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Elektroautos
Ideen zu verschenken

Der Elektroauto-Pionier Tesla geht einen ungewöhnlichen Schritt. Konkurrenten, die Erfindungen der Firma nachahmen, sollen in Zukunft nicht mehr verklagt werden. Stattdessen will Tesla-Gründer Elon Musk Patente verschenken. Ganz so selbstlos, wie er wohl wirken soll, sei der Schritt allerdings nicht, meinen Patentanwälte.

Von Michael Braun | 13.06.2014

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Ein Elektroauto an einer E-Tankstelle: Ein Kleinwagen wie dieser "e-Up" von Volkswagen lässt sich innerhalb einer Stunde komplett aufladen. (dpa/picture alliance/Maximilian Schönherr)
Cool bleiben. Große Worte des Tesla-Gründers Elon Musk werden bei Analysten und Anwälten zurechtgeschnitten. Musk hat angeboten, Konkurrenten könnten seine Patente für Elektroautos kostenlos nutzen. Denn der wahre Gegner seien nicht die wenigen Elektroautos ohne Tesla-Markenzeichen. Der wahre Gegner sei der Verbrennungsmotor. Das höre sich revolutionär an, meint der Tilo Blasberg aus der Kanzlei "2kPatentanwälte", sei es aber nicht:
"Denn ein Kraftfahrzeug ist ein äußerst komplexes technisches Produkt, das eine jahre- oder gar jahrzehntelange Entwicklung und Zulassung beinhaltet. Solche Entwicklungen kann ich nicht einfach umstoßen, wenn Patente freigegeben werden."
Das wollten viele Autohersteller auch nicht, weil sie das Einheitsauto gerade nicht wollten: Jede Marke solle sich anders anfühlen. Das sei auch eine Frage des Patentmanagements.
Andere sehen es anders: Ferdinand Dudenhöffer etwa, der Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Musks Angebot könne dem Elektroauto aus seinem Nischendasein helfen, das System E-Auto einen starken Schub bekommen, sagte Dudenhöffer der Nachrichtenagentur dpa. Nun könne kein Hersteller die Technologie mehr links liegen lassen.
Natürlich erinnern sich Fachleute bei solchen Meldungen wie der von Tesla heute daran, wie vor allem die Winterkorns und andere VW-Manager über Elektroautos abgelästert hätten: zu teuer, zu geringe Reichweite. Und dann habe Tesla vorgemacht, dass Elektroautos viel Fahrfreude bei deutlich größerer Reichweite als hiesige Stromer bieten. Dennoch bleibt Skepsis gegenüber einem Elon Musk, der auch mit Internetbezahlsystemen und der privaten Raumfahrt unterwegs ist:
"Er will sich eben auch als der bessere Mensch verkaufen, der in der Unternehmenswelt einfach anders unterwegs ist und dem mehr an dem Wohl der Menschheit gelegen ist als vielleicht anderen. Und es ist sicherlich auch ein Aspekt, denke ich, dass es letztlich nicht so fundamental wichtige Patente zu vergeben gilt, und dass der Wert vielleicht der Patente, die Tesla da erworben hat, nicht so gigantisch groß ist."
Eine Chance für die Weiterentwicklung der E-Autos
Sagt Jürgen Pieper, Autoanalyst vom Bankhaus Metzler.
Klar ist, dass die Kooperation der Hersteller viel weiter reicht, als vielen bekannt. Auch Tesla steht nicht allein. Daimler ist daran beteiligt. Mit Toyota hatte Tesla zwischen 2010 und Mai dieses Jahres zusammengearbeitet, wohl nicht sehr erfolgreich. Und heute hieß es, BMW wolle mit Tesla enger kooperieren. Das geht nicht immer gut. Innovationen ließen sich aber, so der Patentanwalt Tilo Blasberg, mit Patenten nicht verhindern, auch wenn es manchmal rumpele:
"Dann kommt es zu diesen Patentverletzungsklagen - Beispiel: Apple gegen Samsung. Aber im Ergebnis ist es meistens so, dass sich Entwicklungstendenzen nicht aufhalten lassen."
Vielleicht hat Tesla also nur das Unvermeidliche angeboten. Gleichwohl wird der Druck auf die klassischen Antriebstechniken steigen.