellen zwölf Prozent der Bevölkerung Sri Lankas, die zumeist buddhistischen Singhalesen 74 Prozent.

Die Saat für den ethnischen Konflikt legte die britische Kolonialverwaltung, die die meisten Jobs mit Tamilen besetzte - zum Verdruss der Singhalesen, die nach dem Abzug der Briten 1948 die Diskriminierung umkehrten: 1956 erklärte Staatschef Bandaranaike Singhalesisch zur alleinigen Amtssprache, 1972 seine Frau und Nachfolgerin den Buddhismus zur Staatsreligion. Der Zugang von Tamilen zu den Hochschulen wurde drastisch erschwert, in den Staatsdienst kamen fast nur noch Singhalesen.

Aus der Diskriminierung zogen einige junge Tamilen die für sie logische Konsequenz. Sie entschieden sich für den Separatismus. 1975 gründete der damals 20-jährige Bauernsohn Velupillai Prabhakaran die "Befreiungstiger von Tamil Eelam", LTTE. Das Ziel: ein unabhängiger Staat der Jaffna-Tamilen im Norden und Osten Sri Lankas. Neben der offenen Feldschlacht setzten die "Tamil Tigers" den Terror als Waffe ein. Für Geld und Waffen sorgten Tamilen in der deutschen, französischen oder kanadischen Diaspora.

Zivilisten flüchten vor den schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und tamilischen Rebellen. (AP)Zivilisten flüchten vor den schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und tamilischen Rebellen. (AP)90.000 Menschenleben forderte der Bürgerkrieg bis heute; Hunderttausende im Norden lebende Tamilen wurden immer wieder vertrieben, ihre Reisfelder, Kokosplantagen und Bewässerungsanlagen zerstört; ebenso Straßen, Bahngleise, Telefon- und Stromleitungen. Infolge des Krieges ist Sri Lanka, trotz guter Ressourcen und einer gut ausgebildeten Bevölkerung, wirtschaftlich zurückgefallen hinter Länder wie Thailand und Malaysia, denen es vor 30 Jahren voraus war.

Immer wieder gab es, zwischen Phasen intensiver Gefechte, Friedensverhandlungen; zuletzt 2002 bis 2005, als sich westliche Länder wie Norwegen massiv engagierten. Die Unnachgiebigkeit auf beiden Seiten jedoch brachte den Friedensprozess zum Erliegen; in der Folge kam eine singhalesisch-nationalistisch dominierte Regierung an die Macht, die seit 2006 alles auf die militärische Karte setzte.

Anfang 2008 kündigte die Regierung den bis dahin geltenden Waffenstillstand und eroberte seitdem immer mehr Territorium von den "Tamil Tigers", die zuvor den größeren Teil des Nordens und einen kleineren des Ostens kontrollierten. Die LTTE reagierte mit Terror-Anschlägen auf Touristenziele und den Flughafen von Colombo.

Dieser Krieg habe die singhalesische Gesellschaft in die Schizophrenie getrieben, betont Jehan Perera, Chef des "Nationalen Friedensrats", einer Initiative, die Lösungsansätze für den Konflikt erforscht. Privat verhielten sich die Singhalesen weiter freundlich, einfühlsam und kultiviert; politisch aber seien sie erschreckend brutalisiert und abgestumpft.

Die Demokratie Sri Lankas, meint Perera, sei zu einer Militärherrschaft unter gewählten Führern degeneriert. Fast tausend Menschenrechtler, Journalisten und Studenten seien in den vergangenen zwei Jahren verschwunden; über 2.000 säßen ohne Anklage im Gefängnis; viele würden gefoltert. Und kaum jemand rege sich darüber auf.

Der dem tamilischen diametral gegenüber stehende singhalesische Radikal-Nationalismus lässt sich für Friedensforscher Perera letztlich nur aus dem "Mahavamsa" erklären - aus jenem vor 1.500 Jahren von buddhistischen Mönchen verfassten Geschichtswerk, dass in Schulen und Haushalten der Singhalesen bis heute nicht nur gelesen, sondern als Basis der eigenen singhalesischen Identität verstanden wird.

