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StartseiteLange NachtIm Namen des Volkes21.11.2015

Eine Lange Nacht vom Nürnberger ProzessIm Namen des Volkes

Es war ein Medienspektakel allerersten Ranges, aber kein Tribunal. Es wurde kein Standgericht, wie Churchill forderte, und kein russischer Schauprozess. Im Winter 1945 wurde in Nürnberg die Grundlage der deutschen Nachkriegsrepublik gelegt. Während sich die ersten Kriegsheimkehrer in den Trümmern an der Pegnitz zurechtzufinden suchten, wurden im Schwurgerichtsaal 600 an der Fürther Straße die ersten Umrisse von Rassenwahn und Völkermord skizziert.

Von Jochanan Shelliem

Die Hauptangeklagten (L-R) Hermann Göring, Rudolf Heß und Joachim von Ribbentrop auf der Anklagebank während der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesse am 13.02.1946 in Nürnberg. (picture alliance / dpa)
Die Hauptangeklagten (L-R) Hermann Göring, Rudolf Heß und Joachim von Ribbentrop auf der Anklagebank während der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesse am 13.02.1946 in Nürnberg. (picture alliance / dpa)

Richard W. Sonnenfeldt, Chefdolmetscher der Anklage, Ludwig Pflücker, der hessische Gefängnisarzt und der Psychiater Leon Goldensohn sprachen mit Hermann Göring und Rudolf Heß, mit Fritzsche, von Ribbentrop und Rosenberg. Pflücker starb sechs Jahre später an seinen Depressionen.

Mit Aufnahmen auf 3.700 Meter Band, 7.000 Schallplatten und Verhörprotokollen in 43 dicken Bänden, mit Reportagen von John Dos Passos, Xiao Quian, John Steinbeck, Hans Habe, Erika und Klaus Mann, mit Aussagen von Zeitzeugen und Prozessbeteiligten, mit Rundfunkberichten aus dem NWDR, denen Rosemarie Fendel, Otto Sander, Peter Liek und Martin Semmelrogge neben anderen Stimme verleihen. Mit Szenen aus Stanley Kramers Spielfilm über "Das Urteil von Nürnberg" werden die Hintergründe des Verfahrens aufgerollt, wird die Zeit ausgeleuchtet und der Schatten der Verdrängung vom verzweifelten Selbstmord 1949 von Klaus Mann in Cannes bis zu Marcel Ophüls Reportage "Nicht schuldig" verfolgt.

Mit dem Nürnberger Lehrprozess, der am 20. November 1945 begann, nahm die Adenauerrepublik ihre ersten Formen an, und die ersten Bürger sahen wieder weg.


Das Deutschlandradio-Feature "Im Namen des Volkes. Hinter den Kulissen des Nürnberger Prozesses" von Jochanan Shelliem bei Der Audio Verlag
 ISBN 978-3-86231-644-1
"Im Namen des Volkes" - Hinter den Kulissen des Nürnberger Prozesses von Jochanan Shelliem 

20. November 1945: Beginn des ersten Nürnberger Prozesses. 24 führende Persönlichkeiten des NS-Apparats sollen für den deutschen Angriffskrieg und Massenmord zur Rechenschaft gezogen werden. Das Feature von Jochanan Shelliem dokumentiert nicht nur präzise die Prozessabläufe, sondern gewährt durch Zeitzeugen wie Erika Mann, Gefängnisarzt Pflücker und Chefdolmetscher Sonnenfeldt - vielfach im O-Ton - einen profunden Einblick hinter die Kulissen. Berichte über intime Verhörszenen, das körperliche und seelische Befinden der Angeklagten sowie ihre Reaktionen auf die Urteilsverkündung erzeugen ein Bild von bedrückender Intensität.
Feature mit Otto Sander, Rosemarie Fendel u.v.a. 3 CDs | ca. 160 min Mehr

Die CD dieser Langen Nacht ist im Handel erhältlich.

Richard W. Sonnenfeldt
Mehr als ein Leben
Vom jüdischen Flüchtlingsjungen zum Chefdolmetscher der Anklage bei den Nürnberger Prozessen.
Aus d. Amerikan. v. Theda Krohm-Linke
Fischer Verlag (TB.), Frankfurt
Ein 15-jähriger jüdischer Junge aus Gardelegen in der Nähe von Berlin flüchtet 1938 über England, Australien und Indien nach Amerika. Als Soldat kehrt er nach Deutschland zurück und wird Chefdolmetscher der Anklage bei den Nürnberger Prozessen. Ihm wird der zweifelhafte Ruhm zuteil, dass Göring nur durch ihn sprechen möchte ...

