Interview der Woche
EKD-Ratsvorsitzende Fehrs warnt vor verfrühter Debatte über Rückführung syrischer Geflüchteter

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Fehrs, warnt vor einer verfrühten Debatte über die Rückführung von syrischen Geflüchteten nach dem Sturz des Assad-Regimes. Die politische Diskussion in Deutschland vermittle den Eindruck, als würden alle Syrer und Syrerinnen auf gepackten Koffern sitzen und sofort in das zerstörte Land zurückkehren wollen, sagte Fehrs im Interview der Woche des Deutschlandfunks.

    Kirsten Fehrs spricht und gestikuliert in einem Interview mit Journalisten.
    Die EKD-Vorsitzende Fehrs (Archivbild). (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
    Außerdem sei noch völlig unklar, inwieweit Religionsfreiheit, Frauenrechte und Menschenrechte in einer neuen Verfassung gesichert würden. Die nach Deutschland geflüchteten Menschen aus Syrien müssten wissen, dass sie weiterhin nicht abgeschoben werden. Die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Entscheidungen über Asylanträge vorerst auszusetzen, hält Fehrs aber für richtig.

    Debatte in Deutschland über Umgang mit syrischen Geflüchteten

    In Deutschland wird seit dem Sturz des Assad-Regimes verstärkt über den Umgang mit syrischen Flüchtlingen diskutiert. Der CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat der Union, Merz, findet, diejenigen Syrer, die sich nicht integrieren wollten, sollten in ihr Heimatland zurückkehren. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Dobrindt, sagte, seine Partei wolle freiwillige Ausreisen von Syrern finanziell unterstützen. Ähnlich hatte sich Unionsfraktionsvize Spahn (CDU) geäußert.
    AfD und BSW riefen die Syrer direkt nach dem Assad-Sturz zur Rückkehr auf. Politiker anderer Parteien, Hilfswerke und Menschenrechtler warnten dagegen vor übereilten Forderungen.
    Der Deutschlandfunk sendet das Interview am Sonntag, 22. Dezember 2024, um 11.05 Uhr.
    Diese Nachricht wurde am 20.12.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.