Jehan Perera: "Um die Sturheit und Unnachgiebigkeit der Singhalesen gegenüber den Tamilen zu verstehen, muss man sich klar machen, wie tief verunsichert die Singhalesen sind. Diese Verunsicherung geht auf die Darstellung ihrer Geschichte im 'Mahavamsa' zurück. Danach kamen immer, wenn hier singhalesische Königreiche aufblühten, tamilische Invasoren aus Südindien und zerstörten die Königreiche. Die Singhalesen verstehen sich deshalb bis heute als belagerte Minderheit im südindischen Raum. - Und dieser Komplex, ein von der 'Ausrottung bedrohtes Volk' zu sein, veranlasst die Singhalesen, um keinen Preis nachzugeben gegenüber den Tamilen. Sie sind bis heute verunsichert und damit unfähig, großzügig auf die Tamilen zuzugehen. Genau das aber wäre nötig, um den Teufelskreis von Gewalt und Hass hier zu durchbrechen."

Sri Lankas Regierung, so scheint es, ist weiterhin gefangen in diesem Teufelskreis. Sie interniert derzeit praktisch die gesamte tamilische Bevölkerung des Nordens in Konzentrationslagern, umgeben von Stacheldraht, bewacht von Soldaten mit Maschinenpistolen.

Unter den zurzeit rund 300.000 Insassen der 40 Dschungelcamps gibt es, so das Rote Kreuz, bereits Tausende Fälle von Hepatitis, Typhus, Ruhr und Mangelernährung. Schuss- und Splitterwunden werden gar nicht oder unzureichend behandelt. Viele Menschen sterben; trotzdem blockiert Colombo immer wieder Nahrungsmittel-, Kleider und Wasserlieferungen von Hilfsorganisationen.

Aus den Gründen für ihre Politik der Konzentrationslager macht die Regierung kein Geheimnis: Sie verdächtigt die tamilische Bevölkerung - und auch ausländische Helfer - pauschal, mit der LTTE zu sympathisieren. Spezialisten des Militärs unterziehen deshalb sämtliche Tamilen intensiver Verhöre - auch Jugendliche, Frauen und Alte. Unabhängige Beobachter sind bei diesen Verhören nicht zugelassen; viele Verhörte sind verschwunden; Mitarbeiter von Hilfsorganisationen fürchten, dass sie liquidiert wurden.

Zu diesen Hilfsorganisationen zählt die Deutsche Welthungerhilfe, deren Mitarbeiter seit Jahren Bürgerkriegsopfer in Sri Lanka unterstützen - mit hohem persönlichen Risiko. Dirk Altweck, Büroleiter der Welthungerhilfe in Colombo, muss jedes Wort abwägen; seine Empörung und Verzweiflung angesichts der Konzentrationslager verbirgt er trotzdem nicht.

"Das größte Problem dort ist, dass in dem größten Lager, dass dort existiert, allein 140.000 Menschen zusammen leben müssen - auf engstem Raum; und dass zum Teil in Zelten, die für vier Personen gedacht waren, bis zu 10 Personen erst mal zeitweilig untergebracht sind. Und dazu kommt die Ungewissheit der Menschen, wie es dann weitergeht, wie lange sie dort bleiben, wann es eine Rücksiedlung in ihre Dörfer geben wird. Und viele Menschen sind natürlich auch von den Ereignissen, die sie durchmachen mussten, traumatisiert und brauchen da Unterstützung."

Die Inhaftierung hunderttausender unschuldiger Bürger unter schlimmsten Bedingungen in Sri Lanka erinnert an das Pol Pot-Regime in Kambodscha. Und wie jenes Regime begehe Sri Lankas Regierung mit dieser Masseninternierung Völkermord - erklären renommierte Juristen wie Francis Boyle, Professor für internationales Recht an der Universität von Illinois. Nach Artikel 2 der "UN-Konvention über die Bekämpfung des Völkermords" ist als Völkermord unter anderem definiert ...