Steffen Radlmaier
Der Nürnberger Lernprozess
Von Kriegsverbrechern und Starreportern.
Eichborn Verlag
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schrieb das Nürnberger Tribunal ein neues Kapitel in der Geschichte des Völkerrechts. Wenige erinnern sich heute noch daran, wie es dabei zuging. Der Prozess gegen die Nazi-Größen war ein Medienereignis erster Ordnung. Scharen von Reportern brachen 1945/46 in die zertrümmerte Stadt ein, unter ihnen Willy Brandt, der für die skandinavische Presse schrieb, und der Amerikaner William Shirer. Selbst China hatte einen Berichterstatter entsandt. Aber vor allem waren Schriftsteller aus der ganzen Welt angereist: Ernest Hemingway und Erika Mann, Ilja Ehrenburg und Louis Aragon, John Steinbeck, Erich Kästner, Konstantin Fedin, Robert Jungk, Martha Gellhorn, Victoria Ocampo, Peter de Mendelssohn, Rebecca West, John dos Passos ... Eine glänzende Liste, die sich fortsetzen ließe. Die Berichte dieser Autoren sind seither in Vergessenheit geraten. Steffen Radlmaiers Recherche zeigt, dass sie mehr als alle Prozessakten über die Atmosphäre und die Wechselfälle des Prozesses sagen. Es sind Impressionen aus erster Hand. Das Weltgericht tagte nicht nur im Schwurgerichtssaal 600, sondern auch, bei Whisky und Wodka, im Bleistiftschloss der Faber-Castell, das als internationales Presse-Camp diente. Die Unmittelbarkeit dieser Zeugnisse versetzt den Leser in eine Zeit, von der sich die Nachgeborenen kaum eine Vorstellung machen können. Für die Chronologie der Ereignisse sorgen Meldungen aus der Tagespresse. Auf diese Weise vergegenwärtigt das Buch auch den Verlauf des Prozesses und das Ende der Angeklagten.

Der Nürnberger Lernprozess
2 Audio-CDs
Inszenierte Lesung. 156 Min.. Sprecher: Wolf Fraas, Sascha Icks, Josef Tratnik u. a.
Eichborn Lido Verlag
Texte von Willy Brandt, Erika Mann, Alfred Döblin u. a. - inszeniert als spannendes Gerichtshörspiel! Mehr als 350 Journalisten, Rundfunkreporter und Schriftsteller berichteten für die internationale Öffentlichkeit aus dem legendären Schwurgerichtssaal 600 über den Nürnberger Prozess. Die Unmittelbarkeit ihrer Berichte, Impressionen und Gedanken versetzt den Hörer in eine Zeit, von der sich die Nachgeborenen kaum eine Vorstellung machen können.

Steffen Radlmaier, Siegfried Zelnhefer
Tatort Nürnberg
Auf den Spuren des Nationalsozialismus.

Ein ars vivendi Stadtführer.
ars vivendi Verlag

Thomas Darnstädt
Nürnberg - Menschheitsverbrechen vor Gericht 1945
Piper Verlag, 2015, 416 Seiten, 24,99 Euro

Die Nürnberger Prozesse
Nürnberg 1945: Die Nazi-Elite muss sich für ihre Verbrechen verantworten.

Das ist etwas unvergleichlich Kühnes in der Geschichte der Menschheit: am Ende eines Krieges kein Blutvergießen, kein Friedensvertrag - stattdessen ein Prozess. Zum ersten Mal werden verantwortliche Politiker und Militärs vor Gericht gestellt. Niemand im Saal 600 des Justizpalastes hätte sich vorstellen können, welche Wucht die Ideen von Nürnberg bekommen sollten. Das Verfahren der Alliierten gegen die "Hauptkriegsverbrecher" (darunter Reichsmarschall Hermann Göring, Außenminister Joachim von Ribbentrop, Hitler-Sekretär Martin Bormann) endete mit 12 Todesurteilen und langjährigen Haftstrafen.

Thomas Darnstädt, promovierter Jurist und Autor des Magazins Spiegel, zeigt, wie diese 218 Verhandlungstage die Welt veränderten, wie dieser spektakuläre Prozess zur Geburt des modernen Völkerrechts führte.


Ausschnitt aus dem Sendemanuskript: 

Richard W. Sonnenfeldt: "Ich war der Chefdolmetscher der amerikanischen Anklage, nicht vom Gericht, und für meine Geschichte, ist das sehr wichtig."

Erich Kästner: "Aber die Menschen sind unheimliche Leute. Wer seine Schwiegermutter totschlägt, wird geköpft. Das ist ein uralter verständlicher Brauch. Wer aber Hunderttausende umbringt, erhält ein Denkmal. Straßen werden nach ihm benannt. Und die Schulkinder müssen auswendig lernen, wann er geboren wurde und wann er friedlich die gütigen Augen für immer schloss..."

Richard W. Sonnenfeldt: "In den Monaten zwischen Mai und Oktober.. am 21. Oktober 1945 wurde die Anklage den Angeklagten offiziell überreicht, bis dahin waren sie nur Zeugen und zwischen dem Mai und Oktober konnten wir sie als Zeugen vernehmen. Als die Anklage offiziell war, war das nicht mehr möglich."

