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StartseiteCampus & KarriereWas Führungskräfte lesen09.08.2021

Eine AuswahlWas Führungskräfte lesen

Es sind die großen Themen wie Führungsstil, Diversität oder Nachhaltigkeit, die Führungskräfte im Arbeitsalltag beschäftigen. Aber auch in ihrer Freizeit holen sich sich frische Ideen dazu aus Sachbüchern - oder suchen einfache Entspannung beim normalen Buch.

Von Andrea Lueg

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Stapel von Büchern liegen auf den Büchertischen einer Leipziger Buchhandlung.  (picture alliance/dpa-Zentralbild / Jan Woitas)
Lesen für Führungskräfte: eine Mischung aus Entspannung und Inspiration. (picture alliance/dpa-Zentralbild / Jan Woitas)

Nils Schmidt ist Vorstandsmitglied im Verband für Fach- und Führungskräfte und da auch für die Literaturtipps im verbandseigenen Magazin zuständig. "Ein Buch, das lese ich grade, ist von Karl-Ludwig Kley, Aufsichtsrat von Eon, und dem ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière, 'Die Kunst guten Führens', das ist einmal der Vergleich Führung in der Politik und Führung in einem Wirtschaftsunternehmen, was sehr interessant geschrieben ist von den Ansätzen her, wo sich beides unterscheidet, aber wo auch die Parallelen sind und wie dort geführt werden muss, um erfolgreich zu sein."

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk (imago / fStopImages / Malte Müller) (imago / fStopImages / Malte Müller)
Ganz klar gibt es für ihn derzeit einige Trends: "Es sind Trends, die in Richtung Diversität, neue Führung gehen, und weg von dem klassischen 'Wie benehme ich mich', sondern wie gehe ich in die Veränderung, also wir merken, dass sich viele unserer Mitglieder damit einfach beschäftigen: wie sieht Führung an sich aus, also Führung mit Nachhaltigkeit, Führung mit Diversität, dieser Gedanke wird ganz stark aufgegriffen."

Das Cover des Buchs von Karl-Ludwig Kley und Thomas de Maizière "Die Kunst des guten Führens" auf orange-weißem Hintergrund. (Deutschlandradio / Herder) (Deutschlandradio / Herder)

Mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltig führen, das heißt nicht nur, ökologisch und ressourcenschonend zu planen, sondern bedeutet auch einen anderen Führungsstil: weg vom eingreifenden Chef, der die Aufgaben verteilt und lobt oder tadelt, hin zu Strukturen mit eigenverantwortlichen Mitarbeitenden. Und zur Nachhaltigkeit passt auch der nächste Tipp von Nils Schmidt.

"Das ist ein Buch von Jule und Lukas Bosch, das sind Unternehmensaktivisten: 'ÖKOnomie – so retten Unternehmensaktivist*innen unsere Zukunft'. Und da geht’s darum, dass wir Nachhaltigkeit mehr einbauen müssen. Einmal in der Führung, wie die Führungskräfte ausgesucht werden müssen, aber auch, dass Unternehmen viel mehr in die Zukunft gucken müssen: Welche Möglichkeiten haben wir, um auch vernünftig zu führen, wenn wir schauen, dass wir ja nur begrenzte Ressourcen haben und was Unternehmen machen können, um wieder attraktiv für Mitarbeitende zu sein."

Übrigens scheinen die meisten Führungskräfte die reinsten Leseratten zu sein, oft allerdings abends und im Urlaub. Viele lesen gleich ein paar Bücher parallel, wie Gesine von der Groeben, Partnerin in der Wirtschaftskanzlei Dentons in Frankfurt.

"Es reicht von rechtlichen Themen, Diversitythemen bis zu einem guten Roman. Ist jetzt bisschen klischeehaft, aber ich hab tatsächlich eine Biografie von Ruth Bader Ginsburg, durch die ich mich gerade durcharbeite. Sie ist eine wahnsinnig beeindruckende Frau und ein großes Vorbild."

Ruth Bader Ginsburg (Archivbild September 2017) (Photo by Nicholas Kamm / AFP) (Photo by Nicholas Kamm / AFP)Nachruf auf Ruth Bader Ginsburg - Berüchtigte Kämpferin
Als Oberste Richterin kämpfte Ruth Bader Ginsburg für die Rechte aller Unterdrückten. Im September 2020 starb sie im Alter von 87 Jahren. Sie war eine Ikone liberaler Rechtsprechung.

Wie Nils Schmidt liest Gesine von der Groeben übrigens ausschließlich auf Papier. Und Hörbücher nur, wenn es mit den Kindern in den Urlaub geht. Ohne zu lesen, sagt die Juristin, kann sich kein Mensch weiterentwickeln. Auf ihrem Nachtisch liegen deshalb noch:

"Ein Buch von Steven Pincker, das ist ein Philosoph, 'Aufklärung jetzt'. Der fordert, dass es eigentlich eine neue Aufklärung im Kant‘schen Sinne geben muss und rückt ein bisschen den allgegenwärtigen Pessimismus into perspective."

Mehr Entspannung

Auf dem Schreibtisch von Susanne Jost, Geschäftsführerin vom St. Agatha Krankenhaus in Köln, stapelt sich die Fachliteratur. Die Pandemie bestimmt den Arbeitsalltag. Deshalb liest sie darüber hinaus kaum noch und wenn, dann am liebsten ganz andere Themen als die, mit denen sie tagsüber zu tun hat. Ein Buch hatte aber bei ihr dennoch Erfolg:

"Ich habe ein Buch geschenkt bekommen und wir befassen uns ja als Führungskräfte immer mit dem Wort Achtsamkeit, 'Achtsam morden' und ich musste auf der ersten Seite schon lachen und habe das sehr entspannt gefunden, dass man diese ernsten Themen auch fröhlich und freundlich lesen kann."

Illustration: Ein Mann harkt den Zen-Garten im Kopf eines Menschen. (imago / Ikon Images / Tommaso Incalci) (imago / Ikon Images / Tommaso Incalci)Feature: Der Achtsamkeitsboom
Das Leben des postglobalen, postfaktischen Ichs befindet sich in der Disbalance – das jedenfalls suggerieren Apps, Seminare und Coachings. Dagegen hilft Meditation, Entspannung, Achtsamkeit. Oder?

"Achtsam morden" ist ein Achtsamkeitsratgeber im Krimi-Gewand von Karsten Dusse. Und auch Nils Schmidt hat noch einen Tipp für Führungskräfte, die nach Entspannung beim Lesen suchen: "Vielleicht auch für die jüngeren Führungskräfte, das ist ein Buch über Fentanyl, das Schmerzmittel, was eine der führenden Drogen geworden ist, von Ben Westhoff, was man super am Strand oder im Hotelzimmer oder auf dem Balkon oder im Garten lesen kann."

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