" ... die vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für eine ethnische Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen."

Gegen den nach dieser Definition in Sri Lanka stattfindenden Völkermord müssten die Signatarstaaten der Konvention eigentlich vorgehen und die Schuldigen der Bestrafung zuführen. Von entsprechenden Aktivitäten der deutschen oder anderer Regierungen indes ist bislang nichts bekannt.

Mehr als wachsweiche Sanktionen wie gegen Simbabwes Diktator Mugabe kämen sowieso nicht zustande, meint achselzuckend Friedensforscher Jehan Perera; Sanktionen, über die Präsident Rajapakse nur lächeln würde.

Jehan Perera: "Ich bezweifle, dass die Regierung die Menschen aus den Lagern heraus lässt. Sie will auf jeden Fall verhindern, dass sich als Zivilisten getarnte LTTE-Kader irgendwo im Lande neu formieren. Langfristig wird dann die Regierung zunächst einigen Menschen erlauben, die Lager zu verlassen - alten Menschen und Kindern vor allem, nachdem sie diese sorgfältig überprüft hat."

Die Tamilen, die irgendwann die Internierungslager verlassen, würden auch dann nicht frei sein. Nur in den seltensten Fällen würden sie dort leben dürfen, wo früher ihr Haus stand.

Jehan Perera: "Wenn die Regierung den Norden neu besiedelt, wird sie dabei strengste Sicherheitskriterien anlegen. Sicherheitsexperten werden entscheiden, wo wieder Tamilen leben dürfen, wo Straßen und wie Häuser gebaut werden. - Insgesamt, glaube ich, wird Sri Lankas Regierung, um einen neuen tamilischen Aufstand zu vermeiden, eine zweigleisige Politik verfolgen: An vorderster Stelle wird die Sicherheit stehen. Das heißt: Da, wo Tamilen leben, wird es eine starke militärische Präsenz geben; und die Siedlungspolitik wird entsprechend ausgerichtet sein. Dazu wird es ein paar politische Reformen geben, die die Tamilen zumindest ein wenig zufrieden stellen."

Etwas kulturelle Autonomie vielleicht und die Erlaubnis, auch offiziell die eigene Sprache zu verwenden. Politische Autonomie jedoch, das Hauptanliegen der Tamilen, will und kann die singhalesische Regierung den Tamilen nicht gewähren. Dazu ist sie zu sehr Gefangener jener singhalesisch-nationalistischen Ideologie, mit der sie den Krieg gegen die LTTE geführt hat. Nur ein wenig Selbstverwaltung dürfte es geben - unter tamilischen Politikern vom Schlage Pillayans.

Pillayan ist ein kleiner, stämmiger Mann von etwa 40 Jahren mit einem runden, um würdigen Ausdruck bemühten Gesicht, der in seinem Sessel hinter dem riesigen Schreibtisch fast versinkt. Pillayan war Kindersoldat der "Tamil Tigers"; heute residiert er als Chefminister von Sri Lankas Ostprovinz in deren Hauptstadt Trincomalee. Pillayan wurde auf diese Weise von der Regierung in Colombo dafür belohnt, dass er und die ganze "Tiger"-Führung im Osten sich 2004 von der LTTE abspalteten und der Armee halfen, den Osten zu erobern.

Pillayan spricht davon, dass er Reisanbau, Rinderhaltung und die Fischerei zu neuen Höhen führen wolle in der Ostprovinz. Trincomalees Naturhafen will er ausbauen; und im Rahmen eines von Colombo finanzierten Entwicklungsplans sollen Investoren bald neue Fabriken bauen. Und irgendwann, meint Pillayan, werde die Zentralregierung ihm auch die Zuständigkeit für die Sicherheit im Osten übertragen.

Pillayan: "Leider sind die meisten Polizisten und Soldaten hier bis heute Singhalesen. Das muss sich ändern. Um in der Bevölkerung Vertrauen aufzubauen, brauchen wir eine tamilisch sprechende Polizei in der Ostprovinz. Dann werden die Leute wirklich merken, dass wir sie befreit haben."

