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StartseiteSport am WochenendeEine Partie mit dem Kreml21.10.2012

Eine Partie mit dem Kreml

Der russische Fußball verbessert sein Image auch mit deutscher Hilfe

Russlands Großmachtanspruch wird über den Fußball untermauert: Über eine geldstrotzende Liga, das Sponsoring des halbstaatlichen Energiemultis Gazprom, und schließlich über die WM 2018 im eigenen Land. Hilft nun auch der Deutsche Fußball-Bund die Macht des Kreml zu sichern?

Von Olaf Sundermeyer

Gasprom-Zentrale in Moskau. (AP)
Gasprom-Zentrale in Moskau. (AP)

Wie zwei Staatsmänner saßen sie diese Woche im noblen Weltsaal des Auswärtigen Amtes in Berlin beieinander. Mit teurem Schreibgerät haben Nikolaj Tolstych, der Präsident des russischen Fußballverbandes, und sein deutscher Amtskollege Wolfgang Niersbach ein vertrauliches Memorandum über die deutsche Fußballhilfe für Russland unterzeichnet.

"Der russische Verband – das hat zunächst gar nichts mit der WM zu tun, der russische Verband will von uns Dinge übernehmen, die nach seiner Ansicht gut laufen: Trainerausbildung ist ein Stichwort. Und das ganze System der Nachwuchsförderung soll ein weiterer Schwerpunkt sein."

Mehr wollte Niersbach nicht über den Vertrag verraten. Der Fußball in Russland ist Teil der sensiblen Außenpolitik ist, Teil der Gesamtstrategie des Kremls. Dabei hilft vor allem der halbstaatliche Energiemulti Gazprom, der in den vergangenen Jahren riesige Summen in den Fußball gesteckt hat. Auch in deutsch-russische Projekte. Es geht darum, die nationale Identität voran zu bringen. Und Russland erlebt unter Wladimir Putin eine Resowjetisierung des Sports. Den Vorwurf aber, die Macht des wegen der Menschenrechtssituation in der Kritik stehenden Staatspräsidenten Wladimir Putin zu stützen, weist Niersbach von sich.

Heißt das, der DFB hilft im Prinzip dem Kreml bei seiner Großmachtwerdung?

"Nein, wir helfen, was wir immer getan haben, dem russischen Verband, wie wir auch anderen Organisationen und Verbänden geholfen haben, so ein Großereignis zu organisieren. Man kann das durchaus trennen. Gerade hatten wir die U17 Weltmeisterschaft in Aserbaidschan, auch da gibt es immer wieder Diskussionen."

Diskussionen also um die Lage der Menschenrechte in einer totalitären ehemaligen Sowjetrepublik. Zu denen gehört auch die Ukraine, Gastgeberland der diesjährigen Fußball-EM. Vor diesem Turnier allerdings hatte der DFB die dortigen Menschenrechtsverletzungen angeprangert. Sogar Philipp Lahm, der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft hatte sich kritisch über die ukrainischen Zustände geäußert: Zum Leidwesen des europäischen Fußballverbandes, der Uefa, die sich mit Kritik an der Ukraine komplett zurück hielt.

"Wir gehen ja nicht blind durch diese Welt, sprechen auch Dinge an, wie wir es in der Ukraine gemacht haben, die nach unserer Sicht im Argen liegen. Wir haben sogar die Uefa da in die Pflicht genommen, haben gesagt, ihr müsst euch auch mal positionieren. Aber man soll uns Sportverbände bitte nicht erhöhen. Wir können aber nicht Dinge lösen, die die Politik nicht gelöst hat."

Zum ersten Mal wird nun eine Fußball-WM in Osteuropa stattfinden. Noch dazu in Russland, wo die innenpolitischen Verhältnisse nach Einschätzung vieler Beobachter immer stärkere totalitäre Züge annehmen. Korruption, die eingeschränkte Meinungsfreiheit und der weit verbreitete Rassismus – auch im Fußball – sind dort ein Thema. Ganz ähnlich wie im diesjährigen EM-Ausrichterland Ukraine. Dort will Alexej Sorokin, der Organisationschef der WM 2018, vor allem ein Problem erkannt haben. Nämlich die ausländischen Berichte über genau diese Missstände. Dabei wird deutlich, dass den Russen weniger an Rechtsstaatlichkeit gelegen ist, als ihren deutschen Partnern

"Was gegen die Ukraine gewirkt hat, ist diese seltsame Haltung, mit der ausländische Medien über sie berichten. In gewisser Weise haben sie diese Negativhaltung einiger Medien einfach übersehen, und sich nicht ausreichend darum gekümmert, ihr zu begegnen."

Aus Sorokins Sicht war das ein Manko. Aber da ist Russland mit seiner Propaganda jetzt schon viel weiter: Mit dem am höchsten dotierten Sponsorenvertrag in der Bundesliga finanziert der halbstaatliche Energiemulti Gazprom den Sympathieträger Schalke 04. Auch hat die Gazprom-Media die russischen Fernsehrechte an der Bundesliga erworben, was sich ebenfalls auf die deutsche Kritikwilligkeit auswirken dürfte. Und neuerdings bezahlt die russische Gaswirtschaft nun aus Imagegründen das gut dotierte Honorar an Franz Beckenbauer. Der wirbt ab sofort fünf Jahre lang für russisches Gas und den Fußballstandort Russland. Eigentlich sollte er auch bei der Unterzeichnung dieses deutsch-russischen Fußballvertrags mit dabei sein. Er hat aber abgesagt. Ziemlich sicher hätte sein Auftritt für Medienwirbel gesorgt. Aber den kann Russland augenblicklich nicht gebrauchen. Dafür hat es gerade zu viel schlechte Presse.

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