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StartseiteRock et ceteraMehr Diversität im Musikbusiness!29.12.2019

EinwurfMehr Diversität im Musikbusiness!

Die Musikwelt hat in Sachen mehr Diversität schon Fortschritte gemacht, doch die Rockmusik tut sich immer noch schwer damit. Hier dominieren immer noch überproportional viele Männer das Geschehen. Was sind die Gründe? Gelten hier die alten Rollenbilder?

Von Anke Behlert

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Samantha Fox spielt auf einer Bühne Gitarre. (imago stock&poeple Jeff Moore)
Eine Ausnahme im Männerbusiness: Bluesgitarristin Samantha Fish (imago stock&poeple Jeff Moore)
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Männerdomäne Live-Musik Frauen hinter der Bühne

Wenn man sich die Jahresbestenlisten der verschiedenen Musikmagazine und Webseiten anschaut, stellt man zum einen fest, dass man von der Hälfte der Künstlerinnen und Künstler noch nie gehört hat. Zum anderen zeigt sich: die Zeit, in denen fast nur Männer in solchen Listen auftauchten, ist vorbei! Das Patriarchat befindet sich quasi kurz vor dem Zusammenbruch. Nun, ganz so weit sind wir leider noch nicht. Vor allem nicht in eher gitarrenlastiger Musik wie Rock, Metal, Blues usw. Die werden immer noch von Männern, um nicht zu sagen weißen Männern, dominiert. Auf einer Liste der 30 besten Bluesgitarristen, die das Magazin Guitarworld im November veröffentlicht hat, finden sich gerade mal zwei Frauen: die Finnin Erja Lyytinen und die Amerikanerin Samantha Fish.

Musik: "Bulletproof" - Samantha Fish

"Guitarworld" ist damit aber nicht allein, ob "Rolling Stone", "Metalhammer", "Guitar" oder "Akustik Gitarre": In diesen Heften geht es zum allergrößten Teil um männliche Musiker. Und besonders beliebte Coverstars sind auch 2019 noch Led Zeppelin, Neil Young oder die Beatles. "Rock gilt immer noch als Jungssache" meint der Musiksoziologe Holger Schwetter in einem Artikel des Berliner "Tagesspiegel". Wenn man sich die Line-Ups der größeren deutschen Festivals anschaut, ist man geneigt ihm zuzustimmen: Frauen sind dort immer noch eine kleine Minderheit. Bei den Zwillingsfestivals "Rock am Ring" und "Rock im Park" waren 2019 von etwa 250 Musikern nicht einmal zehn Frauen. Nicht viel besser steht es beim Hurricane bzw. Southside oder dem Wacken. Und auch wir bei "Rock et cetera" müssen feststellen, dass der Großteil der hier porträtierten Künstler männlich ist. Liegt es vielleicht daran, dass es einfach nicht so viele Frauen gibt im Musikbusiness? Die 28-jährige Amerikanerin Fabi Reyna würde entschieden widersprechen. Sie hat 2012 das Magazin "She Shreds" gegründet, dem bislang einzigen, das sich ausschließlich Gitarristinnen und Bassistinnen widmet. Dort auf dem Cover: Brittany Howard, Esperanza Spalding oder Tegan & Sara.

Musik: I'll be back someday - Tegan & Sara 

In einem Interview mit NPR sagte Reyna kürzlich, dass eine der häufigsten Fragen sei, ob sie nicht befürchte, dass ihr bald die Themen, mit anderen Worten die Musikerinnen ausgehen. Ihre Antwort: Das wird nicht passieren. Eine Statistik des Gitarrenherstellers Fender gibt ihr Recht: 50 Prozent aller Neueinsteiger am Instrument sind mittlerweile Frauen oder Mädchen. Ist es also nur eine Frage der Zeit bis eine neue Generation von Gitarrenheldinnen die grauhaarigen Männer vom Thron schubst? Ganz so einfach ist es nicht. Hartnäckig halten sich gewisse Rollenbilder, wie sich Menschen des einen oder anderen Geschlechts zu verhalten haben. Jungs dürfen wild sein, bei Mädchen ist das eher nicht erwünscht. Entsprechend ist es ok, wenn Männer auf der Bühne die Sau rauslassen, bei Frauen hingegen ruft so ein Verhalten oft Befremdung hervor. Sexismus und Doppelstandards in der Musikbranche – leider immer noch aktuell. Oder kennen Sie das weibliche Pendant zu Mötley Crüe und The Who, die in ihren ganz wilden Jahren reihenweise männliche Groupies flachgelegt und Hotelzimmer auseinandergenommen haben und dafür noch gefeiert wurden? Ich auch nicht.     

Musik: Girls, girls, girls - Mötley Crüe

Wir müssen also feststellen: Die Rockszene ist offenbar nicht so dynamisch wie andere Genres. Hier wird sich noch ein bisschen fester an alte Helden geklammert, sei es nun beim Festivalbooking oder auf Magazincovern. Und trotzdem: es tut sich was und wenn alles gutgeht, macht die Veränderung auch vor dieser vermeintlichen Männerbastion nicht halt. Ich jedenfalls freue mich auf die vielen spannenden Künstlerinnen, die in den kommenden Jahren Blues, Metal und Rockmusik bereichern. Oder um es mit She Shreds-Gründerin Fabi Reyna zu sagen: Es gibt all diese vorgefassten Meinungen, was wir sein können und was nicht, aber damit ist jetzt Schluss!

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