Ganz anders als Pillayan sieht die Lage im Osten der Jesuitenpater und Rechtsanwalt Yogeswaran, der ein Menschenrechtszentrum in Trincomalee betreibt. Hier im Osten, erklärt Yogeswaran, lebten zu je einem Drittel Tamilen, Muslime und Singhalesen - in tiefem Misstrauen gegeneinander. Und hinter Pillayans Entwicklungsplan stehe die Absicht der Zentralregierung, mit dem Angebot von Jobs, Wohnungen und Land möglichst viele Singhalesen in die Region zu locken; den Osten also singhalesisch zu kolonisieren.

Yogeswaran: "Obwohl die Regierung Sri Lankas und ihre Marionetten ständig behaupten, der Osten sei befreit, merken die Menschen hier davon nichts. - Sicher, nach den Wahlen im Mai 2007 wurde eine Provinzregierung installiert. Die aber hat noch immer keinerlei Vollmacht, irgendetwas zu verwalten. Stattdessen machen paramilitärische Trupps der Regierungspartei TMVP und anderer Organisationen die Region unsicher. Ständig sieht sich die Zivilbevölkerung bedroht; es kommt zu zahlreichen Entführungen und Morden mitten in der Stadt."

Und so nimmt eine verhängnisvolle Entwicklung in Sri Lanka ihren Lauf: Die singhalesische Regierung unterdrückt weiter die Tamilen; diese werden, sobald sie sich vom Schock der militärischen Niederlage erholt haben, neuen Widerstand aufbauen - finanziert aus der Diaspora, die für die LTTE zuletzt 25 Millionen Euro jährlich aufbrachte. Frieden zwischen dem tamilischen und dem singhalesischen Nationalismus können Waffen nicht erzwingen; da sind sich alle Beobachter einig. Dauerhaften Frieden in Sri Lanka erreichen nur politische Gespräche auf Augenhöhe.

Gespräche, denen nicht zuletzt die internationale Gemeinschaft immer wieder den Weg zu ebnen versuchte - mit bedrückenden Resultaten: 1987 verbrannte sich Indien die Finger, als es in Sri Lanka intervenierte. Fortan hielten sich die Inder zurück; sie überließen dem Westen die Bühne. Ab 2001 schufen dann Deutschland und Norwegen, wie aus der Retorte, eine Art Friedensindustrie auf der Insel. Auf professionell organisierten Workshops sprachen immer dieselben Experten; Friedensarbeiter wurden auf die Dörfer geschickt, um mit der verdutzten Bevölkerung Versöhnung zu üben; eine Geberkonferenz im Jahr 2003 versprach den Srilankern vier Milliarden Dollar Aufbauhilfe, wenn sie denn Frieden schlössen.

Vergeblich. 2006 setzten sich bei Singhalesen und Tamilen die Scharfmacher durch. Und der Westen verkroch sich im Schmollwinkel: Er verbot die LTTE als "Terrororganisation", strich Sri Lanka die Entwicklungshilfe und beraubte sich so jeden Einflusses - sehr zur Freude der Chinesen, die flugs zum wichtigsten militärischen und wirtschaftlichen Partner Colombos avancierten.

Unterm Strich habe die internationale Gemeinschaft bislang völlig versagt beim so genannten Konfliktmanagement in Sri Lanka - resümiert Friedensforscher Perera. Dennoch, unterstreicht Perera, gebe es keine Alternative dazu, die Gemeinschaft der Staaten immer wieder in die Pflicht zu nehmen.

"Es ist extrem wichtig, dass die internationale Gemeinschaft interessiert bleibt an Sri Lanka und insbesondere am Schicksal der Tamilen. Im Moment nämlich haben die Tamilen keine Führung mehr - und keinerlei Verhandlungsmacht. Das heißt: Zumindest vorläufig kann nur die internationale Gemeinschaft sicherstellen, dass sie ein Minimum an Rechten behalten."

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