Erich Kästner: "Einen einzigen Menschen umbringen und 100.000 Menschen umbringen ist also nicht dasselbe? Es ist also ruhmvoll? Nein, es ist nicht dasselbe. Es ist genau hunderttausendmal schrecklicher! - Nun werden die 24 Angeklagten sagen, sie hätten diese neue, aparte Spielregel nicht gekannt. Als sie ihnen später mitgeteilt wurde, sei es zu spät gewesen. Da hätten sie nicht aufhören können. Da hätten sie wohl oder übel noch ein paar Millionen Menschen über die Klinge springen lassen müssen ...
Es sind übrigens nicht mehr 24 Angeklagte. Ley hat sich umgebracht. Krupp, heißt es, liegt im Sterben. Kaltenbrunner hat Gehirnblutungen. Und Martin Bormann ? Ist er auf dem Wege von Berlin nach Flensburg umgekommen? Oder hat er sich irgendwo im deutschen Tannenwald einen Bart wachsen lassen und denkt, während er Zeitung liest: "Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn"?"

Richard W. Sonnenfeldt: "Und ich bin einer der wenigen Überlebenden, der einzige Überlebende, soweit ich das weiß, der die Chance gehabt hat mit alle den Angeklagten im Nürnberger Prozess persönlich und in ganz kleinem Rahmen zu sprechen. Aber es gibt viele Leute, die dort waren, während dem Prozess und da gab es nur offizielle Angaben und Verlesungen von Sachen, die wir schon gehabt haben. 082 Da habe ich dann die Möglichkeit gehabt, in ganz intimen Befragungsräumen, entweder als Dolmetscher oder als Befrager mit diesen Nazis zu sprechen."

Zitat Prozess: Digitale Bibliothek / Kästner: Der Nürnberger Lernprozess / Interview Sonnenfeldt: Jochanan Shelliem

Der Internationale Militärgerichtshof von Nürnberg ist zuständig für die Verurteilung von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verbrechen gegen den Frieden.

Memorium Nürnberger Prozesse Museen der Stadt Nürnberg

Das Internationale Militärtribunal
Der Nürnberger Prozess
Von Prof. Dr. Klaus Kastner
Präsident des Landgerichts Nürnberg-Fürth a.D.
Literatur zu den Nürnberger Prozessen

Klaus Kastner

Die Völker klagen an
Der Nürnberger Prozess 1945 - 1946.

2015   Theiss Verlag
2015 jährt sich der Beginn des Internationalen Militärtribunals in Nürnberg zum 70. Mal. Es war ein absolutes Novum, als die Alliierten 1945 daran gingen, führende Vertreter des 'III. Reichs' vor Gericht zu stellen. Der Nürnberger Prozess setzten nicht auf Rache sondern auf das Recht. Die Verantwortung führender Nazis sollte strafrechtlich geahndet werden.  
Als die Alliierten 1945/46 den führenden Repräsentanten des Dritten Reiches den Prozess machten, betraten sie juristisches Neuland. Für die Geschichte der Völker wie des Völkerrechts war dies ein absolutes Novum. Dabei setzte das Internationale Militärtribunal nicht auf Rache, sondern auf Recht. Die persönliche Verantwortung führender Nazi-Kriegsverbrechen sollte strafrechtlich geahndet werden.
Klaus Kastner, selbst Richter, stellt den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46 in allen Verfahrensabschnitten dar - vom Statut des Tribunals über die Besetzung der Richterbank bis zu den Urteilen und ihrer Vollstreckung. Die einzigartigen Fotodokumente der damaligen Gerichtsfotografen Ray d'Addario lassen uns das Geschehen auch nach 70 Jahren zum Greifen nah erscheinen.

Das Internationale Militärtribunal von Nürnberg 1945/46
Die Reden der Chefankläger.
Neu gelesen und kommentiert.
Zum 70. Jahrestag des Internationalen Militärtribunals Nürnberg. Mitarbeit: Huhle, Rainer; Böhm, Otto .   Herausgegeben von Nürnberger Menschenrechtszentrum  
2015  CEP Europäische Verlagsanstalt

Die Hauptankläger der vier Siegermächte haben zu Beginn und am Ende des Nürnberger Prozesses große programmatische Reden gehalten, in denen sie ihre rechtsphilosophischen Ansichten, ihre Sicht auf die Verbrechen des Nationalsozialismus und ihre Zukunftsvisionen für ein internationales Strafrecht für Verbrechen gegen den Frieden und gegen die Menschheit deutlich machten.
Von diesen Reden ist diejenige des amerikanischen Anklägers Robert H. Jackson als einzige ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gelangt.
Die Reden des britischen Anklägers Hartley Shawcross, der französischen Ankläger François de Menthon und Auguste Champetier de Ribes sowie des sowjetischen Anklägers R. A. Rudenko, sind hingegen so gut wie unbekannt geblieben.
Zu Unrecht, denn in ihnen finden sich ebenfalls Gedankengänge, die für den Umgang mit der NS-Vergangenheit in den jeweiligen Ländern und weltweit bedeutsam waren, aber auch zukunftsweisend für die nationale und internationale juristische Behandlung von Staatsverbrechen.
Von den vier Eröffnungsreden und den vier Schlussplädoyers werden hier je eine Rede der vier Mächte nachgedruckt und mit kommentierenden Essays begleitet. Diese Essays beleuchten zum einen historisch-kritisch die Argumentationslinien der Reden aus ihren - durchaus unterschiedlichen - Rechtsverständnissen und zum andern verdeutlichen sie die Elemente, die im Sinne der "Nürnberger Prinzipien" zukunftsweisend und -wirksam waren.


Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Noch heute zeugen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände im Süden Nürnbergs gigantische Baureste vom Größenwahn des nationalsozialistischen Regimes. Auf elf Quadratkilometern sollte hier eine monumentale Kulisse für die Selbstinszenierung der NSDAP entstehen.
Seit 2001 befindet sich im Nordflügel der von den Nationalsozialisten für 50.000 Menschen konzipierten, unvollendet gebliebenen Kongresshalle das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Mit seinem "Pfeil aus Glas und Stahl", der sich durch den Nordflügel bohrt, setzt auch von außen ein weithin sichtbares architektonisches Zeichen. Auf 1.300 qm befasst sich die Dauerausstellung "Faszination und Gewalt" mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Dabei stehen jene Themen, die einen direkten Bezug zu Nürnberg aufweisen, im Mittelpunkt der 19 chronologisch strukturierten Ausstellungsbereiche: die Geschichte der Reichsparteitage, die Bauten des Reichsparteitagsgeländes, die "Nürnberger Gesetze" von 1935, der "Nürnberger Prozess" gegen Hauptverantwortliche der NS-Verbrechen 1945/46 und seine zwölf Nachfolgeprozesse sowie der schwierige Umgang mit dem nationalsozialistischen Architekturerbe nach 1945. Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände


Schwurgerichtssaal 600
Landgericht Nürnberg-Fürth
Fürther Str. 110
90429 Nürnberg
Tel. 0911 / 2 31 54 21

Am 20. November 1945 begann im eigens umgebauten Schwurgerichtssaal 600 des Nürnberger Justizpalastes der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Nürnberg bot sich als Verhandlungsort nicht nur aufgrund der Symbolik, sondern vor allem wegen des großzügig angelegten, weitgehend unzerstörten Justizpalastes in der Fürther Straße und seiner Lage in der US-Zone an. 21 führende Vertreter des nationalsozialistischen Regimes mussten sich damals auf der Anklagebank in Nürnberg wegen ihrer Verbrechen gegen Frieden und Menschlichkeit verantworten. Organisatorisch stellte der Prozess alles bisher Dagewesene in den Schatten. In dem 218 Tage langen Verfahren hörte das Gericht 240 Zeugen und prüfte über 300.000 eidesstattliche Erklärungen. Nach elf Monaten wurden im Oktober 1946 die Urteile im Internationalen Hauptkriegsverbrecherprozess verkündet, ein Meilenstein der Geschichte des Völkerrechts. Den anschließend wieder in den Ursprungszustand zurückgebrachten Saal nutzt das Landgericht bis heute für Verhandlungen des Schwurgerichts. Die Führungen der Museen der Stadt Nürnberg finden daher nur am Wochenende statt. Sie stellen den historischen Ort vor und sind ein erstes Informationsangebot des entstehenden Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände.
Schwurgerichtssaal 600

Zukunft braucht Erinnerung ist eine gemeinnützige Initiative, die sich seit 1996 unter dem Gedanken zivilgesellschaftlichen Engagements mit den Themen Holocaust, Shoah, Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg sowie ihren Nachwirkungen bis in die Gegenwart widmet. Allein durch das Engagement von ehrenamtlichen Autoren ermöglicht, bietet das Portal einen einzigartigen, virtuellen Informations- und Gedenkort.

Gustave M. Gilbert
Nürnberger Tagebuch.

Gespräche d. Angeklagten m. d. Gerichtspsychologen.

Fischer Verlag (TB.), Frankfurt

Vom ersten Tag des Nürnberger Hauptkriegsverbrecher-Prozesses an unterhielt sich der Autor, der als Gerichtspsychologe hinzugezogen wurde, mit jedem der Angeklagten unter vier Augen. Seine ausführlichen Gespräche hielt er in einem exakt geführten Tagebuch fest. Das Buch enthält wichtige sachliche sowie atmosphärische Hintergrundinformationen über die Reaktion der Hauptangeklagten auf das Verfahren. Es gelang damals dem erfahrenen Psychologen, das Vertrauen der Häftlinge zu gewinnen. Mit all ihren subalternen Rechtfertigungsversuchen, mit politischen Halbwahrheiten und zynischen Erklärungen enthüllen sie ihm ihre wahren Charaktere. Das Tagebuch zeigt die Angeklagten nicht vor den Schranken des Gerichts, sondern in den Pausen und in den Zellen, kurz: in einer Situation, in der sie weitgehend prozesstaktische Erwägungen fallen lassen und persönliche Ansichten aussprechen konnten. Darüber hinaus dokumentiert das Tagebuch die Spannungen und Rivalitäten, die nicht nur während des Prozesses, sondern auch vorher, zwischen den führenden Nationalsozialisten bestanden. Bei seinem Erscheinen schrieb die "New York Times" zu Recht: "Das Material, das hierin enthalten ist, schließt eine wichtige Lücke."

