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StartseiteUmwelt und VerbraucherEinfach mal die Hennen zählen!25.02.2013

Einfach mal die Hennen zählen!

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft zum möglichen Betrug mit Eiern

Wer die Grundrechenarte beherrsche, der könne leicht nachvollziehen, ob die Vorgaben für Bio- und Freilandeier in einem Betrieb tatsächlich eingehalten würden, betont Bernd Voß von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Hier seien offenbar systematisch Zahlen verschleiert worden.

Im Gespräch mit Christian Bremkamp

Landwirte sollen Eier verkauft haben, die angeblich von frei gehaltenen Hühnern stammen. Tatsächlich wurden die Tiere jedoch auf engstem Raum gehalten.  (dpa)
Landwirte sollen Eier verkauft haben, die angeblich von frei gehaltenen Hühnern stammen. Tatsächlich wurden die Tiere jedoch auf engstem Raum gehalten. (dpa)

Christian Bremkamp: Wer Bio-Eier aus Freilandhaltung kauft, der zahlt dafür gerne etwas mehr. Doch wenn sich der Verdacht der Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigt, wurden Verbraucher in mehreren Bundesländern getäuscht. Hühnerställe sollen in vielen Fällen überbelegt gewesen sein.

Preisdruck oder reine Profitgier – was könnte der Grund für die angeblich überbelegten Hühnerställe sein? Das habe ich Bernd Voß gefragt, er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Bernd Voß: Ja, es ist natürlich klar. Auf der einen Seite haben wir im Lebensmittelbereich massiven Preisdruck. Wir haben aber zugleich es gerade im Bereich der Eier-Produktion damit zu tun, dass wir eine Konzentration auf sehr, sehr große Unternehmen haben, und von daher ist das hier nicht eine Frage von Bio konventionell, sondern eine Frage von bäuerlicher Erzeugung oder agrarindustrieller Erzeugung, also einer Erzeugung, die abgekoppelt ist von der Fläche, abgekoppelt ist von den Menschen, die in Verantwortung auch für die Verbraucher dort arbeiten.

Bremkamp: Herr Voß, im Fall der falsch deklarierten Lasagne hieß es, "selber Schuld! Wer so günstige Produkte kauft, der darf sich eigentlich nicht wundern." Nun gelten Bio-Eier gemeinhin nicht als Billigprodukt. Worauf können wir Verbraucher uns denn noch verlassen?

Voß: Na ja, es ist bei diesem Skandal eine Frage von Freiland-Eiern, eine Frage von Bio-Eiern, und es ist eine Frage der Kennzeichnung. Grundsätzlich, denke ich, muss man als Verbraucher sich unter anderem darauf verlassen, dass das, was draufsteht, auch drin ist. Das ist klar. Aber wir haben im Bereich der Bio-Kennzeichnung eben auch die Möglichkeit, wenn das von Bioland oder Naturland, also von den Verbänden kommt, der Betriebsteilung. Das ist so ein Einfallstor, wo die Probleme anfangen. Von daher ist einfach von entscheidender Bedeutung, dass die Kette wirklich geschlossen dargestellt ist auf dem Produkt, das der Verbraucher, das die Verbraucherin kauft, dass sie einfach eine ganz klare verbindliche Lebensmittelkennzeichnung haben entlang der Kette. Und das war ja beim Pferdefleisch sehr, sehr deutlich: Bei Bauern, bei Bäuerinnen auf einem Betrieb wird alles per Zentralcomputer erfasst, von der Geburt bis zum Abgang des Tieres vom Betrieb. Warum kann das ab dann nicht weiterverfolgt werden, und das gilt im Grunde genauso für Eier. Dann haben wir einen erheblich entzerrteren Markt, erheblich mehr Orientierung an klarer Herkunft, klarer regionaler Herkunft auch. Daran werden sich die Ketten orientieren.

Bremkamp: Und da fragt man sich: Wie glaubhaft sind Biosiegel noch?

Voß: Ich denke, Biosiegel sind glaubhaft, und jedes Siegel im Grunde ist dem Problem ausgesetzt, wenn man mit Betrug zu tun hat. Dagegen ist das überhaupt nicht gefeit. Aber um im Grunde auch Betrug abzuwehren, ist es einfach wichtig, dass die Produkte entlang der Kette deutlich gekennzeichnet werden, dass wir einfach, dass der Verbraucher wirklich weiß, woher das Produkt kommt und wo das überall gewesen ist, auf einem langen Weg oder hoffentlich kurzen Weg, bis er es vom Supermarktregal oder eben bei seinem Laden einkauft.

Bremkamp: Die frühere Verbraucherschutzministerin Renate Künast hat nun eine Zählung der Hennen angemahnt. Ein sinnvoller Vorschlag, oder müsste man ganz woanders ansetzen? Sprich: Wie kann man garantieren, dass das, was drin sein soll, auch wirklich drin ist?

Voß: Ja! Dieser Vorschlag, die Hennen zu zählen, macht im Grunde deutlich, womit wir es hierbei zu tun haben. Wir haben es hierbei im Grunde mit einem ganz einfachen Tatbestand zu tun, dass man nicht mal die Wurzel aus der Erfahrung mehr braucht, sondern mit den Grundrechenarten eigentlich schon überblicken muss, ob das überhaupt angehen kann, wie viele Küken angeliefert wurden, wie viele Hennen den Stall verlassen haben und wie groß der Stall ist, wie viel Quadratmeter pro Tier zur Verfügung standen. Also von daher ist das schon ein Stück weit aus dem Tollhaus, wie es den Unternehmen hier anscheinend über Jahre gelungen ist, diese Zahlen zu verschleiern. Hier muss einfach ein klarer Abgleich sein mit den Zahlen, die beim Finanzamt angegeben werden, den Zahlen, die bei der Kreisveterinärbehörde angegeben werden. Das ist im Grunde sehr, sehr einfach zu überblicken. Es ist völlig unverständlich, welche Strukturen dazu geführt haben, dass das in diesem Umfang hier einreißen konnte.

Bremkamp: Möglicherweise sind auch Eier aus Freiland- und Biohaltung falsch deklariert worden – im Interview war das Bernd Voß, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

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