Christiane Kohl
Das Zeugenhaus
Nürnberg 1945: Als Täter und Opfer unter einem Dach zusammentrafen.
Goldmann Verlag
Eine neue Perspektive auf die "Stunde Null", die Abrechnung und den Neubeginn vor 60 Jahren.
Nürnberg im Herbst 1945: Die Stadt liegt in Trümmern; wie überall in Deutschland versuchen die Menschen NS-Diktatur und Krieg zu verdrängen und neu anzufangen. Doch im Nürnberger Gerichtspalast tritt ein Weltgericht zusammen, das über Nazi-Deutschland und seine Repräsentanten urteilen soll. In einer Villa am Stadtrand bewirtet die ungarisch-deutsche Gräfin Kalnoky - im Auftrag der US-Army - eine illustre Gästeschar: Zeugen der Anklage und der Verteidigung warten auf ihre Vernehmung im Nürnberger Prozess. Unter Regie der Alliierten treffen im Zeugenhaus Regime-Gegner, ehemalige KZ-Gefangene, NS-Sympathisanten, Gestapo-Offiziere und Generäle aufeinander. Machtbesoffene von einst präsentieren sich als harmlose Mitmacher. Frühere Nazi-Verfolgte hören mit stillem Groll zu. Einstige Todfeinde sitzen gemeinsam bei Tisch und diskutieren in knisternder Atmosphäre über Judenvernichtung, Wehrmachtsverbrechen, die angebliche Unwissenheit Hitlers.

John Dos Passos
Das Land des Fragebogens
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Im Auftrag des Magazins "Life" begibt sich der amerikanische Schriftsteller John Dos Passos Ende 1945 in das zerstörte Europa. Er besucht Frankfurt und Berlin, beobachtet die Eröffnung der Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg und berichtet über die Situation in Wien. Dos Passos spricht mit amerikanischen, sowjetischen, britischen und französischen Soldaten, und er berichtet besonders von den Deutschen, die sich im Jahre 1 nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches mehrheitlich als die Besiegten und keineswegs als die Befreiten fühlen.
Zu dieser Zeit liegen die Probleme noch offen zutage, deren Lösungen für die nächsten Jahre weit reichende Folgen haben sollten: Wie ist mit dem besiegten Deutschland umzugehen? Welches Gesellschaftssystem kann Europa Freiheit und soziale Sicherheit bringen? Dos Passos macht keinen Hehl aus seiner Kritik an dem nachgiebigen Verhalten der US-Regierung gegenüber der Sowjetunion auf den Konferenzen von Teheran, Jalta und Potsdam. Sprachgewaltig schildert er das Chaos aus Trümmern, Kälte und Elend sowie zaghafte Neuanfänge von Zivilisation. Seine Reportagen sind voller Melancholie und frei von jeder Siegermentalität. "Nie in meinem Leben habe ich mich trauriger und weiser gefühlt als nach dieser Europareise."

Erika Mann
Blitze überm Ozean
Aufsätze, Reden, Reportagen
hrsg. von Irmela von der Lühe und Uwe Naumann
Rowohlt Verlag

Joe J. Heydecker, Johannes Leeb
Der Nürnberger Prozess
Kiepenheuer & Witsch

Der Nürnberger Prozess
1 CD-ROM.
Das Protokoll des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, 14. November 1945 - 1. Oktober 1946.
Mit e. Einf. v. Christian Zentner.
Directmedia Publishing

Das Gedenkstättenforum: In den letzten zwei Jahrzehnten ist in Deutschland eine große Zahl neuer Gedenkstätten entstanden. Deren Arbeit bezieht sich in erster Linie auf den konkreten Tatort. Von Anfang an haben sich die Gedenkstätten jedoch auch als Netzwerk verstanden. Erst mit der Betrachtung der zahlreichen Orte im Zusammenhang wird die Entwicklung und Bandbreite der nationalsozialistischen Verfolgung deutlich. Gleichzeitig hat die in letzter Zeit intensiv geführte Diskussion über die Zusammenarbeit der Gedenkstätten untereinander, sowie die sich darauf begründende Organisationsstruktur, eines immer wieder deutlich gemacht: In Zukunft wird es unbedingt notwendig sein, den Informationsaustausch zwischen den Gedenkstätten zu verbessern und effizienter zu gestalten. Das Internet ermöglicht Organisationen, die einerseits auf ständigen informellen Austausch angewiesen sind, andererseits große räumliche Distanzen überwinden müssen, neue Formen der Kommunikation. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen hat die Stiftung Topographie des Terrors das Online GedenkstättenForum konzipiert, welches als interaktive Einstiegs- und Kommunikations-Plattform für den Gedenkstättenbereich dienen soll. Das Online GedenkstättenForum soll durch die Mitwirkung aller Interessierten zu einem Knotenpunkt für die Deutsche Gedenkstättenlandschaft werden.
Gedenkstättenforum

Die Stiftung Topographie des Terrors hat eine internationale Übersicht zu Gedenkstätten, Museen und Forschungseinrichtungen erstellt.
Gedenkstättenübersicht.

Urteil von Nürnberg
("Judgement At Nuremberg")
(USA, 1961) Regie: Stanley Kramer, Film-Länge: 188 Min
Von 1945 bis 1959 fanden die "Nürnberger Prozesse" gegen führende Mitglieder des Nazi-Regimes statt. Stanley Kramers dreistündiger Film konzentriert sich auf den "Juristenprozeß" gegen vier führende Richter des "Dritten Reiches", u.a. Hitlers Justizminister Ernst Janning (Burt Lancaster). Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt, die Verteidigung argumentiert aber damit, sie hätten nur damals geltendes Recht angewendet. Der vorsitzende Richter Haywood (Spencer Tracy), der von verschiedenen Seiten bereits im Vorfeld unter Druck gesetzt wird, stößt zunächst auf eine Mauer aus Schweigen, ehe Janning das Schweigen bricht... In "Urteil von Nürnberg" geht es nicht vorrangig darum, die Grausamkeit des totalitären Hitler-Regimes einmal mehr unter Beweis zu stellen. Es geht viel mehr um die Denkweisen der Verantwortlichen von damals und ihr Recht auf ein "faires" Verfahren.

Ausschnitt aus dem Sendemanuskript

Erich Kästner: "Die Scheinwerfer an der Balkendecke strahlen auf. Die Richter erscheinen. Die beiden Russen tragen Uniform. Man setzt sich wieder. Die Männer in der eingearbeiteten Rundfunkbox beginnen fieberhaft zu arbeiten. Aus fünf hoch in den Wänden eingelassenen Fenstern beugen sich Photographen mit ihren Kameras vor. Die Pressezeichner nehmen ihre Skizzenblocks vor die Brust. Der Vorsitzende des Gerichts eröffnet die Sitzung."

"Dem amerikanischen Hauptankläger folgt der französische. Er bringt vor, welche Untaten das westliche Europa den Kriegsverbrechern zur Last legt. Mord an Kriegsgefangenen, Mord an Geiseln, Raub, Deportation, Sterilisation, Massenerschießungen mit Musikbegleitung, Folterungen, Nahrungsentzug, künstliche Krebsübertragungen, Vergasung, Vereisung am lebendigem Leibe, maschinelle Knochenverrenkung, Weiterverwendung der menschlichen Überreste zur Dünger und Seifengewinnung... Ein Meer von Tränen... Eine Hölle des Grauens ... Um zwölf ist Mittagspause. In den Gängen wimmelt es von Journalisten, Talaren, sprachen, Uniformen. Da - ein bekanntes Gesicht ! ”Grüß Gott !”
How do you do !
Meine erste Frage ist: "Wen in diesem Jahrmarktstreiben kennen Sie? Die Leser unseres Blattes. Sie verstehen...” Der andere versteht. Wozu ist er Journalist!"

"Also: der große Mann dort drüben, ja, der in Uniform, mit dem Mondschein im Haar, ist John Dos Passos. Der berühmte Romanschriftsteller. Er ist für die New Yorker Zeitschrift Life nach Nürnberg gekommen... die Amerikanerin mit dem schmalen Kopf und dem dunklen, glatt anliegenden, kurz geschnittenen Haar ist Erika Mann, die Tochter Thomas Manns. Sie ist für die Londoner Zeitung Evening Standard hier. Und für eine amerikanische Zei... Halt, sehen Sie den Engländer dort ? Den mit der Hornbrille, ganz recht ! Das ist Peter de Mendelsohn. Vor 1933 war er ein deutscher Schriftstel... ach, das wissen Sie natürlich.. jetzt schreibt er seine Romane englisch.. Seine Prozessberichte gehen an den New Statesman in London und an die Nation in Amerika. Wer sonst noch ? die beiden am Fenster sind Howard Smith von der New Yorker Rundfunkgesellschaft CBS und William Shirer, er war bis kurz vorm Krieg in Berlin und schrieb dann darüber einen Bestseller unter dem Titel Berlin Diary. Ferner... Hallo, Irvin ! - Pardon ! Fort ist er."

Richard W. Sonnenfeldt: "In diesem Gerichtssaal in Nürnberg, da war kein Mann, der persönlich einen Menschen ermordet hätte, da waren nur Menschen, die die Befehle dazu gegeben hatten.. abstrakt davon wußten. In diesem Gerichtssaal in Nürnberg, da kam ein Moment, zwei Momente, die fantastisch waren."

Erich Kästner: "Göring trägt eine lichtgraue Jacke mit goldenen Knöpfen. Die Abzeichen der Reichsmarschallwürde sind entfernt worden. Die Orden sind verschwunden. Es ist eine Art Chauffeurjacke übrig geblieben."

1. Nürnberger Prozess:
Göring: "Im Einzelnen möchte ich zur Verantwortung der Dinge klar stellen: Der Führer Adolf Hitler ist tot. Ich galt als sein Nachfolger in der Führung des Dritten Reichs. Deshalb muss ich zu meiner Verantwortung erklären: Mein Bestreben war... "
Dolmetscher: "Das Gericht wünscht, dass Sie keine Reden halten. Das Gericht ist vollkommen im Stande, den Unterschied zwischen formaler Verantwortlichkeit und tatsächlicher Verantwortlichkeit für Befehle, die Sie gegeben haben, zu verstehen."

Erich Kästner: "Er ist schmaler geworden. Manchmal blickt er neugierig dahin, wo die Ankläger sitzen. Wenn er seinen Namen hört, merkt er auf. Dann nickt er zustimmend. Oder wenn der Ankläger sagt, er sei General der SS gewesen, schüttelt er lächelnd den Kopf. Zuweilen beugt er sich zu seinen Anwälten vor und redet auf sie ein. Meist ist er ruhig."

Richard W. Sonnenfeldt: "Der Göring hatte den Ruf, sehr schwierig für die Dolmetscher zu sein, denn er hat sie unterbrochen und ich hatte das schon gehört und hatte gedacht, das lasse ich ihn nicht machen. Und das erste Mal.. Ich war nicht der Vernehmer, ich war der Dolmetscher.. ich möchte.. Herr Gering.. alter Witz in Deutschland. Herr Gering, Sie können wählen ob Sie englisch sprechen wollen oder deutsch.. wenn ich fertig bin, dann fragen Sie mich um erlaubnis. Wenn Sie mich nicht mehr unterbrechen werden, dann werde ich Sie auch Göring nennen."

1. Nürnberger Prozess / Rudolf Hess
"Ab nunmehr steht mein Gedächtnis auch nach außen hin wieder zur Verfügung. Die Gründe für das Vortäuschen von Gedächtnisverlust sind taktischer Art. Tatsächlich ist lediglich meine Konzentrationsfähigkeit etwas herabgesetzt. Dadurch wird jedoch meine Fähigkeit, der Verhandlung zu folgen, mich zu verteidigen, Fragen an Zeugen zu stellen oder selbst Fragen zu beantworten, nicht beeinflußt. Ich betone, dass ich die volle Verantwortung trage für alles, was ich getan, unterschrieben oder mitunterschrieben habe.
Meine grundsätzliche Einstellung, dass der Gerichtshof nicht zuständig ist, wird durch obige Erklärung nicht berührt. Ich habe bisher auch meinem Offizialverteidiger gegenüber den Gedächtnisverlust aufrechterhalten, er hat ihn daher guten Glaubens vertreten."

"Schlichte Lügen oder taktischer black out, das Schweigen oder die Einsilbigkeit der Angeklagten sagen manchmal mehr über die Wahrheit als beredte Worte. Ernst Kaltenbrunners Verteidiger Dr. Kaufmann verhört den ehemaligen Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, um seinen Mandanten zu entlasten:

1. Nürnberger Prozess / Kaufmann - Höss
Kaufmann "Ist es richtig, dass Sie im Jahre 1924 zu einer längeren Zuchthausstrafe verurteilt worden sind, wegen Ihrer Beteiligung an einem sogenannten Fememord?"
Höss: "Jawoll."
Kaufmann: Sie waren von 1940 bis 43 Lagerkommandant von Auschwitz. Stimmt das ?
Höss "Jawoll."
Kaufmann: "Und in dieser Zeit sind hunderttausende von Menschen dort in den Tod geschickt worden? Ist das richtig?"
Höss: "Jawoll."
Kaufmann: "Ist es richtig, dass Sie selbst keine genauen Aufzeichnungen über die Zahl dieser Opfer haben? Weil Ihnen diese Aufzeichnungen verboten war?"
Höss "Das ist richtig."
Kaufmann: "Ist es weiter richtig, dass ausschließlich ein Mann namens Eichmann hierüber Aufzeichnungen hatte ? Der Mann, der mit der Organisation und der Sammlung der Menschen beauftragt worden war."
Höss: "Jawoll."
Kaufmann Ist es weiter richtig, dass Ihnen Eichmann erklärte, insgesamt seien in Auschwitz über zwei Millionen jüdische Menschen vernichtet worden ?
Höss: "Jawoll."
Kaufmann: "Männer, Frauen und Kinder."
Höss: "Ja."

Richard W. Sonnenfeldt: "Nürnberg war eine große Ruine.. da gab es keine Straße in Nürnberg. Da war der Schutt und die Steine, da konnte man gerade einen Jeep durchtreiben ... da waren keine Männer, die waren Kriegsgefangene.. die Frauen waren da, um Ordnung zu machen und manchmal hat man einen Einarmigen gesehen.. oder einen Greis ... oder Kinder ... und da habe ich ein Stück von einer Zigarette herausgeworfen ... drei Frauen ... wie Möwen.. die glücklichsten von den Deutschen sind die Kriegsgefangenen, denen hat man dieselben Rationen gegeben wie uns."

"Fünf Stunden hat die Verlesung der Anklage gebraucht, 1100 Tonnen Akten wurden allein von der amerikanischen Anklagebehörde geprüft und mancher Zeuge, den Richard Sonnenfeldt vernommen hat, wie Rudolf Höss, haben Aussagen über das NS-Systems gemacht, die manchen Mörder auf der Flucht Jahrzehnte später überführen werden."

1. Nürnberger Prozess / Kaufmann - Höss
Kaufmann "Der Tod durch Vergasung trat dann ein in einem Zeitraum von drei bis 15 Minuten, sagten Sie mir unlängst, ist das richtig?"
Höss: "Jawoll."
Kaufmann: "Sie sagten mir weiter, dass schon vor diesem endgültigen Eintritt des Todes eine Betäubung der Opfer früher eingetreten sei."
Höss: "Jawoll, so wie ich durch eigene Beobachtung bzw. durch die Ärzte erfahren hatte, war je nach Temperatur und Zahl der in den Räumen vorhandenen Personen die Dauer der Betäubung bzw. des Todes sehr verschieden. Die Betäubung fand in wenigen Sekunden bzw. Minuten statt."
Kaufmann: "Haben Sie selbst jemals angesichts Ihrer eigenen Familie und Kinder Mitleid mit den Opfern gehabt?"
Höss: "Jawoll"

Erich Kästner: "Heimfahrt auf der Autobahn. Der Nebel ist noch dicker geworden. Man könnte ihn schneiden. Der Wagen muss Schritt fahren. Ich blicke aus dem Fenster und kann nichts sehen. Nur zähen, milchigen Nebel ..."

Richard W. Sonnenfeldt: "Als Schacht und von Papen freigelassen wurden, da wollte man sie aus dem Gefängnis und aus dem Gerichtsgebäude herauslassen und da war so eine ärgerliche Bevölkerung, dass man sie zu ihrem Schutz wieder reinnehmen musste hat. Und man hat sie noch zehn Tage im Gefängnis für ihre eigene Sicherheit behalten, bis sie einen Platz finden könnten und sind sie dann in der Nacht herausgeschmuggelt worden."

1. Nürnberger Prozess / Strafverkündung / Lordrichter Lawrence
Lawrence: "We now pronounce the sentences on the defendants, convicted on this indictment.
Reporter Ein Augenblick höchster Spannung, die Anwälte drehen sich um."
Lawrence: "Hermann Wilhelm Göring."
( Darüber ) Reporter: "Wir schalten auf Gerichtshof um. "
"On the counts of the indictment, on which you are convicted... can you hear now?
On the counts of the indictment, on which you have been convicted, the International Military Tribunal sentences you to death by hanging!
Rudolf Hess ... Imprisonment for life.
Joachim von Ribbentrop ...death by hanging.
Wilhelm Keitel ...death by hanging
Alfred Rosenberg ...death by hanging
Hans Frank ...death by hanging
Wilhelm Frick ...death by hanging
Julius Streicher ...death by hanging
Walter Funk ...Imprisonment for life.
Karl Dönitz ...ten years imprisonment
Erich Raeder ...imprisonment for life
Baldur von Schirach ... twenty years imprisonment
Fritz Sauckel ...death by hanging
Alfred Jodl ...death by hanging
Arthur Seyss-Inquart ...death by hanging
Albert Speer ...twenty years imprisonment
Constantin von Neurath ...fifteen years imprisonment
Martin Bormann ...death by hanging."

Erich Kästner: "Jetzt sitzen also der Krieg, der Pogrom, der Menschenraub, der Mord en gros und die Folter auf der Anklagebank. Riesengroß und unsichtbar sitzen sie neben den angeklagten Menschen. Man wird die Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen. Ob das gelingt? Und dann: Es darf nicht nur diesmal gelingen, sondern in jedem künftigen Falle! Dann könnte der Krieg aussterben. Wie die Pest und die Cholera. Und die Verehrer und Freunde des Krieges könnten aussterben. Wie die Bazillen.
Und spätere Generationen könnten eines Tages über die Zeiten lächeln, da man einander millionenweise totschlug.
Wenn es doch wahr würde! Wenn sie doch eines Tages über uns lächeln könnten!"

Richard W. Sonnenfeldt: "Aber ich habe auch ein Bedauern...und ich habe gedacht, dass dieser Nürnberger Prozess ein Anfang sei für ein universelles internationales Recht und wie sie wissen haben wir bis jetzt das Gericht in Den Haag gehabt und das Internationale Verbrechensgericht und die Vereinigten Staaten haben noch nicht unterschrieben. Und ich habe mir immer gesagt, dieser Prozess soll nicht ein Prozess für die Sieger über Verlierer sein, sondern soll ein Beispiel sein für Weltrecht. Und ich glaube, es war ein gutes Beispiel, und ich hoffe, wir sollten ein besseres universales Weltrecht haben."

 

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